Politik | Ausland
04/16/2019

„Duce“-Wein als Verkaufsschlager in Italien

Handel mit zweifelhaften Faschismus-Devotionalien ist weiterhin nicht verboten.

Italien pflegt immer noch einen lockeren Umgang mit dem Faschismus. Die mangelnde Aufarbeitung und die Mussolini-Verherrlichung von rechtsaußen stehenden Politikern sorgt für Kritik. Vom Norden bis in den Süden des Landes kann man Faschismus-Devotionalien kaufen. Weine mit Hitler- und Mussolini-Konterfeis in verschiedenen Posen finden sich in Supermarktregalen. Etwa im Top Market im Urlaubsort Jesolo an der oberen Adria.

Dort stehen nicht ein paar Flaschen, sondern ein Sortiment auf drei Etagen zur Auswahl. „Sieg Heil“, „Mein Kampf“, „Mein Führer“ ist auf den Wein-Etiketten zu lesen. Auch Tassen mit Hakenkreuz und anderen Nazi-Symbolen werden angeboten – zum Souvenir-Preis von fünf Euro.

„Nur ein Business“

Solange die Leute die „Führer-Weine“ kaufen, werde er sie im Sortiment lassen, sagt der Geschäftsinhaber: „Es ist nur ein Business. Ich bin weder ein Nazi noch ein Faschist.“ In den Sommermonaten verkauft er rund 1500 Flaschen. Im Herbst 2017 hatte die Regierung von Premier Gentiloni bereits ein Gesetz zum Verbot von faschistischen Symbolen beschlossen. Hitlergruß, Verkauf von Mussolini-Weinen und anderen Devotionalien sollte künftig auch in Italien unter Strafe stehen. Die Abgeordnetenkammer stimmte der „Legge Fiano“ bereits zu. Im Senat hätte das Gesetz nur noch abgesegnet werden müssen. Dazu kam es jedoch nicht mehr, da die Regierung vorher abtrat.

Meinungsfreiheit?

Von der Lega-Fünf Sterne-Regierung ist dazu wenig zu erwarten: Rechtsparteien und die Fünf-Sterne-Bewegung kritisierten damals den Gesetzesentwurf, der dem Prinzip der Meinungsfreiheit widerspreche.