Putin und Trump: Graffiti in Litauen

© AP/Mindaugas Kulbis

USA
09/08/2016

Donald Trumps Allmachtsfantasien

Der Republikaner bewundert Kremlchef Putin – und präsentiert sich den Wählern selbst als "starker Mann".

von Irene Thierjung

Begegnet sind sich die beiden noch nie, und doch hegen sie große Sympathien für einander: Donald Trump und Wladimir Putin. Besonders der US-Präsidentschaftskandidat äußert sich immer wieder bewundernd über den russischen Präsidenten – verkörpert dieser doch genau den Typus Staatschef, der er selbst gerne wäre.

Dementsprechend groß war das Lob, das der von Putin einst als "brillant" bezeichnete Trump bei einer NBC-Diskussion Mittwochabend auf einem alten Flugzeugträger in New York für den Kremlchef bereithielt. An Putin schätze er, dass er "sehr starke Kontrolle über sein Land hat", sagte der Republikaner bei seinem 30-minütigen Auftritt in der TV-Sendung. In dieser hatte vor ihm Hillary Clinton Rede und Antwort gestanden.

"Nicht qualifiziert"

Russland habe zwar "ein ganz anderes System, und ich mag dieses System nicht besonders", aber in diesem System "ist Putin der klare Anführer, viel mehr, als unser Präsident es war", sagte Trump. Obama konterte später: "Ich denke nicht, dass dieser Mann qualifiziert ist, Präsident der USA zu sein, und jedes Mal, wenn er spricht, wird diese Meinung bestätigt."

Trump hat schon bei früherer Gelegenheit angekündigt, er wolle als US-Präsident die Beziehungen zu Russland verbessern und darüber nachdenken, die 2014 von Moskau annektierte ukrainische Halbinsel Krim als russisches Territorium anzuerkennen. Das brachte ihm harsche Kritik auch von Republikanern ein – ebenso wie sein verklausulierter Aufruf an den russischen Geheimdienst, Datenbanken der Demokraten zu hacken.

Dass sich Trump derart anerkennend über Putin äußert und sich dabei selbst als "starker Mann" positioniert, liegt nicht nur an seinem übersteigerten Ego, gepaart mit Allmachtsfantasien, sondern hat handfeste politische Gründe. In Zeiten der Unsicherheit, in denen 40 Prozent der Amerikaner Terroristen für noch bedrohlicher halten als zu 9/11 und Waffenverkäufe in die Höhe schnellen, betont Trump seine Führungskraft. Er gibt sich als Macher, der sagt, wo’s lang geht, und der auf den Tisch haut.

Das zeigte sich auch auf NBC, wo der 70-Jährige selbstbewusst außen- und sicherheitspolitische Vorhaben ankündigte, Details aber schuldig blieb. So will er als Präsident das Militär beauftragen, den Islamischen Staat (IS) in "Schutt und Asche" zu legen und "das Öl mitzunehmen". Auf die Frage, wie das bewerkstelligt werden soll, entgegnete Trump: "Ich will dem Feind nicht über den Sender sagen, was mein Plan ist." Er wolle die Streitkräfte aufstocken und aufrüsten. Damit möchte Trump Militärangehörige und ihre Familien von sich überzeugen. Viele leben in Swing States wie Florida oder Virginia, die zwischen Republikanern und Demokraten umkämpft sind.

"Keine Bodentruppen"

Clinton, die am 26. September in einem TV-Duell direkt auf Trump treffen wird, zeigte sich am Mittwoch sattelfest. Sie verwies auf ihre Erfahrung als Ex-Außenministerin und versprach ebenfalls, den IS zu schlagen – ohne US-Bodentruppen in Irak und Syrien. Zudem kündigte sie an, mehr für die psychische Gesundheit von Veteranen zu tun, was im Militär gut ankommt. In die Defensive geriet sie bei Fragen zur eMail-Affäre. Sie hatte als Außenministerin einen privaten Server für berufliche Mails benutzt – ein gefundenes Fressen für Trump.

Politkrise wegen Trump

Vor gut einer Woche besuchte der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump Mexikos Staatschef Enrique Peña Nieto. Das umstrittene und von vielen Mexikanern heftig kritisierte Treffen dauerte nur kurz – die Aufregung darüber hält allerdings bis heute an und hat sich in Mexiko zu einer politischen Krise samt Rücktritt eines Ministers gesteigert.

Vor dem Besuch hatte Trump immer wieder gegen Mexiko gewettert. Er bezeichnete illegale Einwanderer aus dem Land als „Kriminelle“ und „Vergewaltiger“, woraufhin ihn Peña Nieto mit den Diktatoren Mussolini und Hitler verglich. Für Streit sorgte auch Trumps Plan, an der Grenze zu Mexiko eine Mauer zum „Schutz“ vor weiteren Migranten bauen zu lassen.

Chance vs. Risiko

Peña Nieto lud Trump dennoch ein. Maßgeblich verantwortlich für diesen Schritt war sein Vertrauter, Finanzminister Luis Videgaray, der gestern zurücktrat – wenn auch offiziell aus anderen Gründen.

Videgaray soll die Chancen einer Annäherung an den potenziellen nächsten US-Präsidenten Trump größer eingeschätzt haben als das politische Risiko, das Peña Nieto mit der Einladung des verhassten Trump eingehen würde. Er lag falsch – gleich nach dem Treffen bekräftigte Trump seine Mauerpläne und forderte erneut, Mexiko müsse den Bau bezahlen.
Hillary Clinton hat übrigens auch eine Einladung aus Mexiko, die sie aber nicht annehmen will.