Social Distancing ist im Central Park kein  Problem

© APA/AFP/ED JONES

Politik Ausland
04/11/2021

Die Stadt, die niemals schläft, wacht wieder auf

In New York City kehrt nach hartem Lockdown das Leben zurück. Möglich macht das auch der Impferfolg. Dennoch herrscht in der Megametropole Vorsicht

von Angelika Ahrens

New York atmet auf. „Die Leute sind so dankbar, dass sie nach mehr als einem Jahr wieder zu uns ins Studio kommen können, manche weinen sogar.“ Yogalehrerin Jess Halverson ist sichtlich gerührt von den Reaktionen ihrer Kunden. „Gerade war eine Krankenschwester da, sie hat ein Jahr lang anderen geholfen, jetzt kann sie auch wieder etwas für sich tun. Und die Leute sind generell froh, dass sie außerhalb ihrer Apartments etwas machen können.“

Das LLStudio im Flatiron District ist eines von rund 300 Yogastudios allein in New York City. Sie gehören zur letzten Gruppe, die in der Millionenmetropole nach dem Shutdown erst jetzt wieder mit Beschränkungen aufsperren darf. Ebenso wie Kinos, Theater, Comedy oder Jazz Clubs, für die der Big Apple so berühmt ist.

Gute Impfrate

Angesichts der rasanten Impfkampagne in den USA, vor allem in New York, werden auch im einstigen Covid-Epizentrum zunehmend die Beschränkungen gelockert. Fast 40 Prozent der acht Millionen Einwohner sind laut New York State zumindest einmal geimpft, 24 Prozent bereits komplett. Die Spritzen werden teilweise Tag und Nacht aufgezogen, je nach Verfügbarkeit selbst in Baseballstadien. In einer Ambulanz der Northwell Health Gruppe wurde sogar eine Wand durchbrochen, um mehr Stühle für Impfkandidaten aufzustellen und den Sicherheitsabstand zu wahren.

Mittlerweile darf sich jeder ab 16 Jahren einen Termin holen. Das Ziel: Bis Juni sollen fünf Millionen New Yorker in der City komplett geimpft sein. „Der Pikser in den Arm ist eine große Erleichterung,“ sagt Dara. Die Lehrerin aus dem benachbarten Bundesstaat New Jersey ist – wie ihre Kollegin Emily – bereits geimpft und in Manhattan zum Sightseeing unterwegs: „Vor einem halben Jahr konnte man teilweise auf der Straße gehen, weil kaum Autos gefahren sind. Das hat sich jetzt wieder deutlich geändert.“

Die beiden genießen es trotzdem. Denn im kultigen Shopping- und Galerienviertel mit den Gusseisen-Fassaden und Feuerleitern herrscht nach wie vor kein Geschiebe und Gedränge. Auch nicht bei den Designer-Abverkäufen, wo sich vor der Pandemie die Shopping-Fans aus aller Welt die Klinke in die Hand gegeben haben.

Viele Läden stehen noch immer leer. Die Pandemie hat insbesondere hier, wo viele auf Touristen setzen, eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Auch bei der Freiheitsstatue gibt es derzeit kein langes Anstellen. Seemöwen kreischen, der lang gezogene Ton der Schiffssirenen klingt durch den Hafen. Alle 30 Minuten legt eine Fähre vom Battery Park am Südzipfel Manhattans ab, wenn auch halb leer.

Sanfte Rückkehr

Aber es gibt weniger Besucher, auch im relativ neuen „Statue of Liberty Multimedia Museum“ ist viel Platz für Social Distancing: „Maximal zwölf Prozent der Besucher im Vergleich zu 2019 sind es“, rechnet Suzanne Mannion von der Statue of Liberty-Ellis Island Foundation vor. Sie hofft auf mehr inländische Besucher am Memorial-Day-Wochenende Ende Mai.

Dara und Emily sind in der Zwischenzeit von Soho ins West Village unterwegs, auf der Suche nach einem Restaurant. Obwohl die Lokale seit Kurzem wieder 50 Prozent der Sitzplätze im Innenbereich belegen dürfen, wollen Gäste lieber draußen essen. Die Gastronomie ist einer der wichtigsten Geschäftszweige der Stadt mit einst mehr als 300.000 Jobs. Daher darf sie Lokale, Tische und Stühle entlang der Lokale aufstellen – auch auf der Straße. Diese Sonderregelegung soll laut Bürgermeister zumindest bis Herbst bleiben.

Aus den Schanigärten sind über den Winter skihüttenähnliche Häuschen geworden, mit Fenstern und Heizstrahlern, nur eben auf einer Seite offen. Hartgesottene haben auch bei Minusgraden draußen konsumiert.

Dieses Durchhaltevermögen sowie Social Distancing und das Tragen der Masken haben neben den Massenimpfungen zum Erfolg beim Wiederaufsperren beigetragen. Masken sind seit einem Jahr in der Stadt Pflicht, auch für Kinder ab zwei Jahren. Dabei bleibt es, denn aggressivere Covid-Varianten sind auch hier auf dem Vormarsch.

Ein zusätzliches Werkzeug ist „Excelsior“. Der neue digitale Impfpass am Handy soll Hochzeiten, Sport- und Musikveranstaltungen ermöglichen. Auch der berühmte Madison Square Garden in Manhattan will den bisher einzigartigen Pass in den USA mit QR-Code auf Basis der Blockchain-Technologie für Events nutzen.

Altbekannte Töne

In der angesagten Lounge des Roxy Hotels wird dagegen noch die Körpertemperatur der Gäste gemessen, Telefonnummern der Besucher werden notiert. „Bill Dobrow und Friends“ spielen live Jazz-Musik. Eine lokale Band, die auch schon mit Yoko Ono aufgetreten ist. Aber selbst für sie gilt: „Ab 23 Uhr ist Schluss, da muss jeder draußen sein,“ sagt eine Kellnerin.

Keine Sperrstunde gibt es hingegen für den Cellisten Peter Lewy. Der bekannte Musiker ist immer wieder mit seinem Cello im West Village zu sehen und zu hören. „Es war in den letzten Monaten manchmal ein Vorwärts und ein Zurück“, meint er. Aber die generelle Entwicklung sei positiv: „Ich glaube, im Sommer wird es richtig interessant, weil sich viel draußen abspielt. Das New Yorker Leben erwacht wieder zum vollen Leben.“

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