Politik | Ausland 05.12.2011

Die Opfer des Terrors auf der Insel Utøya

Schicksale: Ein Betreuer warf sich schützend vor die Jugendlichen und bezahlte mit dem Leben.

Mama war Utøya, und Utøya war Mama. Ich vermisse sie so schrecklich." Das sagt die 16-jährige Helene Bøsei Olsen über ihre Mutter Monica. Ihre Mutter soll sich nach der Ankunft auf der Insel mit einem Wachmann unterhalten haben, weil sich Breivik bei der Überfahrt mit der Fähre verdächtig verhalten hatte. Breivik erschoss die beiden, während sie miteinander sprachen. Monica Bøsei arbeitete seit 20 Jahren in dem Sommerlager der sozialdemokratischen Parteijugend als Helferin . Ihre Tochter überlebte das Massaker.

Der Musiker Ismail Haj Ahmed (20), in Norwegen bekannt aus der Sendung "Norwegen sucht das Supertalent", sollte auf der Ferieninsel auftreten. Er war gemeinsam mit seinem Bruder dort, der später seine Leiche in den Klippen fand: "Ich hörte Schüsse! Wir versteckten uns, trauten uns erst wieder raus, als wir einen Hubschrauber hörten. Wir liefen zum Ufer und sahen jede Menge Leichen. Da entdeckte ich meinen toten Bruder."

Tore Eikeland (21) galt als Nachwuchshoffnung der Sozialdemokraten und war Funktionär der sozialdemokratischen Jugendorganisation. Er starb im Kugelhagel des Terroristen. Er war anfangs als vermisst gemeldet, bis am Sonntag seine Leiche identifiziert wurde. Ministerpräsident Jens Stoltenberg gedachte des jungen Parteifreunds unter Tränen: "Tore ist weg für immer. Es ist nicht zu begreifen."

Der 23-jährige Gunnar Linaker kam als Betreuer mit Jugendlichen auf die Insel. Als das Massaker begann, telefonierte er gerade mit seinem Vater. Die letzten Worte zu ihm waren:
"Papa. Papa, jemanden schießt auf uns. Ich muss weg!" Dann legte er auf. Er soll sich zwischen die Jugendlichen und den Schützen geworfen haben, als er von den Kugeln des Terroristen verletzt wurde. Rettungskräfte brachten ihn ins Spital. Doch es war bereits zu spät. Er starb wenig später.

Helene Bøsei Olsen sagte bei einer Trauerfeier zu den Anwesenden: "Ich habe mehrere Freunde verloren. Und ich habe meine Mutter verloren. Ich wünsche mir nicht, dass ihr den Terroristen hasst. Ich möchte, dass ihr denen, die ihr mögt, eure Liebe zeigt."

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011