Politik | Ausland
24.01.2018

Die nächste Krise kommt bestimmt. Nur wann?

Trump, China oder die Schuldenblase: Rätselraten über das größte Risiko.

Allmählich wird es unheimlich. Die Börsen eilen von Rekord zu Rekord, die globale Wirtschaftsleistung soll heuer und 2019 um fast vier Prozent zulegen. Noch nie seit der großen Finanzkrise vor zehn Jahren fand das Forum in Davos unter ähnlich positiven Vorzeichen statt.

Dennoch – oder gerade deshalb: In dieser Tonart könne und werde es nicht weitergehen, lautete der Tenor am Eröffnungstag. Was ist der Grund für diesen Kaufrausch der Anleger? Sogar Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller, ein ausgewiesener Experte für die Psychologie der Marktteilnehmer, wirkte etwas ratlos. "Schwer zu sagen, was die Anleger so zuversichtlich stimmt." Würde man US-Präsident Trump fragen, so wäre die Antwort wohl klar: Er und seine Politik. "Die Gründe scheinen mir etwas subtiler", merkte Shiller an. Ob die gute Stimmung drehen könnte? "Natürlich, jederzeit." Nur was der Auslöser sein werde, lasse sich leider nie vorhersagen.

China/USA: "Viel Glück"

Nicht nur die Ökonomen, auch die Finanzprofis selbst haben Zweifel, ob die Jubelstimmung von Dauer ist: "Die Aktien sind auf einem Rekordhoch, die Kursschwankungen auf einem Allzeittief, das ist keine nachhaltige Konstellation", warnte Jes Staley, Chef der Großbank Barclays. Braut sich hier Unheil zusammen? "Wir haben noch mit den Nachwehen der vorangegangenen Krise zu kämpfen", sagte Harvard-Professor Kenneth Rogoff, der Finanzkatastrophen über mehrere Jahrhunderte untersucht hat. Für ihn überwiegt derzeit der Optimismus. Allerdings bereitet ihm Sorgen, was passieren würde, falls die Zinsen unerwartet rasch angehoben werden müssten. Und auch in China gebe es "viele typische Anzeichen für eine nahende Krise".

Gut, dass Fang Xinhai, Vizechef der Finanzaufsicht in Peking, am selben Podium saß. Wegen der schieren Größe der Volkswirtschaft hätte jedes Problem in China Folgen für die Weltwirtschaft, insofern seien die Bedenken berechtigt. Allerdings habe Chinas Aufsicht aus der US-Krise eine Lektion gelernt – und zwar, rasch zu handeln. So ließe sich vermeiden, dass Probleme einer kleinen Bank das gesamte Finanzsystem anstecken. Chinas rasch ansteigende Verschuldung sei bereits vor Jahren als Problem identifiziert und in Angriff genommen worden.

Und die USA? Da wünsche sich China ganz normale Beziehungen, so Fang. "Viel Glück!", lautete der Konter von US-Professor Rogoff. Gesellschaftliche Brüche, wie sie die Welt jetzt erlebt, seien nach Krisen ganz typisch. Einen Trost hatte Rogoff prophylaktisch parat: "Ein Aktiencrash wäre schmerzhaft, aber bei Weitem nicht so schlimm wie eine Schuldenkrise."