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Politik Ausland
07/30/2021

Die alten und die neuen Freunde Israels

Mohammed Bin Zayed, Kronprinz aus Abu Dhabi, Drahtzieher der Modernisierung auf der Arabischen Halbinsel, war in Wien – auch um über die Aussöhnung mit Israel zu reden

von Konrad Kramar

Terminkollision, oder doch diplomatischer Gleichklang? Es war am vergangenen Freitag, als in Wien Bundeskanzler Sebastian Kurz und in Abu Dhabi Kronprinz Mohammed bin Zayed zum Telefon griffen und sich zur selben Nummer durchstellen ließen: Jener von Israelis neuem Premierminister Naftali Bennett. Der Ultrarechte war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal zehn Tage im Amt, und es galt, die Beziehungen nach Jerusalem neu auszuloten. Schließlich waren die in Wien wie auch in den Arabischen Emiraten zuletzt ausgesprochen gut. Mit Israels Ex-Langzeit-Regierungschef Benjamin Netanjahu unterhält Kurz schon seit seiner Zeit als Außenminister ausgesprochen engen Kontakt. Eine „Bromance“ – also eine Art echte Männerfreundschaft – nannte es die renommierte Tageszeitung Jerusalem Post.

Der Kronprinz wiederum hatte mit Netanjahu die Aussöhnung mit dem alten Erzfeind Israel eingeleitet. Erst vor zwei Tagen hat Israels Außenminister Yair Lapid die Botschaft seines Landes in Abu Dhabi offiziell eröffnet. Deren Botschaft in Tel Aviv ist schon eine Woche in Betrieb.

Ein Pragmatiker

Der Bundeskanzler und der Kronprinz hatten also in jedem Fall ein wichtiges gemeinsames Thema, als Bin Zayed am Donnerstag nach Wien kam. „Es geht um Stabilität im Nahen Osten, einer Region, die ganz stark im Wandel begriffen ist“, schildert Österreichs Außenminister Alexander Schallenberg, der auch an den Gesprächen teilnahm, die politische Grundausrichtung. Der Kronprinz sei ein Pragmatiker, der sein Land nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch neu aufstellen wolle. Anders als frühere arabische Machthaber, „erkennt man eben Israel als einen Staat an, der bleibt.“

Der Kronprinz sei „der Motor der Aussöhnung“ mit Israel, meint Schallenberg im Gespräch mit dem KURIER, „ein mutiger Schritt“.

Die Regierung in Wien ist ohnehin entschlossen, die enge Partnerschaft mit Israel auch unter der neuen Regierung Naftali Bennets fortzusetzen. Schallenberg: „Wir setzen da einfach konsequent auf unsere Partner.“

Dass man sowohl in Jerusalem als auch in Abu Dhabi den Iran zum neuen gemeinsamen Hauptfeind erklärt hat, lässt man in Wien lieber beiseite. Schließlich gibt es ja immer noch die Hoffnung, das in Wien geschlossene Atomabkommen mit dem Iran von 2015 wieder zu beleben. Dass der Kronprinz gerade jetzt Österreich besucht, nimmt man jedenfalls nicht ohne Stolz zur Kenntnis: „Man betrachtet uns als zentralen Partner in der EU.“

Wasserstoff statt Öl

Und diese Wertschätzung durch den neuen starken Mann auf der Arabischen Halbinsel will man auch wirtschaftlich nutzen. Die OMV ist ohnehin seit Jahren massiv in den Emiraten engagiert, mischt über Partnerschaft bei der Erdölförderung, aber auch bei Raffinerien mit. In Zukunft will man dann auch beim Thema Wasserstoff zusammenarbeiten. Auch die Emirate sind längst bemüht, von den fossilen Brennstoffen wegzukommen. Der Kronprinz, so Schallenberg, sei realistisch und zukunftsorientiert, egal ob in wirtschaftlichen, oder politischen Fragen: „Er erkennt die politische Geografie des Nahen Ostens und weiß genau, welche Partner er dort braucht.“

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