Politik | Ausland
10.08.2017

Freunde & Konkurrenten: Wie Gabriel Schulz die Show stiehlt

Der Ex-SPD-Chef inszeniert sich und ist beliebt wie nie – das erschwert Schulz’ Position weiter.

Von solchen Werten hat er früher nur träumen können. 63 Prozent aller Deutschen finden ihn gut, mehr als Angela Merkel: Sigmar Gabriel, einst als SPD-Chef so unbeliebt wie kaum ein anderer, sprengt alle Erwartungen – der Neo-Außenminister liegt, nur überflügelt von Wolfgang Schäuble, auf Platz zwei der beliebtesten Politiker.

Das allein wäre erfreulich für die schwache SPD. Doch dass der alte Parteichef auch 30 Prozentpunkte vor dem neuen liegt, ist der unangenehme Nebeneffekt: Gabriel, mit Martin Schulz in Freundschaft verbunden , hat sich zu dessen Konkurrenten entwickelt – das ist im Wahlkampf wenig hilfreich.

Tonangeber

Wie das passieren konnte, darüber ist man sich selbst in der Partei einig. Gabriel war und ist ein Meister der Selbstinszenierung, das Tonangeben kann er nicht lassen – nur ist er nun als Außenminister in der besseren Position. Er wirkt wie ein Ideengeber, der angriffige Ton passt.

Dass er Schulz damit aber auch in den Schatten stellt, scheint ihm nicht bewusst – oder egal: Schon 2009 und 2013 funkte er den Kandidaten Steinmeier und Steinbrück dazwischen, ungeachtet der Folgen. So auch jetzt: Als die SPD sich für die "Ehe für alle" feierte, Schulz’ bisher größtem Erfolg, stahl der Außenminister dem Parteichef die Show – er rief dazwischen, hatte die besseren Pointen. Auch beim Parteitag, an dem er sein Amt übergab, sprach er viel zu lang – und war inhaltlich viel konkreter als Schulz.

Am Donnerstag, als Schulz extra zu einer Nordkorea-Pressekonferenz einlud, hatte man ohnehin den Eindruck, als sei Gabriel die treibende Kraft: Er sei "dankbar", dass Gabriel zu dem Thema schon am Vortag Position bezogen habe, sagte der Parteichef da – der Außenminister, derzeit auf der vierten Afrika-Reise seit Amtsantritt, hatte die SPD-Linie da schon medienwirksam definiert.

Streit in Aussicht

In der Partei, die ja Tradition in der Demontage ihrer Parteichefs hat, freut dieses Ungleichgewicht nicht jeden. Spannend wird es nämlich, wenn die SPD wieder eine Große Koalition eingeht: die beiden werden sich dann um den Sessel des Außenministers streiten; viel Freundschaft hat da nicht Platz.

Gabriel selbst äußert sich dazu nur verhalten. Im Stern tat er die Frage, ob Schulz nur ein Schachzug von ihm gewesen sei, um in vier Jahren wieder anzutreten, als "Spintisieren" ab. Und zum Thema Beliebtheit sagte er in dem Interview, das ihn ganz privat am Strand mit seiner kleinen Tochter im Arm zeigt, nur: "Ich habe mich nicht geändert."