Gabriel sorgt mit Zickzack-Kurs für parteiinterne Widerstände.

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Deutschland
07/10/2015

Gabriels Griechenland-Kurs irritiert SPD

SPD-Chef ist rhetorisch schärfer als Merkel – Kritik an "Mister Zickzack" wird lauter.

von Evelyn Peternel

Tsipras hat die letzten Brücken abgerissen", die Aufnahme der Griechen in die Eurozone in der rot-grünen Ära sei "aus heutiger Sicht sehr naiv" gewesen. Sätze, die man normalerweise in konservativen Kreisen hört. Dass aber SPD-Chef Sigmar Gabriel zuletzt derart hart mit den Griechen und sogar seinem Vorgänger Gerhard Schröder ins Gericht ging, sorgt bei seinen Parteifreunden für Irritation.

"Sigmar, jetzt mal ehrlich: Weißt du, was du tust?", fragt sich etwa Björn Uhde in einem offenen Brief. Der Verfasser ist zwar nur einfaches Parteimitglied, die Resonanz auf das Schreiben ist aber groß. Seit Gabriel Anfang des Jahres das Gespräch mit Pegida-Anhängern suchte, ist das Verhältnis zwischen ihm, den Jungsozialisten und der Parteilinken getrübt. Dass er kürzlich ein Strategiepapier vorgestellt hat, in dem er für mehr "patriotisches Selbstverständnis" wirbt und vermehrt auf das Thema Sicherheit setzt, macht die Stimmung nicht besser. Uhde trifft mit dem Vorwurf, Gabriel biedere sich an die CDU an, offenbar einen Nerv.

Kurswechsel

"Mister Zickzack" wird Gabriel in dem Schreiben tituliert – eine Anspielung darauf, dass seine Härte gegenüber Athen machtpolitisches Kalkül sei. Denn vor zwei Monaten erst ritt der SPD-Chef wegen der BND-Affäre harte Attacken gegen Kanzlerin Angela Merkel, stellte damit gar die Koalition auf die Probe. Davon ist jetzt nichts mehr zu merken.

Wozu das Ganze? Kommentatoren mutmaßen, die Anti-Merkel-Phase sei der Angst geschuldet gewesen, neben der Kanzlerin unterzugehen – Gabriel habe sich so Profil geben wollen, um nicht wie einst die FDP von Merkel überstrahlt zu werden. Auch die Prügel für die Griechen dürften ähnliche Gründe haben. Die Wählerschaft goutiert nämlich laut Umfragen einen harten Kurs, zuletzt ist Finanzminister Wolfgang Schäuble an die Spitze der Beliebtheitsskala vorgedrungen. Und sollte Merkel keinen Konsens mit Athen erreichen, kann sich Gabriel mit dem jetzt eingeschlagenen Kurs distanzieren – sie müsste die Niederlage allein verkraften.

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