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Politik Ausland
07/14/2020

Deutschland: Merkel bei Söder oder die Königin beim Kronprinzen

Perfekter lässt sich ein Kanzlerinnenbesuch kaum inszenieren. Die Frage: Kann Söder Kanzler?


Ein Lächeln können sich auch Angela Merkel und Markus Söder bei der Pressekonferenz nicht verkneifen. Obwohl bei der Sitzung des bayerischen Kabinetts mit der Kanzlerin die deutsche EU-Ratspräsidentschaft und die Corona-Krise im Mittelpunkt standen, zielt eine der ersten Fragen auf das Thema, das seit Monaten durch die Republik geistert: Hat Markus Söder das Zeug zum Bundeskanzler?


Als Merkel dann kurzerhand mit „Ja“ antwortet, etwas zögert und dann deutlich macht, dass sie mit dem knappen Wort eine andere Frage beantworten will, deutet der Ministerpräsident und CSU-Chef trotzdem sofort mit den Zeigefingern auf den Boden. Die Geste zeigt, was er derzeit immer auf diese Frage sagt: „Mein Platz ist in Bayern.“Aber die K-Frage treibt die Deutschen eben um.


Auch aus genau diesem Grund ist es kein normaler Termin an diesem sommerlichen Dienstag. Merkel ist zu Gast in Söders Kabinettssitzung - schon das allein ein ungewöhnlicher Vorgang. Gewiss, Deutschland hat nun die EU-Ratspräsidentschaft inne, und Merkel wirbt bei der bayerischen Staatsregierung für ihre Ziele. Aber dass sie deshalb extra einen Tag nach Bayern kommt? Er habe sie inmitten der Corona-Krise eingeladen, zu kommen, wenn sich die Lage entspannt habe, sagt Söder. Daraufhin habe sie recht spontan zugesagt.

Söder jedenfalls lässt das maximal Prunkvolle aus dem Termin herausholen: Er empfängt Merkel auf Schloss Herrenchiemsee, inklusive Dampfer-Schifffahrt, Kutschfahrt zum Schloss, Besuch einer Ausstellung zum Grundgesetz und Mittagessen im großen Spiegelsaal.


Natürlich, es geht um die Bilder. Und als Medienprofi wusste Söder auch vorab, welche Schlagzeilen das Ganze hergeben würde: Die Kanzlerin und ihr Kronprinz. Oder gleich andersherum: „Merkel zu Gast beim Kini.“ So nennen die Bayern Ludwig II. - ihren „Märchenkönig“.


Dass Söder und die CSU Merkel noch einmal derart hofieren würden, war lange nicht abzusehen. Viel war einst zu Bruch gegangen im Dauerkrach über die Migrationspolitik. Auch Söder hatte daran seinen Anteil - das erwähnt er nun aber nicht. Einladung und Besuch sehe er als „herzliches Dankeschön“ für das Miteinander in der Krise, sagt Söder, und jetzt passe es auch noch zur wichtigen EU-Ratspräsidentschaft.


Zugleich solle das Treffen an dem besonderen Ort das nun gute Verhältnis zwischen Berlin und München zur Schau stellen. Söders Blick geht nach vorne: „Es sind andere Zeiten, in denen wir andere Wege gehen müssen“, sagt er. CDU und CSU müssten zusammenarbeiten. Um die neuen Herausforderungen zu meistern, brauche es neue Antworten und man „muss über den alten Schatten springen“.

Wie das aussehen kann, zeigten Merkel und Söder in den vergangenen Monaten, als sie die Republik zum Teil gemeinsam durch die Corona-Krise führen mussten. Im Koalitionsausschuss sowieso. Aber auch im Duo aus Kanzlerin und Chef der Ministerpräsidentenkonferenz. Inhaltlich funktionierte dieses Duo: Merkel und Söder waren, trotz kleinerer Sticheleien in den anschließenden Pressekonferenzen, inhaltlich immer auf dem gleichen, extrem vorsichtigen Kurs.


Auch deshalb befeuert der durchgetaktete Besuch auf Herrenchiemsee die Dauerdebatte über Merkels Nachfolge. Steigt Söder am Ende, entgegen allen Beteuerungen, doch in den Ring? Merkel weiß genau, welches Echo ihr Besuch mit sich bringt. Auch auf Nachfrage bleibt die Kanzlerin aber eisern. Sie habe sich eine besondere Zurückhaltung bei der Frage auferlegt, wer ihr Nachfolger werde. Sie könne nur sagen: „Bayern hat einen guten Ministerpräsidenten und der hat mich heute eingeladen. Mehr können Sie da von mir nicht hören.“

Aber sieht sie im neuen, auf Merkel-Mitte-Kurs eingeordneten Söder etwa doch einen Nachfolger? Selbst wenn die beiden in einer ruhigen Minute, etwa bei der Schifffahrt, doch unter vier Augen darüber gesprochen haben, bleibt das wohl für immer ihr Geheimnis.


Die K-Frage begleitet Söder seit langem. Fakt ist: Söder liegt in allen Umfragen derzeit weit vor allen denkbaren CDU-Kandidaten, auch vor den Favoriten Armin Laschet und Friedrich Merz. Doch Söder weiß: Umfragen sind Momentaufnahmen.

Szenarien über seine Kanzlerkandidatur werden auch in der großen Schwesterpartei diskutiert. Doch am Ende bremsen Unions-Leute oft mit einem Argument: Es ist kaum wahrscheinlich, dass der im Dezember zu kürende neue CDU-Vorsitzende der CSU die Kanzlerkandidatur anträgt. In der Vergangenheit stellte die CSU nur dann den Kanzlerkandidaten, wenn die CDU Probleme hatte.

Andersherum aber: Sollten die Werte absacken und der Weg ins Kanzleramt nicht so gut wie sicher sein, wird Söder kaum antreten.


So ist es erklärlich, warum sich Söder verhält, wie er sich verhält: nichts zusagen, nichts ausschließen, alle Optionen offenhalten. Er hält die Preise für die CSU oben und versucht, seine unionsinterne Machtstellung zu festigen - auch in Berlin. Viele Monate vor der geplanten Kandidaten-Kür und mehr als ein Jahr vor dem Wahltermin ist zu viel unsicher. Wie geht es weiter mit der Corona-Krise, wie mit der Wirtschaft? Niemand weiß, wie sich die Umfragen entwickeln.


Während Söder mit Merkel werbewirksame Fotos produziert, nimmt einer der möglichen Konkurrenten ums Kanzleramt, Armin Laschet, offizielle Termine in Paris wahr. Dafür hat der NRW-Ministerpräsident extra seinen Urlaub am Bodensee unterbrochen. Am Dienstag nimmt Laschet zusammen mit

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, seinem Teampartner im Ringen um den CDU-Vorsitz, auf Einladung von Präsident Emmanuel Macron an einer Feier zum Nationalfeiertag in Paris teil.
Die Laschet-Konkurrenten um den CDU-Vorsitz, der Wirtschaftspolitiker Friedrich Merz und der wohl chancenlose Außenpolitiker Norbert Röttgen, können da derweil nicht mithalten - mit öffentlichen Auftritten müssen sie sich wegen der Corona-Pandemie zurückhalten.


Und was ist mit Besuchen der Kanzlerin in anderen Kabinetten, also etwa bei Laschet in Düsseldorf? Auf Nachfrage sagt sie, dass sie auch die Einladungen anderer Ministerpräsidenten annehmen werde. Ob es schon eine Einladung von Laschet gibt ist, bleibt offen.


So sehr Söder mit dem Thema jongliert, auch für ihn gibt es Grenzen. Als ihn am Morgen jubelnde Besucher um ein Autogramm auf einem Schild mit der Aufschrift „Markus Söder Kanzlerkanditat? Ja“ bitten, winkt er ab: „Das gibt nur Ärger“, ruft er. Ein klares Nein klingt anders.

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