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Deutschland
08/02/2013

Altkanzler Kohl wollte Hälfte der Türken loswerden

Britischen Protokollen zufolge hielt es der CDU-Chef für unmöglich, die Türken „in ihrer gegenwärtigen Zahl zu assimilieren“

Die Integration von Türken in Deutschland war schon drei Jahrzehnte vor Thilo Sarrazin ein Thema – und zwar an der Regierungsspitze.Das belegen Geheimdokumente aus dem Jahr 1982, die jetzt in Großbritannien zugänglich gemacht wurden. Eines davon dokumentiert ein Gespräch zwischen dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl und der britischen Premierministerin Margaret Thatcher. Laut Aufzeichnungen wollte Kohl die Hälfte der in Deutschland lebenden Türken loswerden.

Es sei, so Kohl „unmöglich für Deutschland, die Türken in ihrer gegenwärtigen Zahl zu assimilieren“. Kohl beschreibt „Zwangsehen“ und „Schwarzarbeit“ als Beispiel für das „Aufeinanderprallen zweier unterschiedlicher Kulturen“. Genau diese Andersartigkeit und die Problematik der Integration seien der Grund, warum es „notwendig sei, die Zahl der Türken auf 50% zu reduzieren“.

Bei dem Gespräch selbst waren neben Thatcher und Kohl noch Kohls Berater Horst Teltschik und Privatsekretär A.J. Coles, der Verfasser des Textes, anwesend. Drei Jahrzehnte lang waren die geheimen Aufzeichnungen zwischen Kohl und Thatcher für die Öffentlichkeit unzugänglich. Die Papiere unterliegen jedoch nach einer 30-jährigen Frist nicht mehr der Geheimhaltung und wurden am Donnerstag von Spiegel Online eingesehen.

Geld für Heimreise

Nachdem 1982 mehr als die Hälfte der Deutschen dafür plädierten, die Zahl der Ausländer zu verringern, probierte Kohl es mit seinem liebsten Mittel: mit Geld. Aus den Protokollen geht hervor, dass der damalige Kanzler beabsichtigte „die Sozialversicherungsbeiträge der türkischen Arbeiter zu kapitalisieren und ihnen eine Abfindung zu geben“. Tatsächlich köderte man später die Türken mit einem Abschiedsgeld von 10.500 D-Mark und einer Auszahlung ihrer Rentenversicherungsbeiträge, damit sie zurück in die Heimat ziehen. Angesprungen auf dieses Angebot sind jedoch nur 100.000 Türken.

Schwiegertochter

Pikantes Familien-Detail: 2001 heiratete der jüngste Sohn Kohls, Peter, die türkische Bankerin Elif Sözen in Istanbul – eine „Ironie des Schicksals“, wie damals berichtet wurde. Ob das zur weiteren Zerrüttung des Verhältnisses Vater-Sohn beigetragen hat, ist nicht bekannt.

"Kein Problem mit Portugiesen"

Andere Ausländer wären Kohl laut Spiegel kein Dorn im Auge gewesen: "Deutschland habe kein Problem mit den Portugiesen, den Italienern, selbst den Südostasiaten, weil diese Gemeinschaften sich gut integrierten. (...) Aber die Türken kämen aus einer sehr andersartigen Kultur." Beispielhaft dafür seien Zwangsehen und Schwarzarbeit angeführt worden; auch fehlende Deutschkenntnisse führte der damalige Kanzler ins Treffen.

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