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01.04.2018

Der Schatz der Kärntner Hypo steht zum Verkauf

Große Kunstsammlung. 386 Objekte stehen zum Verkauf, Heta und Land Kärnten feilschen um den Preis

Das waren noch bessere Zeiten für Wolfgang Kulterer , als er am 14. Juli 2003 mit dem damaligen Landeshauptmann Jörg Haider vor der Klagenfurter Konzernzentrale der Hypo Alpe Adria feierlich eine Skulptur von Bruno Gironcoli enthüllte. Das 600 Kilo schwere Objekt zählt zu den wenigen Aluminium-Großskulpturen des in Villach geborenen Gironcoli, einem der international renommiertesten österreichischen Bildhauer.

Der damalige Hypo-Chef Kulterer sprach von einer „kunst- und gesellschaftspolitischen Notwendigkeit“, die Skulptur öffentlich zugänglich zu machen. Die Gironcoli-Arbeit, die heute wesentlich mehr wert ist als der damalige Kaufpreis von 200.000 Euro, steht immer noch vor der einstigen Bankzentrale und wird von der Hypo-Abbaueinheit Heta Asset Resolution nicht gemeinsam mit der Immobilie verkauft.

Das beinahe fünf Meter hohe Objekt ist Bestandteil der Sammlung der ehemaligen Skandalbank. Die Hypo-Banker hatten sich, wie viele andere Bank-Chefs auch, gerne als Mäzene gezeigt und im Lauf der Zeit eine respektable Kunstsammlung zusammen getragen. Die 386 Objekte dokumentieren mehr als 300 Jahre Kärntner Kunstgeschichte. Dazu gehören sechs Tafelbilder, der „Medici-Zyklus“ des Kärntner Barockmalers Ferdinand Fromiller mit einem Schätzwert von gut 700.000 Euro ebenso wie Werke von Gironcoli, Josef Mikl , Kiki Kogelnik und Ernst Fuchs .

Die Heta, die mit der Verwertung der Hypo-Assets gut unterwegs ist und bereits um drei Milliarden Euro mehr erzielt hat als geplant, will den Kunstschatz heuer als Ganzes verkaufen. Mit Kärnten gibt es seit längerem Verhandlungen. Es sah gut aus, doch vor der Landtagswahl ging das Land auf Distanz. Im Wahlkampf wollte wohl kein Politiker am Thema Hypo anstreifen.

Eine Einigung scheiterte bis dato an den Preisvorstellungen. Beide Seiten ließen Gutachten erstellen. Die Größenordnungen bewegen sich um die zehn Millionen Euro. Wie das mit umfangreichen Sammlungen mit regionalem Schwerpunkt aber so ist, gibt es neben den Stars auch viele Exponate von weniger bekannten Künstlern. Das Land wäre der ideale Käufer, um die Sammlung für die Bevölkerung zu erhalten, ist aber eben wegen des Hypo-Desasters knapp bei Kasse.

Die Heta kann entspannt sein. Sie kann die teuren Objekte auf alle Fälle verwerten. Über Kunstmakler wurde der Markt bereits abgetestet. „Die Nachfrage ist vorhanden, fokussiert sich aber auf die Top-Werke. Die Gefahr ist groß, dass diese in Privatsammlungen verschwinden. Das Land würde eine historische Chance vertun“, befürchtet ein Kunsthändler.

Die Sammlung wäre Teil eines Gesamt-Vergleichs mit der Heta. Die Hypo blieb Kärnten in der Vergangenheit Provisionen für die Landeshaftungen schuldig. Andererseits hat die Heta wiederum Ansprüche an das Land. Die Heta möchte, ist zu hören, einen Generalvergleich über die gegenseitigen Ansprüche. In die klammen Landeskassen würde ein signifikanter zweistelliger Millionenbetrag fließen. Plus die Kunstsammlung. Für einen Vergleich spricht, dass sich beide Seiten jahrelange Rechtsstreitigkeiten vor Gericht ersparen würden. Am Zug ist die neue rot-schwarze Regierung, die am 12. April angelobt wird.

Schlosshotel Velden

Die Verhandlungen verkomplizieren sich, weil etliche zeitgenössische Bilder (Kogelnik) immer noch im Schlosshotel Velden hängen. Sie sind eine vertraglich zugesicherte Leihgabe der Hypo. Das Luxushotel am Wörthersee gehört einer Immobilien-Tochter der Wlaschek-Stiftung.

Unklar ist auch, ob der „Medici-Zyklus“ überhaupt ausgestellt werden darf. Die Hypo kaufte die Tafelbilder, die eine regelrechte Irrfahrt hinter sich hatten, über einen Händler an, der sie im Auftrag eines privaten Sammlers aus Dänemark veräußerte, um sie für die Öffentlichkeit zu erhalten. Doch dann mischte sich das Bundesdenkmalamt ein und entschied, der Zyklus müsse wieder in das Schloss Trabuschgen zurückgeführt werden, das längst einen neuen, usbekischen Eigentümer hat.

Sowohl die Heta als auch das Land wollten mit Hinweis auf dielaufenden Verhandlungen keinen Kommentar abgeben. Bis zu einer Entscheidung lagern die Werke weiterhin im Depot des Landesmuseums und im Schlosshotel. andrea.hodoschek