Politik | Ausland
09/10/2016

Der Profiteur von 9/11: Rudy Giuliani

Der ehemalige New Yorker Bürgermeister ist eine schillernde Figur.

15 Jahre nach 9/11 kam der damalige Bürgermeister von New York, Rudy Giuliani, im August schwer in die Bredouille. In einer Rede, die der glühende Trump-Unterstützer für The Donald hielt, soll er doch tatsächlich behauptet haben, dass vor der Präsidentschaft Obamas und seiner Außenministerin Hillary Clinton die USA vom islamistischen Terror verschont geblieben seien: "We didn’t have any successful radical islamic terrorist attacks in the U.S. before Obama".

Hat er vergessen, dass die Zwillingstürme des World Trade Centers in New York im Stadtteil Manhattan lagen und damals mindestens 3000 Menschen ihr Leben verloren? Hat er natürlich nicht.

Rudy Giuliani hat erst nach den Anschlägen richtig viel verdient. Er war ein Profiteur des Unglücks und kassierte in einem einzigen Jahr 11,4 Millionen Dollar für Reden. Auch die Wiener Rettung wollte ihn damals einladen, konnte sich aber den geforderten Learjet nicht leisten – über das Redehonorar wurde dann gar nicht mehr verhandelt. Giuliani galt damals vielen als der beste Krisenmanager nach einem Unglück dieser Dimension. Die Queen schlug ihn zum "Knight Commander", das Time-Magazin wählte ihn zur "Person of the Year 2001".

Angehörige der ums Leben gekommenen Feuerwehrmänner sehen diese Ehrungen heute mit gemischten Gefühlen: Die Kommunikation zwischen Notrufzentrale und den Einsatzkräften vor Ort habe nicht funktioniert. Die Zentrale habe nicht rechtzeitig erfahren, dass die Türme geräumt werden, und die Anrufer angewiesen, das Gebäude nicht zu verlassen.

Giuliani hat die Vorwürfe immer zurückgewiesen. In der Wahl seiner Mittel war der Spitzenjurist immer erfinderisch und effektiv.

Der Sohn italienischer Einwanderer war New Yorks Bürgermeister von 1994 bis 2001. Mit seiner Nulltoleranz-Strategie hat er die Kriminalitätsrate in der Stadt um 57 Prozent gesenkt.

Mafia und Wall Street

Seine Karriere begann er in der Staatsanwaltschaft, wo er sich geschickt die ganz großen Fälle vornahm. 1983 hatte ein ehemaliger Boss der Bonanno-Familie seine Autobiografie "A Man of Honor" veröffentlicht. Giuliani nahm das Buch als Vorlage und klagte die Bosse der fünf mächtigsten New Yorker Mafiafamilien und ihre wichtigsten Gefolgsleute an. Es war ein immenser Erfolg, die Berichterstattung über die "Pizza Connection" machte Giuliani populär. Er stieg auf zum Bundesstaatsanwalt und legte sich mit der Wall Street an. Ivan Boesky und Michael Milken wurden wegen Insidergeschäften verurteilt. Giuliani war es auch, der die seit Dominique Strauss-Kahns Verhaftung berühmt-berüchtigten Gerichtsvorführungen vorbei an Kameras einführte. Rudy Giuliani ist in dritter Ehe mit Judith Nathan verheiratet. Mit seiner zweiten Frau, der Fernsehmoderatorin Donna Hanover, lieferte er sich einen Rosenkrieg. Aus dieser Ehe hat er zwei Kinder.