Politik | Ausland
19.04.2018

Der Mann hinter Donald Trumps Tweets

Etwa fünfzig Prozent der Tweets von @RealDonaldTrump sollen nicht vom Präsidenten selbst stammen.

Donald Trumps Twitter-Auftritt: Für manche ist er eine Informationsquelle über die US-Positionen zur Weltpolitik, für andere ein reines Kabarett. Weltweit gehen in den frühen Morgenstunden SMS-Alarme auf den Handys von Journalisten los, sobald der Präsident aufgestanden ist, und zu twittern beginnt. Von der Ankündigung der Militärschläge gegen Syrien bis zur Beleidigungen seiner politischen Gegner – niemand kann genau sagen, was @RealDonaldTrump als nächstes in 240 Zeichen verlautbaren wird.

Hinter dem Account steht aber nicht nur Trump selbst, sondern mindestens eine weitere Person – das bestätigen nun Recherchen der New York Times. Schon zuvor hatten einige User aufgrund sehr unterschiedlicher Schreibstile daran gezweifelt, dass alle Tweets von der selben Person stammen.

Gerichtsverfahren wegen Blockierens

Zwar hatte die Presseabteilung des Weißen Hauses nie behauptet, dass Trump der alleinige Autor jedes einzelnen Wortes seiner Tweets unter @RealDonaldTrump sei, dennoch ist überraschend, was Insider der New York Times nun bestätigen: Etwa 50 Prozent der Tweets denke sich Trump selbst aus, die anderen 50 einer seiner Mitarbeiter, Dan Scavino.

Dass diese Information stimmt, dafür spricht ein derzeit laufendes Gerichtsverfahren. Sieben Personen, die von Trumps Account blockiert wurden, klagten mit der Begründung, es sei verfassungswidrig, wenn man ihnen als US-Bürger den Zugang zu Informationen über Regierungsaktivitäten verweigere. Beschuldigt sind in dem Verfahren, das in den nächsten Monaten verhandelt werden soll, drei weitere Personen: Hope Hicks, die bis März Direktorin für strategische Kommunikation im Weißen Haus war, Sarah Huckabee Sanders, die Pressesprecherin des Weißen Hauses, und Dan Scavino.

Was genau Scavinos Aufgabe für ein Gehalt von 179.000 Dollar pro Jahr ist, ist nicht bekannt. Seine offizielle Jobbezeichnung lautet „assistant to the president and dirctor of social media“ (Assistent des Präsidenten und Social-Media-Chef). Er betreut auch den offiziellen Account @POTUS. Scavino selbst verweigert sämtliche Interviews.

Vom Golf Caddy ins Weiße Haus

Im Rahmen des Prozesses um die blockierten Personen wurde laut New York Times bestätigt: „Scavino assists President Trump operating the @RealDonaldTrump account, including by drafting and posting tweets to the account.“ (Scavino assistiert Präsident Trump beim Betreiben von @RealDonaldTrump durch das Entwerfen und Posten von Tweets.)

Wer aber ist Dan Scavino? Zum ersten Mal traf er Trump im Jahr 1990 als er als Caddy in einem Golf Club arbeitete, dessen Leiter er später wurde und der heute Trump National Golf Club heißt. Bei der Hochzeit von Trumps Sohn Eric trafen die beiden einander wieder und Scavino erklärte, er wolle mitarbeiten, wenn Trump als Präsident kandidiere. Schon im Wahlkampf übernahm der damals 40-Jährige dann die Social Media Agenden. Heute sitzt er im West Flügel des Weißen Hauses in einem Büro, nur ein paar Schritte vom Oval Office. Intern gilt er als „Behind-the-scenes-Cheerleader“ des Präsidenten, als „hardworking and loyal“ (hart arbeitend und loyal).

Vor einigen Wochen soll Scavinos Frau die Scheidung eingereicht haben. Im Weißen Haus munkelt man, er habe die Balance zwischen Privatleben und Job nicht mehr hinbekommen. Es würde nicht verwundern - @RealDonaldTrump liegt im Moment bei 37.400 Tweets.