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Politik Ausland
04/29/2020

Der dritte Mann im Rennen ums Weiße Haus

Der Republikaner und Trump-Gegner Justin Amash will für die staatskritischen Libertären ins Rennen gehen.

von Konrad Kramar

Sie betrachten sich selbst als die aufrichtigen Vertreter des amerikanischen Geistes, also möglichst wenig Staat, freie Marktwirtschaft und keine Interessenspolitik im Rest der Welt, schon gar nicht militärisch. Die Libertären sind seit Jahrzehnten eine der sogenannten "Drittparteien" in den USA, mischen also auf Bundesstaaten- und lokaler Ebene immer wieder bei Wahlen mit, und manchmal auch beim Rennen ums Weiße Haus.

Nicht der erste Kandidat

So auch diesmal, denn mit Justin Amash hat sich jetzt ein Vertreter der Libertären in den Präsidentschaftswahlkampf eingebracht. Wie die anderen prominenten Vertreter seiner Partei, etwa Ron Paul, der ebenfalls vor vielen Jahren als Libertärer für die Präsidentschaft kandidierte, kommt auch Amash aus der Republikanischen Partei. Ron Paul, der vor allem durch seine Kritik an George Bushs kriegerischer Außenpolitik auf sich aufmerksam machte, versuchte zwischendurch auch die Nominierung bei den Republikanern zu schaffen - mit bescheidenem Erfolg.

"Ich bin aufgeregt"

Er habe einen Sondierungsausschuss ins Leben gerufen, der die Möglichkeit für eine Präsidentschaftsnominierung der Libertären Partei auslote, schrieb Amash am Dienstag (Ortszeit) auf Twitter.

„Ich bin aufgeregt und geehrt, diese ersten Schritte dahin zu gehen, Amerikanern jeden Hintergrundes als Präsident zu dienen“, ergänzte er. Dazu verlinkte er eine Kampagnen-Webseite mit dem Titel „Amash for America“.

Kritik an Trump und Rassismus

Der Abgeordnete aus dem Bundesstaat Michigan war im Juli 2019 aus Kritik am Zustand des Zwei-Parteien-Systems aus den Republikanern ausgetreten und hatte sich für unabhängig erklärt. Der 40-Jährige ist wiederholt mit scharfer Kritik an US-Präsident Donald Trump aufgefallen. So schloss er sich im Sommer einer Resolution an, die die als rassistisch kritisierten Attacken Trumps auf vier demokratische Abgeordnete verurteilte.

Biden als Kandidat fix

Obwohl die Vorwahlen noch laufen, steht bei den Demokraten Joe Biden als Präsidentschaftskandidat quasi fest, nachdem sich der linke Senator Bernie Sanders aus dem Rennen zurückgezogen hat. Auch die Vorwahl im Bundesstaat Ohio am Dienstag entschied der 77-jährige frühere Vize-Präsident Medienberichten zufolge klar für sich, auch wenn Sanders noch mit auf dem Wahlzettel stand.

Kandidatenkür nur per Internet

Wegen der Corona-Pandemie konnte bei der von Mitte März auf Dienstag verschobenen Wahl nur per Brief abgestimmt werden. Die offizielle Kandidatenkür ist im Sommer geplant, wenn auf einem Demokraten-Parteitag der Herausforderer des republikanischen Amtsinhabers Trump nominiert wird.

Schaden für Trump oder Biden?

Unklar ist, wie sich eine Kandidatur Amashs auf die US-Wahl auswirken könnte. Denkbar wäre laut der „New York Times“ etwa, dass der konservative Amash Wähler abfischen könnte, die sonst - wenn auch widerstrebend - Biden ihre Stimme gegeben hätten, weil sie gegen Trump sind.

Das würde Trump eher zur Wiederwahl verhelfen.Andererseits könnte Amash mit seiner fundamentalen Kritik an der Parteipolitik Konservative aus Trumps Lager abziehen und damit Biden nach vorn bringen.

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