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Der Burnham-Effekt: Labour überholt Reform-UK in Umfragen

Die Ansagen des neuen Premiers kommen gut an. Unterdessen zittert Nigel Farage um seine politische Zukunft.
Anna-Maria Bauer aus London
British Prime Minister Andy Burnham unveils new technical educational routes aimed at tackling youth unemployment, in Derby

Tatenlosigkeit kann sich der neue Premierminister nicht vorwerfen lassen. In seiner ersten Amtswoche begann Andy Burnham jeden Tag mit einer Kampfansage. Montag: das Ende der Obdachlosigkeit. Dienstag: die Senkung der Stromrechnung. Mittwoch: die 2-Pfund-Obergrenze für Bustickets. Donnerstag: die Reduktion der Gewerbesteuer für Pubs. Und Freitag: die Errichtung der „Nummer 10 des Nordens“, ein Regierungsgebäude in Manchester, das sich der Dezentralisierung widmen soll.

Die Briten scheinen diese Tatkräftigkeit zu schätzen. Erstmals seit März des Vorjahres liegt die regierende Labourpartei in einer Umfrage der NGO „More in Common“ mit 28 Prozent vor der rechtspopulistischen Reform-UK-Partei (24 Prozent) und den Konservativen (22 Prozent). Doch Burnham erklärte, sich davon nicht „mitreißen lassen“ zu wollen. Er sei aber froh, „Kontakt zu den Menschen geknüpft zu haben“.

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Andy Burnham ist derzeit mit seiner Partei auf der Überholspur.

Konkret legte Labour um vier Prozentpunkte zu. Die Gewinne kamen in gleichen Teilen von den Grünen und „Reform UK“. Burnhams Ansagen und sein Fokus auf die Lebenskostenkrise scheinen damit sowohl Wähler vom linken als auch vom rechten Spektrum anzusprechen.

Farage im Fokus

Der Rückgang der Reform-UK-Wähler könnte auch mit den Turbulenzen um Nigel Farage zusammenhängen. Der Parteichef geriet zuletzt in die Kritik, nachdem bekannt wurde, dass er ein persönliches Geldgeschenk von Krypto-Milliardär Christopher Harborne in der Höhe von 5,8 Millionen Euro nicht gemeldet und außerdem Hunderttausende Euro von George Cottrell angenommen hatte, der in Amerika wegen Betrugs verurteilt wurde. Um eine Prüfung des Parlamentsausschusses abzuwenden, trat Farage Anfang Juli als Abgeordneter zurück und löste eine Nachwahl aus, für die er sich gleich wieder aufstellte.

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Es gibt bereits öffentlichte Aufrufe an die Bewohner von Clacton, gegen Farage zu stimmen.

Sein Argument: Die Menschen von Clacton sollen über seine politische Zukunft entscheiden. Ob sein Kalkül aufgeht, wird sich zeigen. Laut dem Meinungsforscher Michael Ashcroft fühlen sich viele Bewohner von Clacton mittlerweile wie „Schachfiguren“.

Wie ein Spiel wirkt auch die Kandidatenliste. Unter den 33 Kandidaten befindet sich kein einziger Vertreter einer Großpartei. Dafür gibt es Dutzende Spaßfiguren. Darunter: Count Binface, der bereits in Makerfield gegen Burnham antrat, Wahlveranstaltungen mit Mistkübel am Kopf beiwohnt und bei der Präsentation seines Wahlmanifests versprach, die Greifautomaten in Spielhallen „fairer“ zu gestalten.

Andy Burnham nutzte seine zweite Woche für weitere Ankündigungen. Nachdem er am Montag Ukraines Präsident Wolodimir Selenskij bei dessen Besuch im südenglischen Portsmouth ungebrochene Unterstützung zusicherte, ging es am Dienstag wieder ums eigene Land: Englische Schulkinder sollen vermehrt in technischen Fächern unterrichtet werden. Das soll bei der Jobsuche helfen. Denn aktuell befinden sich eine Million der 16- bis 24-Jährigen weder in einem Beruf noch in Aus- oder Weiterbildung.

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