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Politik Ausland
01/08/2021

Das Rennen um die Durchimpfung: Wer schnell ist, wo getrödelt wird

Schon rund 50 Länder haben mit den Impfungen begonnen. In manchen wie den USA, Israel oder auch Dänemark geht es rasant vorwärts – andere Staaten haben sich beim Impfstart verzettelt.

von Evelyn Peternel

Wer das Erfolgsrezept zur Bekämpfung der Pandemie sucht, muss in jene Staaten schauen, die ihre Durchimpfungsrate so schnell wie möglich steigern wollen: Je mehr Menschen immunisiert sind, desto schneller gelingt die Rückkehr zum normalen Leben.

So lautet jedenfalls das Motto in Israel, wo weltweit bis heute am meisten Impfungen gemessen an der Bevölkerung vorgenommen wurden: Knapp 20 Prozent der Israelis haben bis dato den von vielen heiß ersehnten Stich in den Oberarm bekommen. Bis Ende März, so der Plan von Premier Benjamin Netanjahu, sollen 60 Prozent aller Einwohner geimpft sein, also Herdenimmunität erreicht sein.

Angesichts der schon wieder massiv steigenden Ansteckungszahlen ein Ziel, das bitter nötig ist. Derzeit verzeichnet das Land – Israel hat ungefähr so viele Einwohner wie Österreich - im Schnitt 9.000 neue Fälle täglich.

0,17 Prozent in Österreich geimpft

Geschafft hat man den schnellen Impfstart in Israel durch starke Digitalisierung und ein Krisenmanagement, das durch die vielen kriegerischen Auseinandersetzungen erprobt ist. Im Vergleich dazu steht Österreich recht bescheiden da – sowohl in puncto Durchimpfung als auch in puncto Transparenz.

15.905 Impfdosen wurden bisher ausgeliefert, hieß es seitens des Gesundheitsministeriums am 7. Jänner; unklar war da allerdings, wie viele Personen auch tatsächlich mit Impfstoff versorgt worden waren. Nimmt man an, dass alle Dosen verimpft wurden, wären bisher allerdings auch erst 0,17 Prozent der Bevölkerung geimpft.

Vorreiter Italien

In anderen europäischen Ländern ist man zwar auch nicht viel schneller, Frankreich etwa steht bei einer traurigen Durchimpfungsrate von 0,07 Prozent. Aber es gibt auch Ausreißer nach oben: Italien, gern als dysfunktionaler Staat verschrien, hat nicht nur eine live aktualisierte Übersicht darüber, wer bereits wo geimpft wurde, sondern hat mittlerweile auch 0,68 Prozent der Bevölkerung immunisiert.

Auch in Deutschland, wo der Impfstart ähnlich wie in Österreich ziemlich schleppend verlief, hat man aufs Tempo gedrückt und erreicht eine Durchimpfungsrate von 0,5 Prozent. Mittlerweile hat Kanzlerin Angela Merkel die Impfstrategie zur Chefsache gemacht.

Dänemark: Demnächst alle Altenheim-Bewohner geimpft

Spitzenreiter in Europa ist allerdings – neben Großbritannien, wo man schon knapp zwei Prozent der Bevölkerung mit Vakzinen versorgt hat – Dänemark. Das Land mit ähnlich vielen Einwohnern wie Österreich leidet ähnlich wie die Briten unter einem massiven Anstieg der Fälle, auch dort grassiert die mutierte Variante, die auch Großbritannien so stark unter Druck setzt.

Darum hat man die Ausrollung der Impfungen so rasch vorangetrieben: Bis zum 18. Jänner sollen alle Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, die eine Impfung wollen, auch eine erhalten haben, so Premierministerin Mette Frederiksen. Derzeit liegt man bei einer Immunisierungsrate von 1,43 Prozent der Bevölkerung.

Auch in den USA, wo zuletzt so hohe Todeszahlen registriert wurden wie noch nie, hat die Trump-Administration noch vor Ende der Amtszeit des Präsidenten massiv Tempo gemacht. Dort wurden die beiden in der EU anerkannten Vakzine (BioNTec/Pfizer und Moderna) bereits früher zugelassen, weshalb mittlerweile 1,79 Prozent aller US-Amerikaner ihre Immunisierung erhalten konnten.

Golfstaaten sind schnell unterwegs

Führend sind auch Bahrain mit einem Wert von 4,25 Prozent geimpfter Bevölkerung und die Vereinigten Arabischen Emirate (8,98 Prozent) – dort wird zusätzlich der chinesische Sinopharm-Wirkstoff verimpft. Bahrain hat ähnlich wie Israel den BioNTech/Pfizer-Impfstoff geordert gehabt, der reiche Golfstaat hat dem Vernehmen nach auch deutlich mehr dafür bezahlt als etwa die EU.

In absoluten Zahlen sind freilich auch jene Länder beim Impfen führend, die auch viele Einwohner zu immunisieren haben – allen voran China, wo die Pandemie ihren Ausgang nahm. Die Volksrepublik war schon im Sommer das erste Land weltweit, das gegen das Coronavirus geimpft hat – und das, obwohl noch lange kein Corona-Vakzin zugelassen war. Risikogruppen wie etwa Beschäftigte im Gesundheitsbereich bekamen da bereits Impfungen. Bis heute wurden knapp fünf Millionen Menschen in China geimpft. Das ist gemessen an der Bevölkerungszahl allerdings gar nicht so viel; nur 0,33 Prozent der Chinesen haben damit einen Impfstoff erhalten.

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