© Privat

Kalifornien
09/19/2020

Covid und Waldbrände in Kalifornien: „Keine Luft zum Atmen“

Eine gebürtige Steierin ist seit Wochen in ihrem Haus in Sacramento eingespeerrt. Ihre Kinder haben seit März Homeschooling.

von Susanne Bobek

„Zwischen den Bränden, Covid und dem Oberförster leben wir hier im totalen Weltuntergang“, sagt die Steirerin Renate Felsner, die mit ihrer Familie in Sacramento wohnt. Mit dem Fröster meint sie US-Präsident Donald Trump. „Es ist eine Katastrophe. Wir sind seit vier Wochen zu Hause eingesperrt. Ich kann kein Fenster aufmachen, die Luft im Haus ist trotz Klimaanlage stickig. Wir sehen die Sonne nicht, nur hinter einem dichten Schleier.“

Während „Oberförster“ Trump schlechtes Waldmanagement für die schlimmsten Brände seit Jahrzehnten verantwortlich macht und die Waldnation Österreich lobt, träumt die klinische Psychologin Renate Felsner von der Rückkehr nach Österreich – in die „Waldstädte“ mit den „hoch explosiven“ Bäumen.

Die Steirerin aus Judenburg wanderte 1989 nach New York aus, behielt aber immer ihren österreichischen Pass. Mit ihrem Ehemann, einem Psychiater, zog die Mutter zweier Buben (12 und 15) später nach Kalifornien.

„Brände sind wir gewöhnt, aber so schlimm wie heuer war es noch nie. Seit Mitte August brennt es hier, dabei beginnt die Saison eigentlich erst im Herbst.“ Die giftige Luft liegt mittlerweile über der gesamten Westküste der USA, über Kalifornien, Oregon und Washington. In Oregon sind in den vergangenen zehn Jahren 500.000 Hektar Land verbrannt – heuer waren es in nur einer Woche eine Million Hektar.

„Am meisten leiden die Kinder“, sagt Renate Felsner, die derzeit keine Angst haben muss, dass ihr Haus abbrennt. Seit März sind sie im Homeschooling, und seit es brennt, sind auch Fußball und Schwimmen gestrichen. „Mein jüngerer Sohn musste sich schon mehrmals übergeben, mein 15-Jähriger hat immer wieder starkes Kopfweh. Ich auch. Wir haben einfach keine Luft zum Atmen.“

Die klinische Psychologin Felsner weiß, dass sie in einer privilegierten Situation ist in ihrem schönen Vorort Granite Bay. Trotz allem. Jedes Kind hat ein Zimmer, seinen Computer und der Ehemann ein großes Büro. Auch als Spitalsarzt wurde er ins Homeoffice verbannt und betreut seine ambulanten Patienten per Videoschaltung zwölf Stunden am Tag.

Spielsucht

Bei weniger begüterten Familien sieht das Leben anders aus. „Es gibt Kinder, die weinen nur noch, weil sie beim Homeschooling nicht mitkommen und auch sonst nichts tun können. Es gibt Eltern, die durchdrehen, weil sie sich so eingesperrt fühlen. Es gibt immer mehr Spielsüchtige.“

Nach dem Lockdown durften Fitnessstudios Anfang August wieder aufsperren, viele Betreiber stellten ihre Geräte wegen Covid ins Freie. Doch nach zwei Wochen begannen die verheerenden Brände. Alles wieder zu. An die wirtschaftlichen Folgen will noch keiner denken.

Renate Felsner überlegt jetzt ernsthaft, ihre Kinder in einer österreichischen Schule einzuschreiben. Sie hat das Stiftsgymnasium in Seckau im Auge oder das Lycée in Wien. „Auch wenn es für Wien Reisewarnungen gibt, habt ihr ja gar keine Vorstellung, was bei uns los ist. Dieses Leben hier ist nicht mehr zumutbar.“

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.