Gipfelsieg-Fälschung: Skandal um Italiens Berghelden
Confortola bei seinem letzten 8000er-Gipfelsieg
Er gilt als der große tragische Held des italienischen Alpinismus - und jetzt droht ihm wieder ein jäher Absturz. Marco Confortola wird vorgeworfen, seine angeblich größte bergsteigerische Leistung nur mit Hilfe eines gefälschten Fotos erbracht zu haben: Die Besteigung aller 14 8000er, die es auf der Erde gibt. Vor wenigen Wochen erst hatte der 54-Jährige den Gipfelsieg auf dem Gasherbrum im pakistanischen Karakorum verkündet, dem damit letzten 8000er auf seiner Liste.
Doch kurz darauf meldeten sich zwei andere italienische Bergsteiger zu Wort, die ebenfalls alle 14 Gipfel bezwungen haben. Auf einem davon, dem Annapurna, waren sie schon vor fast 20 Jahren, damals zur gleichen Zeit wie Confortola. Der aber, so erzählten es Silvio Mondinelli und Simone Moro einem italienischen Bergsteigermagazin, sei gar nicht auf dem Gipfel gewesen. Das gehe eindeutig aus dem Gipfelfoto hervor.
Nicht nur damals habe Confortola mit Fälschungen operiert, behaupten die beiden, sondern auch, als er vor drei Jahren eine weiteren 8000er für sich reklamierte. Das dazugehörige Gipfelfoto sei das Produkt eines Foto-Shopping, also digitaler Manipulation. Confortola habe nichts anderes getan, als seinen Kopf einem anderen Bergsteiger quasi aufzusetzen. Weitere Vorwürfe von Fälschungen sind inzwischen aufgetaucht und Moro bezeichnet Confortola als „Serienlügner“. Der hat sich zu den Vorwürfen vorerst nicht konkret geäußert und verweist auf die Gipfelfotos.
Tragödie am K2
Es sind nicht allein die bergsteigerischen Erfolge, die Confortola zu einem Alpin-Superstar werden ließen, sondern viel mehr die Umstände, unter denen sie entstanden sind. Der Italiener war 2008 Teil einer Expedition auf den K2 im Himalaya, dem zweithöchsten Berg der Welt, die in einer der schlimmsten Tragödien in der Geschichte des Alpinismus endete. Elf Bergsteiger starben in der Todeszone über 8000 Meter. Confortola selbst überlebte eine Nacht in 8.400 Metern Höhe, bei der ihm aber alle Zehen abfroren, die nach seiner Rettung amputiert werden mussten.
Er aber wollte trotzdem das Bergsteigen nicht lassen und setzte seine Karriere ohne Zehen, mit Schuhgröße 35 und umso größerem Interesse des Medien fort.
Machtwort von Messner
In dem Skandal, der in Italien seit Wochen für Aufregung sorgt, hat sich jetzt eine Zentralfigur des Alpinismus zu Wort gemeldet, Reinhold Messner. Der Südtiroler, der nach allgemeiner Ansicht als erster die 14 8000er bestiegen hat, sieht Confortola ebenfalls kritisch und zieht dessen Leistungen in Zweifel. In einem Interview mit der italienischen Tageszeitung La Repubblica meinte Messner: „Confortola ist kein echter Bergsteiger. Wenn man verkündet, dass man einen Gipfel erreicht hat, muss man den Beweis antreten.“
Dabei geriet Messners 8000er-Serie vor einigen Jahren ebenfalls ins Zwielicht. Damals behaupte ein anerkannter Bergexperte, dass auch er nie wirklich auf dem Gipfel des Annapurna angekommen sei. Vielmehr habe er rund 65 Meter davor und fünf Höhenmeter darunter Halt gemacht. Das gehe aus Messners Beschreibung des Ausblicks vom Gipfel eindeutig hervor. Das Guinness-Buch der Rekorde jedenfalls gab dem Kritiker recht. Messner wurde vom ersten Listenplatz gestrichen. Den rührte das wenig: Er habe einen solchen „Weltrekord“ ohnehin nie für sich reklamiert.
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