"Ethische Einheit": China erhöht Druck auf Minderheiten der Uiguren und Tibeter

Nationaler Volkskongress verabschiedet Gesetz zu "Förderung der ethnischen Einheit". Kulturelle Eingenstädnigkeit der Tibert und Uiguren werde als Seperatismus kriminalisert.
Activists demonstrate in Berlin to mark Tibetan National Uprising Day

Zusammenfassung

  • Chinas Volkskongress verabschiedet Gesetz zur Förderung der ethnischen Einheit, das Minderheiten stärker an die Mehrheitsgesellschaft bindet.
  • Das Gesetz schreibt Mandarin als vorrangige Sprache vor, verpflichtet zur Sinisierung und ermöglicht rechtliche Schritte gegen ausländische Kritiker.
  • Kritiker und Menschenrechtsorganisationen warnen vor verschärfter Assimilierung, kultureller Unterdrückung und Menschenrechtsverletzungen an Minderheiten.

In China wird der Druck auf Minderheiten erhöht. Der Volkskongress verabschiedet zum Schluss seiner Jahrestagung am Donnerstag ein Gesetz zur gemeinsamen nationalen Identität. Der Entwurf mit dem Titel "Förderung der ethnischen Einheit und des Fortschritts" soll die 55 ethnischen Minderheiten im Land stärker an die von den Han-Chinesen dominierte Mehrheitsgesellschaft und die allein herrschende Kommunistische Partei zu binden. Kritiker sehen ganze Kulturen gefährdet.

So dürfte die kulturelle Eigenständigkeit von Gruppen wie Uiguren oder Tibetern weiter untergraben und als Separatismus kriminalisiert werden. Das Gesetzesvorhaben schreibt unter anderem vor, dass Hochchinesisch (Mandarin) im öffentlichen Leben und in Schulen Vorrang vor den Sprachen von Minderheiten haben muss. Religiöse Gruppen und Schulen werden verpflichtet, sich der Sinisierung – also der Anpassung an chinesische Traditionen und sozialistische Werte – zu unterwerfen.

Zudem sollen Eheschließungen zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen gefördert und Hindernisse aufgrund von Bräuchen oder Religion beseitigt werden. Das Gesetz sieht auch vor, dass Organisationen oder Einzelpersonen im Ausland rechtlich belangt werden können, wenn sie die "ethnische Einheit" untergraben.

Assimilierung unter verschärften Bedingungen

Experten werten den Vorstoß als Verschärfung der Assimilierungspolitik unter Staats- und KP-Chef Xi Jinping. Das Gesetz mache deutlicher denn je, dass sich Nicht-Han-Völker integrieren und vor allem Loyalität gegenüber Peking zeigen müssten, sagte Allen Carlson von der US-amerikanischen Cornell University. Die staatliche Zeitung "China Daily" wies Kritik zurück und betonte in einem Leitartikel, das Gesetz schütze kulturelle Traditionen. Es sei irreführend zu behaupten, Minderheiten müssten sich zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und kultureller Bewahrung entscheiden.

Uiguren, Angehörige anderer Minderheiten und Menschenrechtsorganisationen berichten seit Jahren, dass Hunderttausende Menschen in Xinjiang gegen ihren Willen in Umerziehungslager gesteckt, teils gefoltert und zu Zwangsarbeit verpflichtet worden sind. Das religiöse Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama, wirft Peking seit Jahrzehnten schwerste Menschenrechtsverstöße in seiner Heimat vor, unter anderem Zwangsabtreibungen und Zwangssterilisationen sowie "kulturellen Völkermord" durch massiven Bevölkerungstransfer.

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