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Politik Ausland
12/17/2019

Chef der britischen Labour-Partei ist "Antisemit des Jahres"

Das Simon-Wiesenthal-Zentrum erklärt, niemand habe 2019 mehr getan als Corbyn, "um Antisemitismus im Mainstream zu etablieren".

von Konrad Kramar

Die historische Wahniederlage ist noch nicht einmal im Ansatz ausgestanden, schon wird Labour-Chef Jeremy Corbyn erneut von einem Thema eingeholt, das ihn bereits im Wahlkampf zum Verhängnis wurde: Der chronische Antisemitismus in seiner Partei.

Das jüngste und vernichtende Urteil dazu stammt vom international renommierten Simon-Wiesenthal-Zentrum in Los Angeles, die wohl gewichtigste Instanz in Fragen Antisemitismus. In ihrer morgen, Mittwoch, veröffentlichten Rangliste der schlimmsten antisemitischen Vorfälle des ablaufenden Jahres 2019 landet Corbyn und mit ihm die Labour-Party auf Platz eins.

Die Begründung: Niemand habe mehr getan, um Antisemitismus im Mainstream zu etablieren.

Die Debatte rund um Corbyns Probleme mit dem Antisemitismus ist nicht von einem einzelnen Vorfall ausgelöst worden, sondern verfolgt den Labour-Chef, seit er im Jahr 2015 die Parteiführung übernommen hat.

So hat Corbyn im Laufe seiner politischen Laufbahn wiederholt seine Sympathie für radikale islamische Bewegungen in Nahost, wie die Hamas oder die Hisbollah, bekundet. Eine für einen traditionalistischen "Altlinken", der der 73-Jährige ja ist, typische Haltung: Schließlich haben sich Vertreter der Linken immer mit den radikalen Palästinenserbewegungen solidarisiert.

Corbyn ging sogar soweit, die beiden Gruppen ins Parlament nach London einzuladen.

Es ist nicht der einzige Fehltritt, den sich der Labour-Chef in Sachen Antisemitismus geleistet hat. So bekundete er vor einigen Jahren öffentlich seine Begeisterung für einen Künstler, der in Wandmalereien Juden nach krassen antisemitischen Vorurteilen als Vermögende mit Hakennase porträtiert hatte, die auf Kosten der Armen reich werden.

Auf einer Parteikonferenz vor drei Jahren missglückte Corbyn auch noch ein Vergleich zwischen dem Verhältnis von Juden zu Israel und von Muslimen zu "diversen selbst ernannten islamischen Staaten oder Organisationen". Er habe damit quasi Israel mit Terrororganisationen wie dem "Islamischen Staat" gleichgesetzt, lautete der Vorwurf, der nicht nur in Großbritannien die Empörung hochkochen ließ.

Das alles kochte im jüngsten Wahlkampf erneut hoch, weil führende Vertreter der jüdischen Gemeinde in Großbritannien Corbyn aufforderten, sich endlich für all das zu entschuldigen und außerden gegen den grassierenden Antisemitismus in der eigenen Partei vorzugehen.

Schließlich sind der Partei in den vergangenen Jahren auch prominente Figuren wegen antisemitischer Äußerungen abhanden gekommen.

So musste der frühere Londoner Bürgermeister Ken Livingstone vor einem Jahr Labour verlassen, weil er meinte, die Zionisten hätten mit Hitler ohnehin zusammengearbeitet.

Corbyn hat sich zwar wiederholt von all diesen Vorfällen distanziert. Eine öffentliche Entschuldigung aber konnte er sich nicht abringen. Ein Fressen für die konservative britische Boulevardpresse, die damit im Wahlkampf Schlagzeilen machte, in den vor dem Antisemiten Corbyn gewarnt wurde.

Zumindest in der jüdischen Gemeinde in Großbritannien hinterließ all das den schlechtestmöglichen Eindruck von der Partei, die ja traditionell viele jüdische Mitglieder hat, und ihres Chef. 87 Prozent der britischen Juden meinten in Umfragen, dass sie Corbyn für einen Antisemiten hielten.

 

 

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