Politik | Ausland
09.03.2013

Reisende Gotteskrieger gewinnen an Einfluss

Es ist das erste Mal, dass tschetschenische Kämpfer in großer Zahl im Ausland aktiv werden.

Sie haben Kampferfahrung und aus ihrer Sicht den selben Feind. In den Rängen der syrischen Rebellen macht sich eine Gruppe ausländischer Kämpfer derzeit zunehmend breit: Tschetschenen. Für sie ist der Kampf gegen das syrische Regime Baschar al-Assads einer gegen einen von Erzfeind Russland unterstützten Despoten. Ein Stellvertreterkrieg mit womöglich schwerwiegenden Folgen für Russland selbst. Dann, wenn der Krieg in Syrien einmal vorbei sein wird und die tschetschenischen Kämpfer mit noch mehr Erfahrung und noch besseren Kontakten zu internationalen dschihadistischen Zirkeln zurück nach Russland kommen. In den Kaukasus – wo kommenden Winter in Sotschi die Olympischen Spiele stattfinden sollen. Eine Veranstaltung, die bereits mehrmals Ziel von Drohungen des islamistischen Untergrunds in der Region geworden ist.

Es ist das erste Mal, dass tschetschenische Kämpfer in großer Zahl im Ausland aktiv werden. Zwar war immer wieder davon die Rede, dass Tschetschenen in Afghanistan oder dem Irak gekämpft hätten. Belegt ist das aber nicht. Und wenn, dann dürfte es sich eher um einzelne Personen gehandelt haben.

Jetzt ist von Dutzenden bis zu 100 Tschetschenen die Rede, die in den Reihen der syrischen Aufständischen kämpften. Laut einer Quelle in der syrischen Opposition stellen die Tschetschenen damit bereits die zweitgrößte Gruppe ausländischer Kämpfer nach Libyern. Sie würden geschätzt wegen ihrer Erfahrung und ihres selbstlosen Einsatzes aufgrund religiöser Prinzipien. Einige sollen sogar ganze Brigaden kommandieren. Zuletzt war im Internet ein Video aufgetaucht, in dem ein Russisch sprechender Rebell in Syrien über die Errichtung eines islamischen Staates schwärmt. Und auf einer Internetseite kaukasischer Extremisten finden die Aktivitäten tschetschenischer Dschihadisten lobend Erwähnung.

Der Einfluss ausländischer Kämpfer bietet dabei sowohl gemäßigten Oppositionellen in Syrien aber auch ausländischen Beobachtern Grund zur Sorge. Denn bei ihnen handelt es sich überwiegend um religiöse Hardliner, die weniger der Freiheitskampf antreibt als das Ziel, einen islamischen Staat zu errichten. Und derartige Strömungen gewinnen unter den Rebellen zunehmend an Boden – was dem Regime in die Hände spielt.