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Politik Ausland
08/04/2020

Polen: Brückensprengung impossible?

Aufreger: Für einen Tom Cruise-Film soll ein historisches Bauwerk in die Luft fliegen.

Für den neuen Paramount- Film mit Hollywoodstar Tom Cruise (Tarnname „Libra“, aber vermutlich „Mission impossible 7“) soll eine über hundert Jahre alte Eisenbahnbrücke in Polen in die Luft gejagt werden – dies weckt immer mehr Widerstand vor allem in der Region des Bauwerks, in der Wojewodschaft Niederschlesien.

Die hauptsächlich aus Stahl bestehende 151 Meter lange Konstruktion wurde 1912 im damals deutschen Riesengebirge eröffnet und führt über den im Wald eingebetteten Stausee des Flusses Bober auf der Strecke zwischen der Stadt Hirschberg (Jelenia Gora) und Siegersdorf (Zebrzydowa). Seit März gab es in Polen Gerüchte über die Sprengung, die lange als Fake News abgetan wurden – in der vergangenen Woche aber wurden die Sprengungspläne vom stellvertretenden Kulturminister Pawel Lewandowski bestätigt. Er erklärte lakonisch: „Nicht jede alte Sache ist ein Kulturdenkmal.“ Die derzeit nicht genutzte Brücke sei „ein postindustrielles Relikt“.

„Damit sind wir nicht einverstanden“ sagt Katarzyna Szczerbinska, Direktorin des „Museum für Eisenbahnwesen in Schlesien“ auf Anfrage. Das Museum gilt als einer der engagierten Gegner der Sprengung. „Wir haben einen Antrag an das Denkmalschutzamt der Wojewodschaft Niederschlesien gestellt, damit die Brücke unter Denkmalschutz gestellt wird.“ Das 151 Meter lange Bauwerk sei Teil einer malerischen Bahnstrecke, die unbedingt wieder in Gang gesetzt werden müsse, so die Historikerin.

Restaurieren

Auch die Wojewodschaft Niederschlesien will die stillgelegte 77 Kilometer lange eingleisige Bahnstrecke wieder für den Tourismus öffnen und die Brücke restaurieren. Die Brücke gehört der staatlichen Eisenbahngesellschaft PKP, die gerade mit der US-Produktionsfirma verhandelt. Robert Golba, Chef der Beratungsfirma „Alex Stern“, die im Auftrag von Paramount verhandelt, argumentiert gegenüber der Nachrichtenagentur PAP, der Film würde als Werbung für die Region wirken.

Ersatzbrücke?

Die Amerikaner würden sich nach Angaben des stellvertretenden Kulturministers an dem Neubau einer Brücke beteiligen, es gibt jedoch keine konkreten Angaben.

Nach polnischen Medienangaben hat sich Regisseur Christopher McQuarrie bereits Ende 2019 die Brücke angeschaut. Die Dreharbeiten wurden durch Covid-19 unterbrochen, der Film mit dem 58-jährigen Tom Cruise soll im November 2021 in die Kinos kommen.

Die Brücke sollte bereits im Frühjahr 1945 gesprengt werden: von der Wehrmacht, um der Roten Armee den Vormarsch zu erschweren, was schief ging. Nach dem Krieg nahm der polnische Staat die Strecke wieder in Betrieb, bis der Bahnverkehr 2016 wegen Sicherheitsbedenken eingestellt wurde.

Auch das TICCIH, eine internationale Denkmalschutzorganisation mit Beraterfunktion bei der UNESCO, hat einen Protestbrief an Polens Premierminister Mateusz Morawiecki geschickt.

Allgemein gilt Polen als Amerika-begeistert und die Ankunft irgendwelcher Stars an der Weichsel wird als großes Ereignis gefeiert. Die schlagkräftigen Schauspieler Chuck Norris und Bruce Willis bewarben schon eine polnische Bank sowie polnischen Wodka, Mike Tyson ist das Gesicht eines Energiedrinks, und Robert de Niro eröffnet am Montag ein Hotel seiner Kette „Nobu“ in Warschau.

Protest im Sozialen Netz

Doch nun wehren sich immer mehr polnische Prominente via Sozialer Netzwerke gegen das Zerstören der Brücke, die in Polen schon Schauplatz zweier Kinoproduktionen und eines Computerspiels war bzw. ist.

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