Politik | Ausland
26.10.2018

Verdächtiger Bombenbauer ist Republikaner und Trump-Fan

Es handelt sich um einen polizeibekannten Mann aus der Gegend von Miami, der 56 Jahre alt ist.

Die US-Behörden haben im Fall von versandten Rohrbomben an Gegner von US-Präsident Donald Trump einen Verdächtigen festgenommen. Das teilte eine Sprecherin des US-Justizministeriums am Freitag auf Twitter mit. 

Ersten Informationen zufolge handelt es sich dabei um Cesar Sayoc, einen vorbestraften, 56 Jahre alten Mann mit krimineller Vergangenheit. Der Verdächtige ist registrierter Republikaner. Nach öffentlich zugänglichen Informationen wurde er während der vergangenen Jahre mehrfach festgenommen, unter anderem wegen einer Bombendrohung.

Auf dem Kleinbus des Tatverdächtigen sind einem von CNN verbreiteten Foto zufolge mehrere Aufkleber mit den Porträts von Präsident Donald Trump und Vizepräsident Mike Pence angebracht. Auch ein Aufkleber mit der Aufschrift "CNN ist zum Kotzen" ist zu erkennen.

Die Festnahme erfolgte demnach in Florida, wo ein Teil der Päckchen sichergestellt worden war. Fernsehbilder zeigten, wie FBI-Beamte einen weißen Lieferwagen mit einer Plane abdeckten und dann abtransportierten. Bei dem Fahrzeug soll es sich um das Auto des Verdächtigen handeln.

Der Mann wurde offiziell wegen fünf Vergehen beschuldigt, wie Justizminister Jeff Sessions am Freitag in Washington mitteilte. Dazu zählten die "illegale Versendung von Sprengstoffen" und "Drohungen gegen frühere Präsidenten". Laut Ermittlern konnte Sayoc durch DNA-Spuren, die er auf den Briefbomben hinterlassen hatte, identifiziert werden. Ihm drohen laut Justizminister Jeff Sessions bis zu 85 Jahre Haft.

Trump: "Keine Kosten und Mühen scheuen"

Wenig später nach der Festnahme verurteilte Trump vor jubelnden Fans die Bombensendungen als "terrorisierenden Akt": "So etwas hat in unserem Land keinen Platz. Ich habe angewiesen, keine Kosten und Mühen zu scheuen, den oder die Täter zu finden", sagte er. Gewalt habe in der US-Politik keinen Platz, außerdem lobte er die "rasche Arbeit der Ermittler". Zu den Aufklebern auf dem Wagen sagte er nichts.

Der mutmaßliche Bombenbauer handelte nach Einschätzung von New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo wohl allein. Das sagte der demokratische Politiker dem TV-Sender MSNBC nach Festnahme eines Verdächtigen in der Nähe von Miami am Freitag. Eine Einzelperson kann eine Gesellschaft vergleichsweise leicht stören", sagte Cuomo. Anleitungen zum Bau von Bomben gebe es im Internet und auch die benötigten Sprengstoffe seien recht leicht zu beschaffen.

Bomben "nicht besonders anspruchsvoll"

Die Bomben seien keine Fälschungen, sie seien aber auch nicht "besonders anspruchsvoll" gebaut, sagte Cuomo. Es sei unklar, ob bei dem Versand von mindestens zwölf verdächtigen Päckchen seit Montag absichtlich niemand verletzt wurde oder ob hier ein Amateur zugange war. "Ich wäre nicht überrascht, wenn es weitere Päckchen gibt", sagte Cuomo. Die Ermittlungen seien "sehr schwierig" gewesen. Die Postdienste müssten Sendungen künftig genauer durchleuchten.

Den Täter bezeichnete Cuomo als "Symptom, nicht die Krankheit" und als "Verletzung am Körper, nicht das Virus". An der Stimmung in den USA und der gespaltenen Gesellschaft seien politische Führer samt Präsident Donald Trump schuld, aber auch die Amerikaner selbst. "Wenn wir diesen Politikwahn, diese Glut, den Groll oder Hass nicht stoppen, werden wir ihn wieder erleben." Die Amerikaner hätten gelernt, sensibler mit sexuellen Übergriffen und Rassismus umzugehen, dasselbe müsse nun auf politischer Ebene geschehen.

Zuvor waren am Freitag bereits zwei weitere verdächtige Pakete aufgetaucht. Eines war an Ex-CIA-Chef James Clapper adressiert.

"Das ist definitiv Inlands-Terrorismus", sagte Clapper auf CNN. Trump twitterte, der "'Bomben'-Kram" schade dem Wahlkampf seiner Republikaner. Insgesamt wurden bisher zwölf Briefbomben gefunden - adressiert auch an Ex-Präsident Barack Obama und den Trump-kritischen Schauspieler Robert DeNiro. DeNiro sagte, er danke Gott, dass niemand verletzt wurde. Zudem forderte er die Amerikaner zur Wahl auf: "Es gibt etwas Mächtigeres als Bomben, und das ist Ihre Stimme."

An CNN adressiert

Das Paket an Clapper war nach Angaben der Bundespolizei an den Sender CNN adressiert und wurde in einem New Yorker Postamt abgefangen. Ein Vertreter der Stadtpolizei erklärte, darin sei eine Rohrbombe vergleichbar mit den früheren Sprengsätzen gewesen. Zuvor war laut FBI in einem Verteilzentrum in Florida ein Paket an demokratischen Senator Cory Booker gefunden worden.

Wenige Tage vor der Kongresswahl am 6. November werfen die Bombenfunde ein Schlaglicht auf ein politisch tief gespaltenes Land. Trump hatte die Bomben verurteilt, den Medien aber zugleich vorgeworfen, mit falschen Berichten das Klima zu vergiften. Trumps Kritiker werfen ihm das Schüren von Hass vor. Am Freitag beklagte der Präsident, dass durch die Briefbomben von der Politik abgelenkt werde und dem Wahlkampf seiner Republikaner der Schwung genommen werde. "Sehr unglücklich, was passiert", schrieb er auf Twitter.

Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen bestätigte gegenüber dem Sender Fox, dass einige Päckchen in Florida aufgegeben wurden. Ein Bombenkommando untersuchte das Verteilzentrum in Opa-locka bei Miami. Den Behörden zufolge waren die Sprengsätze einfach zusammengebaut. Sicherheitsexperten sagten, ihr Ziel sei es möglicherweise gewesen, Angst zu verbreiten und nicht zu töten. Bisher wurde niemand durch die Rohrbomben verletzt. Unter den Adressaten waren auch Ex-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton und das New Yorker Büro des US-Senders CNN.

Baupläne aus dem Internet

In Kreisen der Ermittler hieß es, die Baupläne für die Sprengsätze stammten aus dem Internet. Mehrere trügen als Absender die Adresse des Büros der demokratischen Abgeordneten Debbie Wasserman Schultz in Florida. Sie war bis 2016 auch Vorsitzende des Democratic National Committee, der nationalen Organisation der Demokraten.

"Es ist nach wie vor möglich, dass weitere Pakete geschickt wurden oder werden", sagte FBI-Vizechef William Sweeney. Landesweit seien Hunderte Ermittler mit dem Fall befasst.