Politik | Ausland
24.06.2016

Briten treten aus der EU aus, Cameron tritt zurück

Alle Wahlbezirke sind ausgezählt. Der Austritt Großbritanniens aus der EU ist fix.

Großbritannien tritt aus der EU aus. Alle Wahlbezirke sind ausgezählt, mit 52 zu 48 Prozent stimmen die Briten für einen Austritt. 46,5 Millionen Briten hatten es in der Hand, die EU in die schwerste Krise ihrer Geschichte zu stürzen.

So haben die Briten gestimmt. Den Ticker zur Nachlese finden Sie unter der Grafik.

Briten treten aus der EU aus, Cameron tritt zurück

  • 18:21

    US-Präsident Barack Obama hat nach eigenen Angaben mit Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie Cameron telefoniert, schreibt die Nachrichtenagentur "Reuters". Die besondere Beziehung zwischen Großbritannien und den USA werde weiterbestehen, so Obama. 

  • 18:04

    Die Niederländer sind eher nicht für einen NExit ausgesprochen. Laut einer Umfrage sind 54 Prozent dagegen, nur 36 Prozent sind dafür. 

     

     

  • 17:55

    David Cameron versucht, die in Großbritannien lebenden EU-Bürger zu beruhigen. „Es werde durch das „Brexit“-Votum keine unmittelbaren Einschränkungen bei der Freizügigkeit geben”, verspricht er. Europäer, die in Großbritannien leben, und Briten, die in Europa leben, seien in der nahen Zukunft nicht von der Entscheidung betroffen, sagte Cameron. 

  • 17:32

    Doch nicht Glastonbury - stattdessen Rede

    Jeremy Corbyn, seit September 2015 Vorsitzender der britischen Labour Party, habe seinen geplanten Auftritt beim bekannten Glastonbury-Festival gestrichen, schreibt The Guardian. Stattdessen bereite sich der 67-Jährige auf eine morgige Rede vor, heißt es weiter. Der nach dem Votum für einen EU-Austritt selbst unter Beschuss geratene Opposionsführer werde dabei laut Insider eine "Labour vision for the future" skizzieren.

  • 17:11

    Sportstar: "Verdammter Mist! Was haben wir getan"

    Der frühere englische Nationalspieler Gary Lineker brachte gewohnt offen seine Meinung zum Ausdruck. "Verdammter Mist! Was haben wir getan", twitterte der heutige BBC-Moderator und gestand, er fühle sich beschämt von seiner Generation.

    Der einstige Topstürmer Michael Owen twitterte verdutzt: "Hätte nicht gedacht, mit diesen Neuigkeiten aufzuwachen."

    Die aktuellen Spieler der "Three Lions" hielten hingegen an ihrer unpolitischen Linie fest. "Ich weiß nicht genug darüber, um besorgt zu sein. Und ich denke, den anderen geht es genauso", sagte Harry Kane (Bild). Die Konzentration liege klar auf dem Turnier. "Ich bin aufgewacht und habe die Nachricht gesehen. Die Jungs reden darüber, aber wir sind nicht allzu fokussiert darauf. Wir versuchen, bei der EM weiterzukommen", erklärte der Premier-League-Torschützenkönig.

  • 16:52

    Lega Nord will Referendum in Italien

    Italiens Staatschef Sergio Mattarella hat sein "tiefes Bedauern" wegen des Ausgangs der Volksbefragung geäußert. "Wir respektieren zwar das Befragungsergebnis, wir wollen jedoch mit Kraft die Bedeutung der EU für die Zukunft unserer Jugendlichen hervorheben", sagte Mattarella.

    Unterdessen will Italiens europakritische Oppositionspartei Lega Nord eine Unterschriftensammlung für einen Gesetzentwurf starten, der den Italienern per Referendum erlauben soll, sich über den EU-Verbleib auszusprechen. Als Modell soll das Brexit-Referendum dienen, berichtete Lega Nord-Chef Matteo Salvini bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Mailand. Salvinis Ankündigung löste heftige Kritik aus. Die italienische Verfassung verbiete Referenden über internationale Verträge. Es sei reine Demagogie daran zu denken, in Italien ein Referendum für den EU-Austritt zu verlangen, berichtete Altpräsident Giorgio Napolitano. Er erhoffe sich Italien Kontinuität in seiner stark europäischen Tradition.

  • 16:35

    Age matters!

    Mit Sarkasmus haben junge Internetnutzer auf das Altersgefälle bei der Brexit-Entscheidung reagiert. "Statistisch sind schon 950 der Brexit-Befürworter gestorben", schrieb beispielsweise ein Nutzer auf Twitter. Ein anderer meinte: "Juchuhhh. Wir sind alle bald tot und es ist die nächste Generation, die leiden wird. Habt einen tollen Tag :)".

    Damit spielten sie auf die Tatsache an, dass mit zunehmenden Alter mehr Briten für den Austritt aus der EU stimmten als dagegen: In der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen war nicht einmal ein Drittel für den Brexit, bei der ab 65-Jährigen hingegen rund 60 Prozent. Besonders weit verbreitet wurde eine Wähler-Grafik mit dem Satz: "Die ältere Generation stimmte für eine Zukunft, die die Jüngeren nicht wollen."
     

  • 16:28

    Deutschland und Frankreich für "flexible Union"

    Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat der britischen Regierung vorgeworfen, die EU-Mitgliedschaft leichtfertig verspielt zu haben. Er erinnerte heute in einem Interview für die ZDF-Sendung "Was nun?" daran, dass das Referendum seinen Ursprung in Auseinandersetzungen innerhalb der konservativen Regierungspartei Camerons hat. "Die Regierung (hat) mit dem europäischen Schicksal gespielt und hat verloren", sagte er. Die Haltung zur Europäischen Union sei innenpolitisch instrumentalisiert worden.

    Deutschland und Frankreich wollen sich offenbar nach dem Brexit-Votum gemeinsam für die Weiterentwicklung der EU stark machen. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung zitierte aus einem gemeinsamen Papier Steinmeiers und des französischen Außenministers Jean-Marc Ayrault, in dem beide demnach für eine "flexible Union" werben.

  • 16:08

    Grobe Abfuhr für Obama

    Mit seinem Votum für den Brexit hat Großbritannien auch dem engen Verbündeten auf der anderen Seite des Atlantik eine grobe Abfuhr erteilt. US-Präsident Barack Obama hatte sein ganzes Gewicht in die Waagschale geworfen, um die Briten vom Verbleib in der EU zu überzeugen. Am Tag danach blieb ihm nichts anderes übrig, als zu erklären: "Das britische Volk hat gesprochen, und wir respektieren seine Entscheidung."

    In außergewöhnlich massiver Form hatte sich der US-Präsident in die britische Referendumskampagne eingemischt. Bei einem Besuch in Großbritannien im April (Bild) warnte er vor schwindendem britischen Einfluss in der Weltpolitik bei einem EU-Austritt. Die Europäische Union habe den britischen Einfluss nicht geschmälert, sondern "vergrößert". Die Intervention des US-Präsidenten nutzte aber womöglich eher dem Brexit-Lager.

  • 15:53

    Auszüge aus der Rücktrittsrede von David Cameron:

    "Das Land hat gerade an einer gigantischen demokratischen Übung teilgenommen, vielleicht der größten unserer Geschichte. Mehr als 33 Millionen Menschen aus England, Schottland, Wales, Nordirland und Gibraltar haben ihre Meinung gesagt. Wir sollten stolz darauf sein, dass wir auf diesen Inseln den Menschen trauen, solche großen Entscheidungen zu treffen. (...)

    Das britische Volk hat dafür gestimmt, die Europäische Union zu verlassen, und wir müssen seinen Wunsch respektieren. (...) Der Wille des britischen Volkes ist ein Befehl, der ausgeführt werden muss. (...) Ich möchte den Märkten und Investoren versichern, dass die britische Wirtschaft grundsätzlich stark ist. Und ich möchte auch den Briten, die in kontinentaleuropäischen Ländern leben, sowie europäischen Bürgern, die hier leben, versichern, dass sich ihre Situation nicht sofort ändern wird.

    Wir müssen heute keinen konkreten Zeitplan festlegen, aber meiner Ansicht nach sollten wir darauf hinarbeiten, zum Beginn des Parteitags der Konservativen im Oktober einen neuen Premierminister im Amt zu haben. (...)

    Ich habe schon zuvor gesagt, dass Großbritannien außerhalb der Europäischen Union überleben kann, und dass wir tatsächlich einen Weg finden könnten. Jetzt, da die Entscheidung für einen Austritt gefallen ist, müssen wir den besten Weg finden, und ich werde alles mir Mögliche tun, zu helfen."

  • 14:37

    Ein kleiner Nebeneffekt des Brexit: Nach dem Austritt des Vereinigten Königsreichs wird die wichtigste Amtssprache Brüssels nur mehr von gut 400.000 "native speakers" gesprochen. Denn nur die Einwohner von Malta haben Englisch als Landessprache.

  • 14:37

    Der Daily Mirror. Könnte auch der Cover für das Aus des britischen Teams bei der Euro sein.

  • 14:35

    Nach dem Brexit-Votum hat EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker versucht, seinen britischen Mitarbeitern Zukunftsängste zu nehmen. Er wolle sicherstellen, "dass wir alle auch weiterhin auf Ihr herausragendes Talent, Ihre Erfahrung und Ihr Engagement setzen können", hieß es von Juncker am Freitag an die Kommissionsbeschäftigten mit Blick auf das britische Personal.

    Die Personalregeln würden "in europäischem Geist ausgelegt und angewendet". Für die EU-Kommission arbeiten 33.000 Menschen, 1.160 von ihnen sind Briten. Anstellungsvoraussetzung bei der Behörde ist die Nationalität eines EU-Staates. Mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU stellt sich deshalb die Frage, was aus den britischen Mitarbeitern werden soll.

    EU Commission President Juncker briefs the media a Foto: REUTERS/FRANCOIS LENOIR

  • 14:32

    Der britische Boulevard freut sich sehr.

  • 14:30

    Das Ergebnis des EU-Referendums der Briten sei zu akzeptieren, hieß es am Freitag von niederösterreichischen Politikern und Wirtschaftsvertretern. Nach der Entscheidung in Großbritannien für einen Brexit brauche es "Tempo und Entschlossenheit bei den entscheidenden Zukunftsfragen", teilte LHStv. Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) mit. Die Europäische Union schlage sich unter ihrem Wert. Es brauche eine Entbürokratisierungs-Offensive und mutige Entscheidungen zum Stopp der Migrationsströme, bereits außerhalb der EU. Es sei an der Zeit zu handeln, betonte Mikl-Leitner.

  • 14:29

    UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon erwartet von Großbritannien trotz des Votums für den EU-Austritt weiter eine führende Rolle in den Vereinten Nationen. "In der UNO freuen wir uns auf eine Fortsetzung der Arbeit mit Großbritannien und der EU. Beide sind wichtige Partner", sagte Bans Sprecher Stephane Dujarric am Freitag.

    "Wenn wir zusammenarbeiten sind wir stärker", betonte er. Ban hoffe, dass sich Großbritannien etwa bei Themen wie der Entwicklungspolitik weiter führend engagieren werde. Die EU bleibe gleichzeitig ein starker Partner in Fragen wie Migration, Frieden und Sicherheit sowie bei humanitären Themen. Ban vertraue auf Europas schon oft bewiesenen Pragmatismus und dessen Verantwortungsgefühl im Interesse seiner Bürger.

  • 14:28

    Deutschland und Frankreich wollen nach dem Brexit-Beschluss der Briten gemeinsame Vorschläge zur Weiterentwicklung der Europäischen Union vorlegen. Ziel ist, dass sich eine Entwicklung wie in Großbritannien nicht in anderen Staaten der EU wiederholt. Außenminister Frank-Walter Steinmeier und sein Amtskollege Jean-Marc Ayrault können sich offenbar eine "flexible EU" vorstellen.

  • 14:23

    Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan hat als Reaktion auf das Referendum erklärt, dass London weiterhin eine erfolgreiche Stadt bleiben wird. Und über Twitter schrieb Khan, dass alle Europäer, die in London leben, herzlich willkommen sind.

     

  • 13:45

    Vier Modelle für die Zeit danach

    Was kommt nach dem Brexit? Das Modell "Schweiz"? Oder doch eher das Modell "Kanada"? Die EU und Großbritannien müssen ihre Beziehungen von Grund auf neu regeln. Diese vier Alternativen kämen theoretisch infrage.

    A British flag which was washed away by heavy rain Foto: REUTERS/REINHARD KRAUSE

  • 13:45

    Der russische Präsident Wladimir Putin hat die Brexit-Entscheidung Großbritanniens als Protest gegen eine zunehmende Machtfülle der Brüsseler Bürokratie bezeichnet. „Die Konzentration der Macht ist in den leitenden Strukturen der EU sehr hoch“, sagte Putin am Freitag in Usbekistan in Zentralasien. Manchen Menschen gefalle dieses „Verwischen von Ländergrenzen“, anderen wiederum nicht. „Der überwiegenden Mehrheit der Briten, scheint es, gefällt es nicht“, sagte Putin.

    Äußerungen des britischen Premierministers David Cameron über ein angebliches Interesse Moskaus an einem EU-Ausstieg Londons entbehrten jeder Grundlage. „Russland hat sich in die Frage eines Brexits nie eingemischt, nie darüber geäußert, es hat sie nicht beeinflusst und dies auch nie versucht“, meinte Putin.