Das Parlament in Budapest

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Politik Ausland
07/16/2020

Botschafter: Einsatz gegen Christenverfolgung ist "Mission" Ungarns

Ungarischer Botschafter in Österreich spricht von "stillster Krise der Menschenrechte und der Zivilisation unserer Zeit".

Ungarn sieht sich in der Rolle, international in der Diplomatie wie auch öffentlich die Stimme von verfolgten Christen und anderen Religionsgemeinschaften zu stärken: Das hat Andor Nagy, Ungarns Botschafter in Österreich, in einem Interview mit der Zeitschrift Kirche in dargelegt. "Unsere Mission ist es, eine Antwort und eine Lösung für die stillste Krise der Menschenrechte und der Zivilisation unserer Zeit zu finden: das tragische internationale Phänomen der Christenverfolgung", sagte der Diplomat.

Besonders im Nahen Osten und in der Sahelzone sei die Diskriminierung und Verfolgung von Christen virulent, erläuterte der Botschafter; mehr als die Hälfte der 245 Millionen wegen ihrer Religionszugehörigkeit diskriminierten Menschen seien Christen, wobei es sich um "eine der am meisten zum Schweigen gebrachte Tragödie des 21. Jahrhunderts" handle. Die Weltöffentlichkeit müsse endlich "entschlossen dringende Maßnahmen" gegen die Verfolgung religiöser und ethnischer Minderheiten ergreifen, bei der es sich um einen "Völkermord" handle. Ungarn liefere dazu wichtige Anstöße, u. a. durch eine Ende des Vorjahres veranstaltete Konferenz in Budapest.

Angesichts der verstärkten Migrationsbewegungen nach Europa seit 2015 habe sich die Regierung von Premierminister Viktor Orbán dazu entschieden, "nicht nur ihre eigenen Sicherheitsvorstellungen und ihre europäischen Verpflichtungen im Auge zu behalten, sondern auch Hilfe bei der Wiederherstellung der Stabilität der Herkunftsländer der Auswanderer zu leisten", sagte Nagy. Man sei davon überzeugt, "dass die westliche Welt mit ihren christlichen kulturellen Wurzeln eine wichtige moralische Verpflichtung hat".

Staatssekretariat für verfolgte Christen

Vor diesem Hintergrund habe Ungarn 2016 ein eigenes Staatssekretariat zur Unterstützung verfolgter Christen ins Leben gerufen, das bisher weltweit einmalig sei, sowie im Jahr darauf das Programm "Hungary Helps" mit den Hauptbereichen humanitäre Hilfe, Migration und Religionsfreiheit. Mit diesem Engagement solle der "von Orbán neudefinierte Begriff der christlichen Demokratie" umgesetzt werden, erklärte der offizielle Vertreter Ungarns in Österreich. Probleme gelte es "lokal zu lösen und nicht nach Europa zu importieren".

Ungarns Strategie sei dabei vor allem die Ermutigung der Christen vor Ort, ihre Heimat nicht zu verlassen. So werde beispielsweise im Irak der Wiederaufbau von 2014 durch IS-Milizen zerstörten christlichen Siedlungen oder Kirchen sowie der Bau von Krankenhäusern und Schulen finanziert, teils in Kooperation mit internationalen Organisationen. Ebenso würden aber auch in der Demokratischen Republik Kongo Gesundheits- , Sozial- und Bildungsinitiativen unterstützt. Im Gegenzug erhalte Ungarn "das, was Europa am dringendsten braucht: einen christlichen Glauben, Liebe und Ausdauer".

Den Vorwurf, die ungarische Regierung sei "gegen den Islam", wies der Botschafter zurück, betonte aber, man trete bewusst "für Christen" ein. Nagys Begründung: "Die Traditionen und die Gesellschaft Ungarns, ja seine gesamte nationale Identität, basieren auf christlichen, sozialen Werten und einer Ethik, die auch mit dem römischen Recht und der griechischen Philosophie in Einklang stehen." In Hinblick auf Kritik von Vertretern des Säkularismus erklärte Nagy, Staat und Kirche seien in Ungarn "zwar getrennt, aber keine Gegner", wobei man insbesondere im sozialen Bereich sehr stark zusammenarbeite.

Familienpolitik statt Zuwanderung

Im Blick auf die demografische Situation in Europa setze Ungarn auf eine Stärkung der Familienpolitik statt auf Zuwanderung, führte Nagy weiter aus. "Manche Länder glauben an Migration als Lösung, wir glauben an eine innovative und smarte Familienpolitik." So würde Ungarn bereits vier Prozent des BIP für die Familienpolitik ausgeben. "Kein einziges EU-Mitglied ist soweit gekommen."

Die seit 1. Juli 2019 in Kraft getretene Familienpolitik umfasse neben Krediten und Beihilfen rund um Familiengründung und Nachwuchs auch andere Maßnahmen: "Erstens werden Frauen, die mindestens vier Kinder großgezogen haben, ihr Leben lang von der Einkommenssteuer befreit, und zweitens haben jetzt auch Großeltern Anspruch auf subventionierten Elternurlaub", so Nagy.

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