Bo-Jo mit seiner Frau Marina Wheeler: Er ist Sieger im Machtkampf mit Cameron.

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Beste Chancen
06/25/2016

Boris Johnson klopft schon an 10 Downing Street

Der ehemalige Londoner Bürgermeister, ein Adeliger, blödelte sein Land in den EU-Ausstieg.

von Susanne Bobek

In New York erlebte der konservative Londoner Ex-Bürgermeister Boris Johnson einmal "einen schlimmen Moment". Er wurde mit Donald Trump verwechselt. Der 51-jährige Johnson, das Aushängeschild der Brexit-Bewegung, ist für manche der britische Trump. Er hat gute Chancen, als künftiger Premierminister in 10 Downing Street einzuziehen.

Angeblich ging es Boris Johnson nie um den Brexit, sondern einzig um den Job seines Rivalen aus Schul- und Studententagen, David Cameron. Beide waren in Eton und Oxford. Eliteboys, auch Schnösel genannt. Zu Johnsons besten Freunden in dieser Zeit gehörte Charles Spencer, der jüngere Bruder der verstorbenen Prinzessin Diana.

Der Mann mit dem wirren blonden Haarschopf ist charismatischer als Donald Trump, doch mindestens ebenso skrupellos. Seine Wirkung ist parteiübergreifend. Als Bürgermeister machte er London zu einer Fahrrad-freundlichen Stadt. Alle nennen ihn Boris oder Bo-Jo: Ein brillanter Redner, originell und schlagfertig, egal, was er anrichtet.

"Er ist eine Celebrity", sagt sein Vater Stanley Johnson, ein überzeugter Pro-Europäer. Auch Bo-Jos drei Geschwister, zwei Brüder und eine Schwester, wählten "Remain". Aber die adeligen Johnsons sind eine Art Institution in Großbritannien und stehen trotz vieler Meinungsverschiedenheiten zusammen.

Alexander Boris de Pfeffel Johnson verdient fürstlich, ist nicht auf Ämter angewiesen. Genoren in New York, ging er in Brüssel zur Schule, spricht fließend französisch und Latein. Er ist Journalist, Kolumnist, Chefredakteur des konservativen Spectator und Autor einer gelobten Biografie über Winston Churchill. Johnson ist in zweiter Ehe mit einer Anwältin verheiratet und Vater von vier Kindern. Affären haben ihm nie geschadet.

Ehrgeizig, skrupellos

"Er hat diese sehr gebildete und ein wenig zerzauste Ausstrahlung", sagt seine langjährige Kollegin und Biografin Sonia Purnell. "In Wahrheit ist er unglaublich ehrgeizig und skrupellos." Anfang der Neunzigerjahre war sie seine Kollegin im Brüsseler Büro des Daily Telegraph. Damals wurden die Maastricht-Verträge verhandelt, Johnson schrieb dagegen an und wurde damit bekannt. Jeden Nachmittag, so erzählte Purnell in der Zeit,habe er sich in einen Euro-Hass hineingesteigert, indem er seine Yucca-Palme anbrüllte.

Der größte Export seit Diana

Johnson hat zugegeben, dass er vor der Verkündung seiner Entscheidung gegen Europa zwei Texte geschrieben hat: Einen für Europa und einen für den Brexit. "Fünf Jahre hat er über die EU berichtet – eine Haltung hat er nicht", schreibt Khue Pham, ein Kollege von der Zeit. "Es ist wie bei Donald Trump: Nicht die Botschaft zählt, sondern der Botschafter." In der Brexit-Kampagne wurde viel gelogen, etwa, dass die Türkei der EU beitreten würde. "Dabei war Johnson selbst einmal für eine türkische EU-Mitgliedschaft", sagen Kollegen.

Sollte Johnson in 10 Downing Street einziehen, "wäre er eine Celebrity, der größte Export seit Prinzessin Diana", sagt Gideon Rachman von der Financial Times. "Er würde andere die Arbeit machen lassen", sagen Leute, die mit ihm im Stadtrat von London saßen.

Johnson blüht auf in der Popularität, die er genießt. Doch nun muss er auch unangenehme Fragen beantworten und das tief gespaltene Land wieder einen. Die Buchmacher sehen ihn bereits als künftigen Premierminister, allerdings haben sie auch geglaubt, dass die Briten in der EU bleiben würden.

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