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Politik Ausland
12/18/2020

Bischofsappell: "100 Familien aus Lager evakuieren"

Ein Teil der aus Österreich gelieferten Zelte wurde auf Lesbos aufgestellt. Die Situation ist für Helfer dennoch "zum Verzweifeln".

von Christian Böhmer

"Das Lager Kara Tepe II mit 7.300 Menschen, das als Notlager Anfang September aus dem Boden gestampft wurde, liegt direkt am Meer. In den Nächten ist es bitterkalt. Es gibt immer noch kein Warmwasser und keinen Strom. Wenn es regnet, schwimmen einige Zelte im Wasser. Und auch wenn das Wasser abgepumpt wird: Die Feuchtigkeit ist aus den Zelten nicht wegzubekommen.“

Hermann Glettler lässt die Situation der Flüchtlinge auf der Insel Lesbos keine Ruhe. Der Innsbrucker Diözesanbischof war jüngst vor Ort und beschreibt im KURIER-Gespräch Zustände, die „zum Verzweifeln“ sind: „Es gibt viele verstörte Kinder und traumatisierte Menschen. Man darf diese Menschen nicht in dieser gefährlichen Situation belassen.“

Am Donnerstag wiederholten Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz, Amnesty International sowie Wissenschafter den Appell, Schutzbedürftige aus dem Flüchtlingscamp zu evakuieren. Im deutschen Bundestag formulierten 250 Abgeordnete fraktionsübergreifend einen entsprechenden „Weihnachtsappell“.

Dramatische Situation

„Österreich hat in diesem Jahr über die normalen Asylverfahren viele Menschen aufgenommen. Aber angesichts der dramatischen Situation appelliere ich an die Bundesregierung, dass wir 100 Familien mit kleinen Kindern aus dem Lager evakuieren. Noch in diesem Jahr“, sagt Glettler. Er, Glettler, gebe die Hoffnung nicht auf, dass eine positive Entscheidung dafür falle. „In ganz Österreich gibt es unzählige Menschen, Vereine, Solidaritätsgruppen und Pfarren, die helfen wollen. Es wäre ein Gebot der Menschlichkeit, jetzt zu handeln.“

Eine andere Hilfe, nämlich die Zelte, die der für die Katastrophenhilfe zuständige Innenminister Karl Nehammer im September persönlich nach Athen überbracht hat, ist zumindest zum Teil angekommen.

Im Innenministerium heißt es, ein Teil der Zelte sei aufgebaut, der andere werde offenbar noch in Reserve gehalten.

Wie Athen die gelieferten Hilfsmaterialien einsetze, das könne Wien nur bedingt beeinflussen – es handle sich um eine souveräne Entscheidung. Auch das Angebot Österreichs, mit Personal auf Lesbos auszuhelfen, sei dankend abgelehnt worden.

Die Frage, ob Flüchtlingsfamilien von der Insel Lesbos evakuiert werden sollen, ist innerhalb der Bundesregierung nach wie vor umstritten. Die Grünen wären dafür, die ÖVP ist – unter anderem mit dem Hinweis auf den sogenannten Pull-Effekt – dagegen.

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