Bill Clinton und Monica Lewinsky: Eine verhängnisvolle Begegnung.

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Politik Ausland
03/06/2020

Clinton über Lewinsky-Affäre: "Tat es, um meine Ängste zu bewältigen"

Der ehemalige US-Präsident erklärt seine sexuellen Ausritte im Oval Office mit dem enormen Druck, den das Amt mit sich gebracht habe.

Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton spricht in einer neuen TV-Dokumentation auch über seine Affäre mit Monica Lewinsky. In der vierteiligen Doku "Hillary", die sich der außergewöhnlichen Karriere seiner Ehefrau widmet, sagt Bill Clinton über die Liaison: "Ich tat es, um meine Ängste zu bewältigen."

Zur Erinnerung: Der Demokrat Clinton regierte von 1993 bis 2001 im Weißen Haus. Im Jänner 1998 schlug die Nachricht einer sexuellen Affäre des Staatsoberhaupts mit seiner damals 24-jährigen Praktikantin Monica Lewinsky wie eine Bombe ein. Die Folge war ein Amtsenthebungsverfahren ("Impeachment"), das Clinton aber überstand.

Clintons Gründe

Heute sagt der 73-Jährige, es sei zum Oralsex im Präsidentenbüro (Oval Office) gekommen, weil er den Druck, den sein Job mit sich gebracht habe, abschwächen wollte. Er habe, als er Lewinsky kennenlernte, etwas gesucht, "um den Kopf für eine Weile freizubekommen".

Clinton betonte, dass er die Affäre sehr bereue. Er schäme sich, dass der Skandal das Leben von Monica Lewinsky bis heute bestimme.

 

Hauptsächlich geht es in der vierstündigen TV-Dokumentation "Hillary" natürlich um die ehemalige First Lady und später gescheiterte Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton.

Die Politikerin, aufgewachsen in Park Ridge, einem Vorort von Chicago, stand familienbedingt zunächst den Republikanern nahe. Doch in den frühen 70er Jahren merkte Clinton, dass sie den Demokraten viel näher stand. Als Jusstudentin in Yale kämpfte Clinton für Frauenrechte und die Rechte von Minderheiten. Im Frühjahr 1971 traf sie erstmals ihren späteren Mann Bill, der ebenfalls Student der Yale Law School war.

Nach acht Jahren als First Lady an der Seite von Ehemann Bill - inklusive der schmerzhaften Monate nach der Lewinsky-Affäre - wurde sie schließlich im Jänner 2009 Außenministerin im Kabinett ihres Parteifreundes Barack Obama. Zuvor hatte dieser sie im internen Kampf um die demokratische Kandidatur besiegt.

2016 dann der große und letztlich erfolglose Kampf gegen den Immobilientycoon Donald Trump: Die Doku zeigt die demokratische Wahlkampfmaschinerie und dabei nicht nur Hillary Clintons Duell mit Trump, sondern auch gegen ihren innerparteilichen Widersacher Bernie Sanders und dessen Anhänger.

Die Interviews für die Doku dauerten über 35 Stunden. Der Vierteiler (zu sehen beim Streamingdienst Hulu und am 8. März auf dem Bezahlsender Sky Atlantic) wird nun im anlaufenden US-Wahljahr ausgestrahlt. Hillary Clinton verteidigte ihre Teilnahme damit, dass sie sich gerade um kein Amt bewerbe.

Leidensgeschichte

Das Amtsenthebungsverfahren gegen Bill Clinton war übrigens das zweite in der mehr als 300-jährigen Geschichte amerikanischer Präsidenten. Das dritte überstand erst heuer Donald Trump.

Mit dem Trump-Impeachment geriet auch Monica Lewinsky (46), die ja 1998 unfreiwillige Auslöserin eines solchen gewesen war, kürzlich wieder in die Schlagzeilen. Schon in der Doku "The Clinton Affair" (2018) sagte Lewinsky über ihre verhängnisvolle Affäre: "Ich bereue es jeden Tag. Es hat enorme Konsequenzen und Schmerzen verursacht."

Hinter der verspotteten Pop-Figur der späten 90er-Jahre war eine junge Frau gestanden, die gleichsam am globalen Medienpranger verprügelt wurde. Seit 2015 hält Lewinsky viel beachtete Reden über Internet-Mobbing. Das Video ihres Vortrags "Der Preis der Scham" bei der Ted-Konferenz 2015 hat heute 17 Millionen Klicks.

Programmhinweis zu "Hillary"

Ted-Talk von Monica Lewinsky

Twitter-Account von Monica Lewinsky

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