Minderheiten wie die Jesiden werden vom IS besonders  verfolgt

© REUTERS/STRINGER

Irak
02/06/2015

Bericht deckt Gräuel der IS an Kindern auf

Irak: Der "Islamische Staat" kreuzigt und begräbt Menschen lebendig.

von Irene Thierjung

Sie werden versklavt, vergewaltigt, gefoltert, getötet und als Selbstmordattentäter in den Tod geschickt – Kinder, die Extremistengruppen im Irak in die Hände gefallen sind. Besonders grausam agiert der "Islamische Staat" (IS), wie aus einem Bericht des UN-Komitees zum Schutz der Kinderrechte hervorgeht.

Die Dschihadisten, die große Teile des Landes unter ihrer Kontrolle haben, missbrauchen Minderjährige demnach als menschliche Schutzschilde, Bombenbauer und Kämpfer – einige erst acht Jahre alt oder jünger. Kinder religiöser Minderheiten werden geköpft, gekreuzigt oder lebendig begraben.

Für seinen erschütternden Bericht hat das aus unabhängigen Experten bestehende Kinderrechtskomitee Informationen der UNO und von Gruppen ausgewertet, die sich mit irakischen Kindern beschäftigen. Eine der 18 Experten ist die Österreicherin Renate Winter. Die 70-jährige Ex-Jugendrichterin beschäftigt sich seit Jahren mit Gewalt an Kindern, u. a. als Vorsitzende des Internationalen Strafgerichts für Sierra Leone, das die Gräuel des Bürgerkriegs in dem afrikanischen Land aufarbeitet.

Wie viele Kinder vom IS und anderen Gruppen ausgebeutet werden, lasse sich nicht genau beziffern, so Winter im KURIER-Gespräch. "Wir haben auch keine Schätzungen veröffentlicht, weil wir sie nicht verifizieren können."

Irak nicht schuldlos

Die engagierte Juristin betont, dass es systematische Gewalt an Kindern im Irak nicht erst seit dem Siegeszug des IS im vergangenen Frühsommer und nicht nur in umkämpften bzw. vom IS kontrollierten Gebieten gebe. Die irakische Armee etwa soll laut UN-Kinderrechtskomitee wie der IS Kinder an Kontrollposten einsetzen oder Minderjährige wegen Terrorverdachts unter widrigen Bedingungen festhalten.

Woran das liegt? "Es gibt im Irak zwei völlig verschiedene Probleme", so Winter. Das eine sei vom IS importiert, das andere sei hausgemacht, ein Problem der irakischen Kultur. Stichworte seien Zwangsehen oder Ehrenmorde, die zwar inzwischen strafbar seien, bei denen die "Verteidigung der Ehre" allerdings weiter strafmildernd sei. "Hier könnte der Irak etwas tun", so Winter, bisher sei aber wenig geschehen. "Weil der Irak nicht will oder kann – das weiß ich nicht."

Das Kinderrechtskomitee fordert die irakische Regierung daher auf, zumindest in ihrem Einflussgebiet den Schutz von Kindern zu gewährleisten. "Sie zeigt sich einsichtig", berichtet Winter von einem Treffen mit einer irakischen Delegation. "Schauen wir, was passiert."

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