Iran: Vorbereitungen für Khamenei-Trauerfeiern laufen
Zusammenfassung
- In Teheran laufen unter strengen Sicherheitsvorkehrungen die sechstägigen staatlichen Trauerfeiern für Ali Khamenei an, dessen Leichnam ab Samstag in der Mosalla öffentlich aufgebahrt wird.
- Zu den Zeremonien werden Vertreter aus rund dreißig Ländern erwartet, während die Hauptstadt wegen der Feierlichkeiten, der Hitze und aus Sicherheitsgründen weitgehend stillgelegt und der Luftraum zeitweise gesperrt wird.
- Die Trauerfeiern sollen nach offiziellen Angaben den nationalen Zusammenhalt stärken und enden nach Stationen in Ghom und im Irak mit der Beisetzung Khameneis am 9. Juli in Maschhad.
Riesige Porträts, Gluthitze und hektische Betriebsamkeit unter strengen Sicherheitsvorkehrungen: In Teheran haben die Vorbereitungen für die staatlichen Trauerfeierlichkeiten für Ayatollah Ali Khamenei Gestalt angenommen, die an diesem Samstag beginnen und sechs Tage dauern sollen. Der Leichnam Khameneis, der die Islamische Republik Iran fast 37 Jahre lang führte, wird ab Samstag in der Mosalla von Teheran öffentlich aufgebahrt.
Kurz vor Beginn der Zeremonien hat der Iran am Freitag zahlreiche Staatsgäste empfangen. Das iranische Staatsfernsehen zeigte unter anderem, wie Regierungsvertreter aus China, Belarus, dem Irak und Turkmenistan in der Hauptstadt landeten. Insgesamt werden Vertreter aus rund dreißig Ländern zu einer ersten Trauerfeier erwartet, wie der Organisations-Verantwortliche Ali-Akbar Purjamshidian mitteilte.
Vertreter europäischer Staaten sind nach Angaben von Außenministeriumssprecher Esmail Bakaei nicht eingeladen, weil sie laut Bakaei im Iran-Krieg „auf der falschen Seite der Geschichte“ standen.
Sarg bereits in Mosalla-Moschee
Der Sarg des früheren Staatsoberhaupts wurde bereits am Freitag in die Großmoschee Mosalla gebracht. Fotos zeigten Trauernde, die Khameneis mit der iranischen Flagge bedeckten Sarg in den für große Feierlichkeiten konzipierten Komplex in der Hauptstadt trugen. Es handelt sich um einen weitläufigen Komplex, der für die großen Freitagsgebete, offizielle Gedenkfeiern und religiöse Versammlungen ausgerichtet ist.
Arbeiter gaben den Eingängen zu der Anlage den letzten Anstrich, während andere die Gehwege teerten. Zahlreiche Sicherheitskräfte und Polizisten sind vor Ort. Riesige Porträts von Ali Khamenei bedecken die Fassade der Mosalla, deren Architektur dem Hauptgebäude einer Moschee entspricht. Im Inneren werkeln Arbeiter auf Gerüsten an einer Metallkonstruktion, wie von den Staatsmedien verbreitete Bilder zeigen.
Teheran wird „vollständig geschlossen“
Die Behörden erwarten allein in Teheran zwischen 15 und 20 Millionen Menschen. Von Samstag an sind in der iranischen Hauptstadt drei Tage des Gedenkens vorgesehen. In dieser Zeit wird die Hauptstadt „vollständig geschlossen sein und arbeitsfrei“, wie die Behörden angeordnet haben. Es wird erhebliche Verkehrsbeschränkungen geben; ein riesiger Bereich der Innenstadt wird für Autos gesperrt. Die Vorbereitungen führen schon jetzt zu Staus, da bestimmte Straßen für Lieferfahrzeuge gesperrt wurden.
Das Staatsfernsehen widmete große Teile seines Programms in den vergangenen Tagen der Ausstrahlung von Dokumentationen über Khamenei sowie von Warnhinweisen, da die Trauerfeiern bei glutheißen Temperaturen stattfinden werden. Aus Sicherheitsgründen will der Iran für mehrere Tage seinen Luftraum sperren.
„Nationalen Zusammenhalt stärken“
Ein Ziel der Trauerfeierlichkeiten besteht nach den Worten Purjamshidians darin, „den nationalen Zusammenhalt und die Einheit zwischen den verschiedenen politischen, sozialen und religiösen Komponenten des Landes rund um die zentrale Rolle des Führers zu stärken“. Plakate für die Trauerfeiern versprechen dem Iran denn auch eine „strahlende Zukunft“.
Die Trauerfeierlichkeiten für Ali Khamenei finden sechs Monate nach Massenprotesten gegen die hohen Lebenshaltungskosten im Iran und gegen die Regierung statt - und vier Monate nach der Tötung des 86-Jährigen bei einem gezielten israelischen Luftangriff auf seinen Amtssitz in Teheran am 28. Februar. Mehr als fünf Wochen führten die USA und Israel daraufhin Krieg gegen den Iran, bis sich Vertreter aus Washington und Teheran Anfang April auf eine Waffenruhe einigten. Auch Dutzende iranische Generäle und einflussreiche Politiker wurden getötet. Derzeit gilt eine brüchige Waffenruhe, Washington und Teheran haben sich auf ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges geeinigt.
Die Zeremonien, die ursprünglich für Anfang März geplant waren, waren wegen des Krieges zunächst verschoben worden.
Beisetzung in Maschhad
Die Zeremonien dauern bis Montag an. Khameneis Leichnam soll dann in die Pilgerstadt Ghom und in den Irak gebracht werden. Ein Trauerzug wird am 8. Juli durch den Irak und die den Schiiten heiligen Städte Najaf und Kerbala ziehen. Beigesetzt wird Ali Khamenei schließlich am 9. Juli in der heiligen Stadt Maschhad im Nordosten des Iran, seiner Heimatstadt.
Ali Khameneis Sohn Mojtaba ist Anfang März als Oberster Führer des Iran nachgerückt, er ist aber seit seiner Ernennung bisher nicht öffentlich aufgetreten. Mojtaba Khamenei soll bei dem Angriff, der seinen Vater tötete, schwer verletzt worden sein. Ob er an den Trauerfeierlichkeiten für seinen Vater in Teheran teilnehmen wird, ist bisher unklar. „Das Thema der Teilnahme des Obersten Führers entzieht sich meiner Zuständigkeit und meinem Wissen“, sagte Purjamshidian dazu.
Kommentare