Aiwanger-Affäre bringt Söder in Zwickmühle

Aiwanger-Affäre bringt  Söder in Zwickmühle
Keine sechs Wochen vor der Landtagswahl verhallen die Antisemitismus-Vorwürfe rund um Söders Vizeregierungschef nicht - er selbst befeuert sie durch eher tollpatschige Entschuldigungen.

„Bis zum Erwachsenenalter kein Antisemit.“

Ist das eine Entschuldigung? Seit Tagen versucht Hubert Aiwanger, Chef der Freien Wähler und Koalitionspartner von CSU-Chef Markus Söder, sich aus der Flugblatt-Affäre zu ziehen. Nachdem die Süddeutsche berichtet hatte, dass er zu Schulzeiten für ein antisemitisches Flugblatt bestraft worden war, sagte er: Er sei nicht Urheber gewesen, sondern sein Bruder; nur: Wie das Pamphlet in seine Schultasche gekommen war, daran erinnere sich nicht mehr genau. Als später einer seiner Ex-Mitschüler öffentlich machte, dass er beim Betreten der Klasse auch mal „einen Hitlergruß gezeigt“ habe, judenfeindliche Witze erzählt und „sehr oft diese Hitler-Ansprachen in diesem Hitler-Slang“ nachgemacht habe, kam von Aiwanger obiges Zitat – was den Wirbel um ihn freilich nicht beendete.

Dilemma

Keine sechs Wochen vor der Landtagswahl steckt Ministerpräsident Söder damit in einem Dilemma. Er hat Aufklärung von Aiwanger gefordert, ihn aber bisher nicht fallen gelassen – wohl aus Angst, dass seine Wähler ihm das übel nehmen und zu den Freien Wählern überlaufen könnten. Umgekehrt könnte Söder diese Haltung auf den Kopf fallen, indem sie ihm als Verständnis für extremistisches Verhalten ausgelegt wird. Beobachter mutmaßen, dass er noch auf den geeigneten Moment wartet, um seinen Konkurrenten aus dem Kabinett zu verbannen.

Aiwanger selbst sagt, er sei Opfer einer „Schmutzkampagne“, bisher steht die Partei – sie wird zum wertkonservativen bis populistischen Spektrum gezählt – geschlossen hinter ihm. Ob die Wähler das auch tun, wird sich erst zeigen: Seit Beginn der Affäre wurden keine neuen Umfragen veröffentlicht.Evelyn Peternel

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