Balen Shah: Erst rappte er – dann wurde er Premier
Vereidigungszeremonie von Balendra Shah
Von Timo Buchhaus
Nepal. Der 35-jährige Balendra Shah ist Rapper, Aktivist und seit Freitag nepalesischer Premier. Er ist ein Visionär, entthronte Nepals politische Elite und verspricht dem Land eine goldene Zukunft. Manche sagen ihm autoritäre Züge nach.
Balendra Shah, oder Balen, wie ihn seine Anhänger nennen, ist jung, und genau so tritt er auch auf. In der Öffentlichkeit trägt er stets eine schwarze Sonnenbrille. Mit dem Volk kommuniziert er über Facebook oder TikTok. Die klassischen Medien meidet er. Bei den Menschen kommt er damit gut an: Nepals Demografie ist jung. Das Medianalter liegt bei nur 25 Jahren.
Gen-Z-Revolution
Balen steht für eine Revolution, die das Land erschütterte, nachdem die Regierung versucht hatte, Social-Media-Plattformen zu sperren. Die sogenannten Gen-Z-Proteste richteten sich gegen die politische Elite des Himalaya-Staates – sie hatte das Land heruntergewirtschaftet, die Korruption grassierte.
Im September 2025 brechen Proteste in Nepal aus
Die Wahlen, die auf die Volkserhebung folgten, sprengten das alte System: Die neue, zentristische Partei der Bewegung - die Rastriya Swatantra Partei - verzeichnete einen Erdrutschsieg. Sie gewann 182 von 275 Sitzen. Die zwei Parteien die zuvor regierten - der nepalesische Kongress und die Kommunisten - sind entmachtet.
Balen, der seit 2022 parteiloser Bürgermeister der Hauptstadt Kathmandu war, schloss sich der Partei nur zwei Monate vor den Wahlen an. Als Bürgermeister hatte er einen Ruf als effizienter Verwalter. Seine unverblümte Rhetorik, sein Anprangern der Korruption, all das machte ihn zur nationalen politischen Figur. Als der vormalige Premierminister Sharma Oli durch die blutigen Proteste zum Rücktritt gezwungen wurde, postete er: „Liebe Gen Z, der Rücktritt eures Mörders ist gekommen.“
Kritik trotz Hype
Der Hype um Balen beruht nicht nur auf entschlossener Rhetorik oder seiner erfolgreichen Amtszeit in Kathmandu. Vor der Wahl hatte seine Partei eine präzise abgestimmte Medienstrategie vorbereitet. So hielt Balen alle acht Tage eine wichtige Rede, die in von einem 660-köpfigen Team in den sozialen Medien verbreitet wurde. Weitere 300 Menschen arbeiteten im Hintergrund an der Wahlstrategie.
Sein Erfolg und seine Wahlversprechen machen Nepal Hoffnung. Aber es gibt auch Kritik. Als Bürgermeister polarisierte er, ließ die Polizei hart gegen Kathmandus Straßenhändler vorgehen. Menschenrechtsorganisationen werfen Balen autokratische Züge vor und warnen vor einem „Durchregieren“. Mit absoluter Mehrheit und Unabhängigkeit von den Medien hätte er die Möglichkeit dafür. Erwähnenswert ist daher, dass seine Partei für die Möglichkeit eintritt, Politiker vor Ende der Amtszeit wieder abwählen zu können.
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