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Politik Ausland
06/12/2021

Baerbock mit 98,5 Prozent als Spitzenkandidatin der Grünen bestätigt

Annalena Baerbock ist nun offiziell grüne Kanzlerkandidatin in Deutschland.

„100 Prozent werden es hoffentlich nicht“, hat Annalena Baerbock vor wenigen Tagen gesagt. „Das wäre ja langweilig.“ Die designierte Spitzenkandidatin der deutschen Grünen für das Kanzleramt meint, das würde „nicht zu unserer Partei passen“. 100 Prozent, das erinnert an Martin Schulz. Zum Superstar hochstilisiert, war er einst als einstimmig gewählter Kanzlerkandidat der SPD krachend gescheitert.

Bei Baerbock  wurden es schließlich 98,5 Prozent. Wie sie es sich gewünscht hatte. 678 von 688 Online-Delegierten bekräftigten am Samstag die Rolle der beiden Parteichefs Baerbock und Robert Habeck als Wahlkampf-Spitzenduo.

Sie wolle "klimagerechter" Wohlstand schaffen, sagte Annalena Baerbock nach der Wahl. Sie wolle Umwelt und Wirtschaft versöhnen und so einen "neuen Aufschwung" erreichen. Eine neue Marktwirtschaft sei eine "sozial-ökologische Marktwirtschaft". Denn nur klimafreundlich könne man wettbewerbsfähig sein. Sie schlägt als Kanzlerkandidatin einen Pakt an die deutsche Industrie vor. Der Staat soll jenen Unternehmen die Kosten ausgleichen, die sie zusätzlich aufbringen müssen, um klimafreundlich zu sein.

Rückenwind tut gut

Nach Baerbocks Nominierung im April genossen die Grünen zunächst ein Umfragehoch. In der Sonntagsfrage kamen sie  bis auf 28 Prozent und lagen teilweise sogar vor der Union, die zu diesem Zeitpunkt vor allem mit der Führungsfrage (Armin Laschet oder  Markus Söder) zu kämpfen hatte.

Doch seither ging es auf mehreren Ebenen bergab.  Zuerst wurde bekannt, dass Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock Sonderzahlungen an den Bundestag nachmelden musste. Dann gab es Kritik, weil sie und ihre Partei mehrmals irreführende Angaben im Lebenslauf von Baerbock zu korrigieren hatten. Habeck wiederum sorgte mit Forderungen nach der Lieferung von „Defensivwaffen“ an die Ukraine für Verwirrung. Auch die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, wo die Grünen sich nur leicht auf 5,9 Prozent verbessern konnten, lieferte keinen neuen Schwung.

In einer aktuellen Umfrage liegt Baerbock in der Kanzlerfrage hinter CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet und SPD-Bewerber Olaf Scholz. Die Union konnte Platz 1 behaupten und ausbauen.

Nach 43 Prozent im Mai meinen jetzt nur noch 28 Prozent der Deutschen, dass Baerbock als Kanzlerin geeignet ist, 64 Prozent hingegen bezweifeln das. Dass zumindest die Grünen geschlossen hinter ihr stehen, tut gut: Baerbock dankte den Delegierten  für den „Rückenwind, gerade nach dem Gegenwind der letzten Wochen“.

Vollzeit-Kanzlerkandidatin

Aufgewachsen ist Annalena Charlotte Alma Baerbock in Niedersachsen auf einem Bauernhof. Sie wurde früh politisiert und ging mit ihren Eltern auf Demos gegen Atomkraft und den Nato-Doppelbeschluss. Bei der Partei-Jugend war sie dennoch nie, erst 2005 trat sie den Grünen bei. Da hatte sie bereits Völkerrecht studiert und fing als Büroleiterin bei der Europaabgeordneten Elisabeth Schroedter an. Von dort ging es schnell weiter – sie wurde Referentin für Außen- und Sicherheitspolitik, dann Chefin des grünen Landesverbandes in Brandenburg.

Seit 2013 hat sie ein Bundestagsmandat. Sie lebt in Brandenburg mit ihrem Mann, einem PR-Berater, und den zwei Kindern lebt. "Die Verantwortung des Kanzlerinnenamtes bedeutet, Tag und Nacht zur Verfügung zu stehen", sagte Baerbock vor wenigen Wochen der "Bild am Sonntag". Dies könne sie "auch deshalb, weil mein Mann in dem Fall voll Erziehungszeit nehmen würde".

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