Kuba: Im Teufelskreis der Versorgungskrise
Eine geschlossene Tankstelle in der kubanischen Hauptstadt Havanna: Die Treibstoffkrise macht dem sozialistisch regierten Land ordentlich zu schaffen.
Die Treibstoff-Krise im sozialistischen Kuba verschärft sich rapide, seit US-Präsident Donald Trump dem Inselstaat den Ölhahn zugedreht hat: Kältewelle, Schulen schließen, lange Schlangen an den Tankstellen. Bis Mitte März können mehrere Flughäfen zeitweise kein Kerosin mehr bereitstellen. Fluglinien streichen Verbindungen oder planen Tankstopps in Nachbarländern – und damit gerät ausgerechnet eine der letzten großen Devisenquellen ins Rutschen: der Tourismus. Für das Land ist das ein doppelter Schlag.
Kritik an Regierung
Ohne Energie stockt die Wirtschaft, ohne Touristen fehlt jenes Geld, um Energie überhaupt einkaufen zu können. Wie die Krise im Alltag ankommt, schildert der Tiroler Sebastian Pfleger-Kometer (21), Student und seit Anfang Februar als Tourist auf der Insel. Dass die Bevölkerung geschlossen hinter der Regierung stehe, „würde ich nicht sagen“, berichtet er dem KURIER.
In Gesprächen habe er vielmehr breite Unzufriedenheit erlebt: „Jeder, der mit uns über sein Leben gesprochen hat, hat Kritik an der Regierung geübt.“ Viele hätten Bekannte oder Angehörige, die längst nach Spanien oder in die USA ausgewandert seien. Gleichzeitig sehe er keine Anzeichen für Aufstände oder eine organisierte Protestwelle. Es wirke eher wie resigniertes Schulterzucken: „Ja, es ist schlecht – was soll ich machen? Ich kann mein Land nicht verlassen und muss überleben“, sei der Tenor in der Bevölkerung, die allerdings nach wie vor einander unterstütze wo es möglich ist: „Ein Franziskaner hat etwa Spenden gesammelt, um weiterhin 200 Menschen am Tag versorgen zu können. „Mein Eindruck ist schon, dass die Menschen zuversichtlich sind, auch diese Krise durchzustehen“, sagt Pfleger-Kometer.
Veränderung, so der Eindruck vieler, werde eher in der Generation ihrer Kinder erwartet als morgen auf der Straße. Wie hart die Engpässe spürbar sind, hängt laut Pfleger-Kometer stark vom Ort ab.
Kein bleifreies Benzin
In Havanna habe man von Stromproblemen überraschend wenig bemerkt: Elektrizität sei dort verfügbar gewesen. Knapp gewesen sei dagegen Benzin. Pfleger-Kometer erzählt von drei Stunden Wartezeit in einer Autoschlange – und davon, dass am Ende kein bleifreies Benzin zu bekommen war.
Eine Reiseagentur habe schließlich 20 Liter aus einem privaten Vorrat organisiert. Auch in Varadero, wo der Tourismus konzentriert ist, wirke die Lage deutlich stabiler: In den touristischen Zonen werde Versorgung offenkundig priorisiert. Ganz anders erlebte er kleinere Orte wie Viñales, Trinidad, Cienfuegos oder Remedios. Dort hätten Einheimische erzählt, dass sie oft nur wenige Stunden Strom bekämen – eher frühmorgens „bis acht, maximal zehn Uhr“.
Unzufrieden seien viele, aber sie machten das Beste daraus. Gleichzeitig werde Treibstoff strenger rationiert; an Tankstellen stünden inzwischen Soldaten, um die Ausgabe zu kontrollieren. Dass nun zusätzlich Kerosin knapp ist, trifft damit nicht nur Airlines, sondern eine ganze Einnahmenkette: weniger Flüge, weniger Gäste, weniger Bargeld. Kuba importiert große Teile von Nahrungsmitteln, Treibstoffen und Vorprodukten.
Dollarknappheit
Fehlen Dollars, die immer mehr zum einzig gängigen Zahlungsmittel werden, reißen Lieferketten – und Grundbedarf wird unleistbar. Pfleger-Kometer bringt es auf die Formel, die er überall hört: „Das größte Problem ist, dass sie zu wenig Geld haben.“
Die Löhne, die ihm vor Ort genannt wurden, wirken wie aus einer anderen Welt: Ein Lehrer verdiene umgerechnet etwa 20 Euro im Monat, ein Arzt rund 50, ein Pensionist teils nur fünf. Gleichzeitig steigen die Preise. 30 Eier kosteten Einheimische 5,25 Euro, Benzin liege bei rund 1,30 Euro pro Liter.
Besonders eindrücklich sei für ihn eine Szene gewesen: Ein Tabakbauer habe sich keine Zigarren mehr leisten können – das Geld entspreche „einem Liter Milch, den seine Tochter sonst nicht bekommt“.
Warum spitzt sich die Lage gerade jetzt so zu? Weil zwei externe Stützen gleichzeitig wegbrechen. Lieferungen aus Venezuela, das Kuba über Jahre stützte, sind deutlich ausgefallen.
Zudem erhöht die Donald Trump-Regierung den Druck auf mögliche Ersatzlieferanten: Staaten, die Kuba direkt oder indirekt mit Öl versorgen, sollen durch Zölle und drohende Gegenmaßnahmen abgeschreckt werden. Mexiko, das zeitweise einsprang, stoppte seine Transporte zuletzt, Präsidentin Claudia Sheinbaum verwies auf das Risiko US-amerikanischer Vergeltung.
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