Antifaschismus-Pflicht auf Buchmesse erzürnt Meloni
Mit ihrer Kritik an der Antifaschismus-Erklärung stößt Meloni eine Debatte über die historischen Wurzeln ihrer politischen Bewegung an.
Zusammenfassung
- Für die Teilnahme an der römischen Buchmesse „Più libri più liberi“ müssen Verlage künftig die antifaschistischen Werte der demokratischen Verfassungsordnung anerkennen.
- Ministerpräsidentin Giorgia Meloni kritisierte die neue Vorgabe als Zensur, während der Verlegerverband AIE sie als Ausdruck einer gemeinsamen Wertebasis verteidigte.
- Hintergrund der Neuregelung ist die frühere Kritik an der Teilnahme des Verlags „Passaggio al bosco“, dem die Verbreitung nazifaschistischer und antisemitischer Ideologien vorgeworfen wird.
In Rom hat eine neue Regelung für die große Buchmesse "Più libri più liberi" eine politische Kontroverse ausgelöst. Für die Teilnahme an der Messe in der Veranstaltungsstätte "La Nuvola" in Rom vom 4. bis 8. Dezember müssen Verlage künftig eine Erklärung unterzeichnen, in der sie die "antifaschistischen Werte der demokratischen Verfassungsordnung" anerkennen.
Die Maßnahme wurde vom italienischen Verlegerverband AIE eingeführt, der die jährlich stattfindende Buchmesse organisiert, und ist Teil einer aktualisierten Teilnahmeerklärung. Während in den Vorjahren allgemein auf die Werte der italienischen Verfassung, der EU-Grundrechtecharta und der UN-Menschenrechtserklärung verwiesen wurde, verlangt die neue Regelung nun ausdrücklich die Zustimmung zu antifaschistischen Grundwerten.
Meloni warnt vor Zensur
Dies löste bei Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, Chefin der rechten Regierungspartei "Fratelli d"Italia" (Brüder Italiens), Ärger aus. In ihren Sozialnetzwerken kritisierte sie die Vorgabe scharf und sprach von "Zensur". "Die Forderung, bestimmte politische Positionen zu bestätigen, ist ein Versuch, unliebsame Meinungen auszuschließen", protestierte Meloni.
Der Verlegerverband wies den Vorwurf der Regierungschefin zurück und machte auf die Notwendigkeit von Klarheit und gemeinsamer Wertebasis aufmerksam. Zugleich kündigte die Organisation eine erneute Prüfung der Formulierung an. Die Vorsitzende der Messe, Annamaria Malato, verteidigte die Entscheidung und lud Meloni zugleich ein, die Veranstaltung zu besuchen.
"Verherrlichung nazifaschistischer und antisemitischer Ideologien"
Bei der letzten Ausgabe der Buchmesse im vergangenen Dezember hatte es Diskussionen um die Teilnahme des Verlags "Passaggio al bosco" (Waldgang) an der römischen Buchmesse gegeben. 89 Kulturschaffende kritisierten in einem Schreiben an den italienischen Verlegerverband AIE die Präsenz des Verlags, dessen Programm aus ihrer Sicht "zu großen Teilen auf der Verherrlichung nazifaschistischer und antisemitischer Ideologien" basiere.
Auch der in Florenz beheimatete Verlag "Passaggio al bosco" ist in die Kritik geraten, weil er Bücher mit nazifaschistischen und antisemitischen Ideologien veröffentlicht.
So hat der Verlag unter anderem das 2024 erschienene Buch des österreichischen Rechtsextremisten Martin Sellner "Remigration - Ein Vorschlag," sowie Werke von Benito Mussolini und anderen faschistischen Ideologen gedruckt.
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