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Politik Ausland
06/16/2019

Angriff auf Öl-Tanker: Auch Saudi-Arabien beschuldigt den Iran

Der umstrittene Kronprinz Mohammed bin Salman schließt sich den USA und Großbritannien an und attackiert die iranische Führung.

Während die Hintergründe noch ungeklärt sind, waren sich bereits die USA und Großbritannien sicher: "Der Iran hat es getan", wie es US-Präsident Donald Trump auf den Punkt brachte.

Nun reihte sich auch Saudi-Arabien in die Reihe der Länder ein, die Teheran als Hauptverantwortlichen hinter den mutmaßlichen Angriffen auf zwei Tanker im Golf von Oman sehen. Kronprinz Mohammed bin Salman holte in der Nacht auf Sonntag zum verbalen Schlag gegen den Iran aus. Der Iran wies jede Verantwortung zurück.

Iran wolle Region destabilisieren

Das "iranische Regime" habe den Besuch des japanischen Regierungschefs Shinzo Abe nicht respektiert und während dessen Anwesenheit die Schiffe angegriffen, eins davon ein japanisches, sagte Bin Salman der arabischen Zeitung "Al-Sharq al-Awsat", wie das Blatt am Sonntag berichtete. Das sunnitische Saudi-Arabien sieht in dem schiitischen Nachbarn einen Erzfeind.

Sein Land wolle keinen Krieg, sagte der Thronfolger weiter. Zugleich betonte er jedoch: "Wir werden nicht zögern, jeder Bedrohung für unser Volk, unsere Souveränität und unsere lebenswichtigen Interessen zu begegnen." Das Problem liege allein in Teheran. Der Iran sei derjenige, der die Lage in der Region eskaliere und terroristische Angriffe verübe, entweder direkt oder über ihm treue Milizen. "Das zeigt deutlich den Kurs des iranischen Regimes und seine Absichten, die auf die Sicherheit und Stabilität der Region abzielen."

Internationale Zurückhaltung

Die beiden Tanker waren Donnerstag früh bei schweren Zwischenfällen im Golf von Oman beschädigt worden. Zu dieser Zeit war Abe in Teheran, um im Konflikt mit dem Iran zu vermitteln. Die "Front Altair" einer norwegischen Reederei geriet nach Explosionen in Brand. Auch der japanische Betreiber der "Kokuka Courageous" berichtete von zwei Detonationen.

US-Präsident Donald Trump hatte am Freitag (Ortszeit) die US-Sichtweise untermauert. "Der Iran hat es getan", sagte er in einem Interview mit dem Sender Fox News. Der geschäftsführende US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan stellte in Aussicht, die US-Regierung wolle bald weitere Belege für ihre Einschätzung veröffentlichen, um international Konsens in der Frage herzustellen.

Mehrere andere Staaten und internationale Organisationen hielten sich dagegen mit Schuldzuweisungen ausdrücklich zurück und forderten eine genaue Untersuchung der Vorfälle.

Die betroffene Meerenge im Golf von Oman, die Straße von Hormuz, ist eine der wichtigsten Seestraßen überhaupt. Sie verbindet die ölreiche Golfregion mit dem offenen Meer. Über die Strecke läuft ein großer Teil des weltweiten Öltransports per Schiff. An den Märkten herrschte Unsicherheit angesichts der Krise.

USA und Großbritannien einig

Die US-Regierung hatte kurz nach den Zwischenfällen zur Untermauerung der Vorwürfe gegen den Iran ein Video präsentiert, das nach der Explosion aufgenommen wurde. Es soll zeigen, wie ein Schnellboot der iranischen Revolutionsgarden auf den Tanker "Kokuka Courageous" zufährt und die Besatzung eine nicht explodierte Haftmine vom Tankerrumpf entfernt. Eine mögliche Erklärung wäre demnach, dass der Sprengstoff geborgen werden sollte, um Spuren zu beseitigen.

Die EU hielt sich in der Diskussion um Schuldzuweisungen bisher zurück. Lediglich die britische Regierung stellte sich an die Seite der USA. Außenminister Jeremy Hunt äußerte die Überzeugung, dass die mutmaßlichen Angriffe vom Iran, von dessen Revolutionsgarden, ausgeführt wurden. Beweise legte aber auch Hunt nicht vor.

Am Samstag lud das iranische Außenministerium den britischen Botschafter in Teheran vor, wie die staatliche Nachrichtenagentur IRNA meldete. Der Leiter der Europa-Abteilung im Ministerium habe Botschafter Rob Macaire gesagt, dass die "anti-iranische" Erklärung Hunts "inakzeptabel" sei, berichtete IRNA. Hunt habe ohne Beweise "hastig und blind" die amerikanischen Unterstellungen gegen den Iran wiederholt.