© REUTERS/HANDOUT

Politik Ausland
06/14/2019

Angriff auf Öl-Tanker: Besatzung in Dubai eingetroffen

Die Schuldfrage ist derweil weiterhin ungeklärt. USA und Großbritannien beschuldigen den Iran.

Die Besatzung des im Golf von Oman durch eine Explosion beschädigten Tankers "Front Altair" ist nach Angaben der norwegischen Reederei Frontline am Samstag in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) eingetroffen. Sie seien vom iranischen Bandar Abbas nach Dubai geflogen worden. Nach früheren Angaben der Reederei handelt es sich um elf Russen, einen Georgier und elf Philippiner.

Der norwegische Tanker war am Donnerstag ebenso wie der japanische Tanker "Kokuka Courageous" im Golf von Oman möglicherweise angegriffen worden. Die "Front Altair" geriet in Brand. Die Besatzung wurde von dem Handelsschiff "Hyundai Dubai" gerettet und später iranischen Kräften übergeben.

Expertenteam begutachtet Tanker

Der Tanker werde nun abgeschleppt und aus iranischen Gewässern herausgebracht, hatte ein Sprecher der Reederei früher am Samstag mitgeteilt. Ein Expertenteam sei an Bord gegangen, um den Zustand des schwer beschädigten Schiffes zu begutachten, teilte die Reederei weiter mit. Ob darunter auch Spezialisten waren, die die Ursache der Explosionen untersuchen sollten, wurde nicht gesagt. Es gebe Überlegungen, die Ladung Naphta - ein Erdölderivat - auf ein anderes Schiff umzuladen.

An Bord des anderen Tankers, der "Kokuka Courageous", war ein Mitglied der 21-köpfigen philippinischen Crew leicht verletzt worden. Ein niederländisches Schiff nahm die Besatzung auf und übergab sie an ein US-Marineboot. Die Besatzung war schon am Freitag auf das Schiff zurückgekehrt, damit es in die VAE geschleppt werden kann.

Hat es der Iran getan?

Der Streit um die Hintergründe zu den Angriffen sich am Freitag zu. Speedboote des iranischen Militärs halten nach Angaben aus US-Regierungskreisen zwei zivile Schlepper davon ab, den norwegischen Tanker wegzuschleppen. Dies verlautete am Freitag aus US-Regierungskreisen.

Details wurden nicht bekannt. Die USA machen den Iran für die Angriffe auf zwei Öltanker am Donnerstag verantwortlich. "Der Iran hat es getan", sagte Trump am Freitag dem US-Sender Fox News in Washington. Er verwies damit auf das Video, das die USA am Vortag zur Verfügung gestellt hatten. Und er fügte hinzu: "Sie wollten nicht, dass Beweise zurückbleiben."

Der Iran hält die Beschuldigungen für "lächerlich, gleichzeitig aber auch besorgniserregend und gefährlich", wie Außenamtssprecher Abbas Mousavi am Freitag laut der staatlichen Agentur IRNA sagte. Anstatt grundlose Unterstellungen zu verbreiten, sollte man eher herausfinden, wer von solchen Krisen am Golf am meisten profitiere.

Britischer Außenminister sieht ebenfalls Iran hinter Angriffen

Untersützung bekommen die USA aus Großbritannien. Außenminister Jeremy Hunt sieht die Schuld ganz klar beim Iran: "Unsere eigene Einschätzung führt uns zu der Annahme, dass die Verantwortung für die Angriffe fast ganz sicher beim Iran liegt", betonte Hunt in einer Erklärung seines Ministeriums vom Freitagabend.

Kein anderer Staat oder nicht-staatlicher Akteur käme dafür vernünftigerweise in Betracht, betonte Hunt. Die Vorfälle reihten sich ein in das "destabilisierende Verhalten des Iran und stellen eine ernsthafte Bedrohung für die Region dar", erklärte Hunt. Beweise für eine Urheberschaft der Revolutionsgarden aber legte der Minister ähnlich wie zuvor sein US-Kollege Mike Pompeo nicht vor. Die Regierung in Teheran hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

Hunt rief den Iran dazu auf, "sämtliche destabilisierenden Aktivitäten einzustellen". Sein Land versuche gemeinsam mit anderen Regierungen, eine diplomatische Lösung für den schwelenden Konflikt zwischen Teheran und Washington zu finden.
 

Die EU gab sich in Sachen Schuldzuweisungen vorsichtig. "Wir sind dabei, die Lage zu bewerten und Informationen zu sammeln", sagte ein ranghoher EU-Beamter am Freitag in Brüssel. UNO-Generalsekretär Antonio Guterres sprach sich für unabhängige Untersuchungen aus. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu warnte wie beispielsweise auch China vor übereilten Reaktionen und forderte eine ernsthafte Untersuchung.

Saudi-Arabien verurteilte die Angriffe indes und sprach von "Terroroperationen". Das sunnitische Königreich sieht im schiitischen Iran einen Erzfeind und verschärft seit Wochen den Ton gegenüber Teheran.

USA bemüht sich um internationalen Konsens

Die US-Regierung bemüht sich derweil nach den Worten des amtierenden Verteidigungsministers Patrick Shanahan um einen internationalen Konsens. Er und der Sicherheitsberater von Präsident Donald Trump, John Bolton, sowie Außenminister Mike Pompeo "konzentrieren uns darauf, einen internationalen Konsens mit Blick auf dieses internationale Problem zu bilden".

Dazu würden die auch Geheimdienstinformationen weitergeben, wie es das US-Militär am Donnerstag bereits mit der Veröffentlichung eines Videos getan habe, das iranische Soldaten bei der Entfernung einer nicht explodierten Haftmine von einem der beiden angegriffenen Tanker zeigen soll, sagte Shanahan am Freitag in Washington weiter. Die USA machen den Iran für die Attacken verantwortlich. Dieser weist die Vorwürfe zurück.

Eskalation wird befürchtet

Der frühere Vizeaußenminister William J. Burns sagte gegenüber der New York Times, das Risiko sei nun, dass Hardliner sowohl in Teheran als auch Washington einander gegenseitig Stoff zur weiteren Eskalation geben. Burns hatte seinerzeit die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über den Atomdeal in die Wege geleitet. Als Donald Trump das Abkommen im Mai einseitig aufgekündigt hatte, versprach er, dass die Sicherheit in der Region nicht in Gefahr sei. Doch das Gegenteil ist offenbar der Fall.

Nahost-Experte Guido Steinberg sagte gegenüber der Bild, das ein militärische Reaktion der USA immer warhscheinlicher wird: "Die Frage ist: Was ist die nächste Eskalationsstufe? Wenn die Iraner weiter provozieren, dann werden die Amerikaner reagieren, möglicherweise mit einem kleineren Militärschlag."

Unklar, wie Schiffe beschädigt wurden

Die Wirtschaftssanktionen und damit verbundene erhebliche Einbußen im Ölexport führten zu Reaktionen von Hardlinern in Teheran, die offenbar wieder Überhand über die Regierungsgeschäfte erlangt haben. Erst Mitte Mai waren vier Öltanker vor der Küste der Emirate  attackiert worden.

Was genau am Donnerstag im Golf von Oman passierte, war aber zunächst unklar. Unterschiedliche Meldungen waren im Umlauf, ob die Schiffe von Torpedos, anderen „fliegenden Objekten“ oder „Haftminen“ beschädigt worden waren. 

Unsicherheit auf den Märkten

Die betroffene Meerenge, die Straße von Hormuz, ist eine der wichtigsten Seestraßen überhaupt. Sie verbindet die ölreiche Golfregion mit dem offenen Meer. Über die Strecke läuft ein großer Teil des weltweiten Öltransports per Schiff. An den Märkten herrschte Unsicherheit. Ein sich verschärfender Konflikt im Golf von Oman könnte der ohnehin labilen Weltwirtschaft nach Ansicht von Ökonomen einen weiteren Dämpfer verpassen und auch deutsche Exporteure belasten.

Der Außenhandelsverband BGA warnte vor einer Eskalation und steigenden Ölpreisen, was erheblich auf die globale und deutsche Wirtschaft durchschlagen würde.