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Politik Ausland
08/23/2019

7 Sünden: Warum die G7 bei der Klimarettung versagen

Die Bilder des brennenden Regenwalds zeigen, wie ratlos die westliche Welt vor dem globalen Problem steht. 7 Gründe, warum die Mächtigen auch bei diesem G7-Gipfel versagen

Soziales Ungleichgewicht, Klimawandel, Frauenrechte, Rezessionsgefahr: Die Agenda des G7-Gipfels in Biarritz liest sich wie eine Speisekarte derzeit aktueller Themen. Doch so beliebig wie diese aneinandergereiht werden, so beliebig drohen auch die Formulierungen des Schlussdokuments zu werden. Wenn es denn eines gibt.

Denn die Führungskräfte der westlichen Welt kommen zur Zeit auf keinen gemeinsamen Nenner. Doch gerade die brennenden Regenwälder in Brasilien würden gemeinsames Handeln dringend erfordern. Der Klimawandel zeigt die Zerstrittenheit der Industriestaaten. Was aber lässt die Mächtigen der G7 an dieser Herausforderung scheitern? Der KURIER nennt die 7 wichtigsten Gründe.

1: Neuer Protektionismus

Mit seinen Handelskriegen gegen China und Deutschland gibt Donald Trump die Richtung vor: Der freie Welthandel wird zurückgedrängt. Zollschranken gehen hoch und folgen dabei weniger wirtschaftlicher als politischer Logik. Für Exportnationen wie Deutschland eine wachsende Gefahr. Internationale Handelsabkommen wie TTIP oder das zwischen der EU und den Mercosur-Staaten sind derzeit chancenlos.

2: Rezessionsgefahr

Mittlerweile ist das Thema Rezession bei den G7 kein Tabu mehr. Sie droht unter anderem in den USA, aber auch in Deutschland und anderen EU-Staaten. Der US-amerikanische Nationalökonom Nouriel Roubini befürchtet in einer aktuellen Analyse noch Schlimmeres: Nämlich, dass US-Präsident Donald Trump bewusst den Konflikt mit dem Iran verschärfen könnte, um seine Wiederwahl trotz Krise zu retten. Das würde einen Ölpreisschock auslösen.

Böse Ironie: Eine rückläufige Weltwirtschaft hat sinkende Emissionen zur Folge, wäre also zunächst sogar einmal gut für das Klima. In einer Krise ist das ökonomische Hemd aber letztlich näher als der ökologische Rock. Finanzielle Staatsressourcen werden primär zur Bekämpfung hoher Arbeitslosigkeit verwendet und nicht für klima-strategische Maßnahmen.

Fatal ist: Die politischen Möglichkeiten zur Reaktion auf eine Krise ist in den G7-Ländern fast gleich null – siehe etwa die Negativ-Zinsen in Japan und Europa. Dazu kommen enorme Schuldenberge, speziell in den G7-Staaten Japan und Italien. Dazu kommt, dass in einer Krise auch private Investitionen zurückgefahren werden müssen.

3: Kein Rezept gegen die explodierende Weltbevölkerung

Bis 2100 soll die Weltbevölkerung auf 10,9 Milliarden Menschen (derzeit: 7,7) anwachsen. Doch der Anstieg steht mit der Rodung der Regenwälder nur bedingt in Zusammenhang. Ein Hauptgrund sind die Konsumgewohnheiten der Industrieländer. Laut "Deutsche Stiftung Weltbevölkerung" bräuchte die Menschheit schon jetzt 1,7 Erden, um ihren Bedarf an Rohstoffen nachhaltig zu decken.

Würden alle Menschen so leben wie die Bewohner der USA, wären es sogar 5 Erden. Für den Lebensstandard der Deutschen global umgelegt wären es 3, für jenen der Chinesen 2,2, für jenen der Inder nur 0,9 Erden.

4: Keine gemeinsame technologische Vision

John F. Kennedy gab den USA Anfang der 1960er ein gemeinsames Ziel vor: Den Mond zu erreichen. Ähnlich entschlossenes und geschlossenes Handeln in der Energiewende ist heute nicht zu erkennen. Jedes Land bastelt im Alleingang am Ausstieg aus fossiler Energie.

Doch gerade Verteilung und Speicherung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen würde enge Zusammenarbeit - etwa bei Stromnetzen – nötig machen. Man ist sich nicht nur über den Einsatz von Atomkraft uneins, sondern auch bei der Nutzung natürlicher Ressourcen. Ob Hochspannungstrassen, Pumpspeicher oder Solaranlagen, vieles scheitert an den widersprüchlichen Interessen einzelner Gruppen. Die westlichen Demokratien scheitern daran, diese Egoismen zu überwinden.

5: Der Klimaschutz: ein politischer PR-Gag

Kaum eine politische Partei, die Wahlen gewinnen will, kommt heute am Thema Klimaschutz vorbei. Das sieht man auch deutlich im heimischen Wahlkampf. Auch Staatschefs heften sich oft die Suche nach Alternativen zu fossilen Brennstoffen an die Fahnen. Angela Merkel versucht sich als „Klimakanzlerin“ und reiste in den vergangenen Tagen nach Island und die Niederlande, wo sie sich publikumswirksam Sorgen über Klima und Arktis gemacht hat.

6: Die Lenkungseffekte fehlen

Die allermeisten westlichen Industriestaaten sind bei der Erfüllung der Zielvorgaben des Pariser Klimaschutzabkommens säumig. Gemeinsam wollte man gegen die Erderwärmung und ihre Folgen kämpfen, jeder sollte seinen Beitrag leisten. Doch Donald Trump sah nur Nachteile und stieg mit den USA aus.

Hinzu kommt, dass es darüber hinaus global keine Lenkungsmaßnahmen gibt, die den Klimaschutz auch in ärmeren Ländern regeln, ohne diese Staaten ökonomisch noch weiter zu ruinieren. Die aktuelle Weltwirtschaftsordnung, bei der die Produktion vieler Waren in ärmere Länder verlagert ist, treibt dort die Emissionen in die Höhe. Die reicheren Länder sind also auch nicht von der Verantwortlichkeit über das Ausmaß der Emissionen dort ausgenommen.

7: Kein Auge auf den Amazonas

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro möchte die wirtschaftliche Entwicklung des krisengebeutelten Landes schnell ankurbeln. Zu diesem Zweck hat er angekündigt, die kommerzielle Nutzung des Amazonas-Regenwalds voranzutreiben. Kritik hört er dabei nicht gerne. Gleich nach seinem Amtsantritt im Jänner hat er den Leiter des brasilianische Nationalinstituts für Weltraumforschung (INPE), Ricardo Galvão, entlassen.

Dieses ist mit der Überwachung des Regenwaldes per Satellit betraut und dokumentierte in den letzten Jahren immer wieder die Rodungen. Seither ist die Unabhängigkeit des Instituts nicht mehr gewährleistet ist, für Rodungen gibt es quasi einen Freibrief.

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