Politik | Ausland
16.07.2018

Vier Tote bei Rettung von 450 Bootsflüchtlingen

Italien genehmigte Landung erst, nachdem Deutschland und andere EU-Länder die Aufnahme von Migranten zugesagt hatten.

Die letzten der 450 Flüchtlinge, die sich an Bord von zwei Schiffen der EU-Grenzschutzbehörde Frontex im Mittelmeer befanden, sind in der sizilianischen Hafenstadt Pozzallo an Land gegangen. Das teilte der Bürgermeister der Stadt laut der italienischen Nachrichtenagentur AGI am Montag mit.

Vor der Rettung haben sich nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) dramatische Szenen an Bord abgespielt. Mindestens vier Migranten seien am Freitag im Mittelmeer bei einem Einsatz ertrunken, hieß es. Alle Todesopfer, darunter ein 17-Jähriger, seien somalischer Herkunft. Die Flüchtlinge trafen am Montag im sizilianischen Pozzallo ein.

Die Flüchtlinge, die an Bord eines Fischkutters waren, seien bei dem Versuch ertrunken, ein Schiff in der Ferne zu erreichen. Bei den Toten handle es sich um drei Männer und einen Minderjährigen, sagte IOM-Sprecher Flavio Di Giacomo. Der Großteil der etwa 30 Migranten habe es zurück an Bord geschafft.

Italien beharrte auf Verhandlungen

Die italienische Regierung hatte die Genehmigung zur Landung erteilt, nachdem Deutschland, Frankreich, Malta, Portugal und Spanien nach langen Verhandlungen zugesagt hatten, je 50 der insgesamt 450 Flüchtlinge zu übernehmen, die am Samstag vor der italienischen Küste aus einem Holzboot aufgenommen worden waren. "Erstmals können wir heute sagen, dass die Migranten in Europa gelandet sind", hieß es in einer Erklärung des italienischen Regierungschefs Giuseppe Conte.

Salvini verweigerte Aufnahme

Der italienische Innenminister Matteo Salvini von der rechtsextremen Lega-Partei hatte sich geweigert, die Flüchtlinge ins Land zu lassen. Conte hatte daraufhin in einem Brief an die Staats- und Regierungschefs der anderen 27 EU-Staaten "ein klares Zeichen" für eine Lastenteilung in der Europäischen Union verlangt und zur Aufnahme der Flüchtlinge aufgefordert.

Italien und Malta hatten in den vergangenen Wochen wiederholt die Aufnahme von geretteten Bootsflüchtlingen verweigert. Salvini verfügte im Juni, dass Schiffe von Hilfsorganisationen mit Flüchtlingen an Bord nicht mehr in italienischen Häfen anlegen dürfen.