Politik | Ausland
27.06.2017

1,2 Millionen wollen wegen Brexit das Land verlassen

Braindrain. Alle rund 3,2 Millionen EU-Bürger in Großbritannien sollen ihr Bleiberecht nach dem Brexit einzeln beantragen, allerdings nach einem vereinfachten Verfahren. Dies geht aus dem Angebot für die Austrittsverhandlungen mit der EU hervor, das die britische Regierung am Montag vorlegte (und das für die EU unzureichend ist).

Doch nicht das Bleiben, das Gehen dürfte sich zum großen Problem für Großbritannien erweisen: Gut ein Drittel aller ausländischen Beschäftigten (1,2 Millionen) erwägt, bis spätestens 2022 das Land zu verlassen. Die meisten wollen schon bis 2020 weg. Das ergab eine Untersuchung der Beratungsfirma Deloitte, die der Independent zitiert. Demzufolge droht Großbritannien eine Jobkrise und ein Braindrain, denn es sind weniger die polnischen Gastarbeiter, als hochqualifizierte Arbeiter und Angestellte aus EU-Staaten, die wegen der Unsicherheit, wie es nach dem Brexit aussieht, weg wollen.

Verunsicherte Briten

Aber auch die Briten selbst sind hochgradig verunsichert: Die Stimmung der Verbraucher hat sich nach der Wahlohrfeige für Premier Theresa May weiter eingetrübt. Laut Studie des Meinungsforschungsinstituts YouGov fiel der Index für das Verbrauchervertrauen ungefähr auf Werte zurück, die zuletzt direkt nach dem Brexit-Referendum gemessen worden waren. Seit dem Anti-EU-Votum im Vorjahr zieht die Inflation an, die Lohnzuwächse können mit der Teuerungsrate nicht mehr mithalten. Die Abkühlung des Immobilienmarktes drückt zudem stark auf die Stimmung der Konsumenten.

Besserung ist keine in Sicht: Es sei damit zu rechnen, dass sich das Wirtschaftswachstum in den kommenden Monaten deutlich abkühlen werde, heißt es in der Studie.