Politik
05.12.2011

Auch Schweine haben Bedürfnisse

Schweineforschung: Die Diskussion um die Kastenhaltung im Stall rückt ein Tier in den Fokus, dessen Bedürfnisse nur wenige kennen.

Das ist Schweine-Wellness." Im gluckernden Magen der Weideschweine von Bauer Josef Nuart wird gerade Molke verdaut. Die 150 Meter lange Molke-Rohrleitung führt von der hofeigenen Käserei zum Unterstand der Tiere. Die zwanzig Kärntner Landschweine danke es ihm mit zufriedenem Grunzen - und exzellentem Fleisch. Im Sommer kühlen sich die Tiere, die selbst keine Schweißdrüsen besitzen mit Schlamm-Suhlen. Ein mobiler Stall bietet ihnen Stroh zum Kauen und Nest bauen, ganz nach ihrer Natur. Am Ende des Jahres ist die Wiese des Bauern gedüngt. So paradiesisch das Schweine-Dasein am Hafnerhof ist, mit der Realität der meisten der insgesamt drei Millionen Schweine hat es nur wenig zu tun. Aber die Welt der Massenproduktion ist im Umbruch.

Der Anlass: Die Kastenstände, in denen Muttersäue während ihrer Säuge- und Trageperioden wochenlang eingepfercht sind. Laut Experten würde es reichen, die Sau die ersten drei Tage nach der Geburt der Ferkel abzuschirmen, und selbst das nur bei aggressiven Tieren. Das sagt Johannes Baumgartner vom Institut für Tierhaltung und Tierschutz der Veterinärmedizinischen Universität. Die wichtigsten Fakten zum Schwein:

Verhalten: In freier Wildbahn bilden vier bis sechs Sauen eine Familiengruppe. Die Säue sondern sich einige Tage vor der Geburt ab, bauen ihr Nest, das sie mit Ästen, Gras und Stroh auslegen, und bringen die Ferkel allein zur Welt. Nach einer Woche kehrt die Sau mit ihren Ferkeln zurück in den Verband. Im Kastenstand hat die Sau nur sehr eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten, die Ferkel nehmen das Muttertier als unbewegliche Masse mit Zitzen war.

Platz: Schweine haben die angeborene Fähigkeit sich und ihren Liegeplatz sauber zu halten. Bei dem extrem geringen Platzangebot und im Kastenstand können die Schweine Kot- und Liegeplatz nicht mehr trennen. Durch Spaltenböden wird zwar Sauberkeit erreicht, die Enge, die nicht adäquaten Bodenverhältnisse und die Reizarmut bleiben aber als Belastung.

Fütterung: Schweine verbringen 70 Prozent ihrer Aktivität mit Futtersuche, die Futteraufnahme im Stall dauert aber nur 10 Minuten pro Tag. Um den reizarmen Alltag der Schweine zu verbessern, werden alternative Formen der Fütterung, etwa die Aufruf-Fütterung entwickelt. Jedes Schwein einer Gruppe wird auf einen Ton, einen dreisilbigen Namen, konditioniert. Diesen Ton ist das Signal zur Fütterung.

Beschäftigung: Zur Beschäftigung der Tiere reicht es nicht aus, einen leeren Plastikkanister oder einen Ball in die Bucht zu werfen. Die Tiere brauchen kaubares Material, am besten Stroh auf geschlossenem Boden.

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