Liebe oder PR-Gag? Der Rechtsextreme und die Prinzessin

Der Parteichef von Rassemblement National, Jordan Bardella, ist mit Maria Carolina von Bourbon-Sizilien liiert. Siegt er bei den Wahlen 2027, könnte eine Nachfahrin Ludwig XIV. in den Élysée-Palast einziehen.
Eine lächelnde Frau mit blonden, gewellten Haaren trägt ein trägerloses Kleid mit schwarzem und rosa Stoff.

Die beiden Turtelnden scheinen den Fotografen nicht zu bemerken, der ihnen bei einem Spaziergang am Meer auf Korsika gefolgt ist. Von weitem lichtet er sie ab, wie sie ins Gespräch vertieft sind und wie ihre Hände sich zart berühren. Es handle sich um „ein unglaublich unkonventionelles Paar“, schreibt die französische Illustrierte Paris Match, die eines der Fotos auf ihrer Titelseite zeigt:

Er, Jordan Bardella, sei ein „Politiker des Volks, dessen Aufstieg unbestreitbar ist“. Sie, Maria Carolina von Bourbon-Sizilien, „eine Prinzessin aus dem höchsten Adel“. Er wollte die Zukunft schreiben, sie sei eine „Hüterin der Vergangenheit“.

European Parliament plenary session in Brussels

Jordan Bardella

Traditionell wählen Politikerinnen und Politiker in Frankreich Paris Match, um sich von ihrer ganz persönlichen Seite zu zeigen. Deshalb erscheint die Enthüllung der Liebesbeziehung zwischen dem Chef des rechtsextremen Rassemblement National (RN) und der italienischen Prinzessin als das Ergebnis einer sorgfältig inszenierten PR-Kampagne.

Erste Gerüchte gab es bereits im Jänner, als ein Video die beiden zeigte, wie sie nach einer Abendveranstaltung in Paris dasselbe Auto bestiegen. Bardella versäumte es dabei, ihr galant die Tür zu öffnen. Der 30-Jährige gehört zu den beliebtesten Politikern Frankreichs. 3,6 Millionen Menschen, darunter sehr viele junge, folgen ihm in den sozialen Medien.

Sollte ein Berufungsgericht im Juli die RN-Frontfrau Marine Le Pen wegen Veruntreuung von EU-Geldern erneut verurteilen, tritt er bei der Präsidentschaftswahl 2027 an. Da stellt sich unweigerlich die Frage:

Sonnenkönig Ludwig XIV.

Könnte er im Fall eines Sieges die Monarchie zurück nach Frankreich holen, weil eine Nachfolgerin des Sonnenkönigs Ludwig XIV. Première Dame würde? Maria Carolina von Bourbon-Sizilien, die auch Herzogin von Kalabrien und Palermo ist, entstammt der Linie von Philipp V. von Spanien, dem Enkel Ludwigs des XIV. 

Das Königreich beider Sizilien war im 19. Jahrhundert ein Staat, der aus der Vereinigung der Königreiche Sizilien und Neapel hervorging. Der Thronanwärter Charles de Bourbon ist Banker und Kunsthändler, seine Frau Camilla wohlhabende Erbin aus Monaco.

Jet-Set-Leben

Die Töchter Maria Carolina und Maria Chiara wuchsen zwischen Paris, Rom und Monaco auf, wurden zuhause unterrichtet und beherrschen sechs Sprachen. In einer Fernsehreportage begleitete ein Kamerateam die Schwestern, die vom Model-Beruf träumen, zu Fotoshootings, bei denen sie Prinzessinnenkleider anprobieren. Auch tritt Maria Carolina als Influencerin auf, berichtet stets perfekt geschminkt und frisiert von ihrem Jet-Set-Leben oder präsentiert Luxusprodukte.

Seit 2015 ist sie Botschafterin des Projekts „Passion Sea“ von Prinz Albert II. von Monaco für den Schutz der Ozeane. Ihr Leben sei nicht wie im Märchen, betont sie. Ihr Titel bringe durchaus Verpflichtungen mit sich, auch weil ihr Vater ihr als Erstgeborener die Nachfolge als Oberhaupt der königlichen Familie anvertrauen will. Derweil beginnen sich Medien für seine Offshore-Gesellschaften in Steuerparadiesen zu interessieren.

Auch deshalb ist unklar, ob die Liaison mit einer schwerreichen Aristokratin Bardella als dem selbsternannten Sprachrohr des „einfachen Volks“ eher nutzt oder schadet. Er selbst betont, dass er, der als Sohn italienischer Einwanderer im Pariser Vorort Saint-Denis in bescheidenen Verhältnissen aufwuchs, die sozialen Probleme der Menschen kenne. Dennoch hat er sich eine Frau ausgesucht, die aus einer anderen Welt stammt.

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