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Hunderte stürmen die frittierten Hühnerflügerl der Gampers

Menschenscharen zieht es jeden Donnerstag in das beschauliche Pitzenbergholz, wenn dort das Fest des Huhns gefeiert wird. Von Gerhard Marschall.
Gamper

Über Pitzenbergholz liegt schon am frühen Vormittag der süße Duft von gegrilltem Huhn. 

Die Ortschaft gehört zur Gemeinde Pitzenberg nahe Schwanenstadt (Bez. Vöcklabruck), die mit sechs Quadratkilometer Fläche und knapp 600 Einwohner zu den eher kleinen Kommunen im Land zählt. Abseits jedweder Hetze, vielleicht etwas langweilig. Die einzige, dafür wirklich große Attraktion ist das allwöchentliche Fest des Huhns, das von der Familie Gamper jeden Donnerstag zelebriert wird. Da geht es im beschaulichen Pitzenbergholz jedes Mal hoch her.

Schlangestehen

Schon bald stehen die Gäste Schlange. Auch Fritz und Elfriede Wakolbinger aus Schwanenstadt sind früh dran und lassen es sich schmecken: „Wir sind begeistert!“ Herbert und Elfriede Kettl sind mit einer stattlichen Gruppe des Pensionistenverbandes Frankenburg da. Das Hendl-Spektakel zieht viele Senioren an.

Gamper

Warten auf das Essen

„Weil es einfach gut ist“, komme er immer wieder, sagt der Pensionist Helmut Kreiseder aus Laakirchen. Heute ist er mit zwei Freunden gekommen. Für ein paar Stunden wird die Dorfstraße zum großen Gastgarten. Links und rechts sind Tische und Bänke für rund 850 Personen aufgestellt. Zwei Männer der FF Pühret regeln den Autoverkehr. Martin Schachinger, einer der beiden, staunt immer wieder: „Gewaltig, was der aufzahmt.“

Es floriert

Die Rede ist von Christian Gamper. Zusammen mit seiner Frau Judith hat er aus einem kleinen Familienbetrieb ein florierendes Unternehmen gemacht. Sie bezeichnen es als Erlebnisgastronomie. Die Spezialität des Hauses sind die Flügerl, die hierzulande eher selten auf den Teller kommen und überwiegend an Tiere verfüttert werden. Hier sind sie der absolute Hit. „Preis-Leistung stimmt bei uns“, nennt Christian Gamper einen Grund für den seit Jahren anhaltenden Zulauf.

Die Flügerl um 5 bis 8 €

Das Grillhenderl kostet sieben, die Portion Flügerl je nach Gewicht fünf, sechs oder sieben Euro. Die Hühner kommen von Hubers Landhendl in Pfaffstätt (Bez. Braunau), die Flügerl von Titz in Feldbach/Steiermark und von Wech in St. Andrä/Kärnten. Angefangen hat alles Mitte der 1960er-Jahre, als Christians Vater in der Welser Markthalle Frischgeflügel und Gemüse verkaufte. Später kamen Grillhendl und danach die Flügerl dazu. Nach wie vor stehen die Gampers jeden Samstag um fünf Uhr in der Parkhalle. Ihr Erfolgsmodell beruht auf Fleiß. Und auf einem originellen Konzept.

In einer Bar geboren

Das einzigartige Flügerl-Projekt wurde seinerzeit, wie das so ist mit den genialen Ideen, in einer Bar in Schwanenstadt geboren, als zu vorgerückter Stunde Appetit ausbrach. Gamper fuhr heim und holte Hühnerflügel. Das Ergebnis des gemeinsamen kulinarischen Experiments wurde „Buffalo Wings“ getauft, war fortan der Renner. Als das Lokal schloss, setzten die Gampers die Flügel auf ihre To-do-Liste. Das war 1997. „Wir haben mit einer Fritteuse begonnen“, erinnert sich der Seniorchef. Heute sind es 45.

Geheim-Rezept

Das Geheimnis ist die Bierteigkruste. „Ich habe das Rezept sicher schon hundertmal verändert“, erzählt Gamper. Nur er und Tochter Lisa (35) kennen es.

Gamper

Lisa Murauer-Gamper (Mitte) mit den Eltern Judith und Christian.

Sie hat den Betrieb vor zwei Jahren übernommen, die Eltern unterstützen sie nach Kräften. Beide sind 64, aber längst nicht im Ruhestand. Die Mama steht an der Verkaufsfront, der Papa ist für die Technik zuständig, die Leidenschaft des Tüftlers.

So wird das wöchentlich ausgewechselte Fritteusenöl gesammelt und im Winter verheizt. Die Flügerl gibt es zum Mitnehmen im Zwei-Kilo-Sackerl. Was übrig bleibt, wird schockgefrostet und nimmt der Handel ab. Gamper dreht einmal in der Woche mit dem Kühltransporter die Runde und beliefert die Maximärkte in Linz, Wels, Haid, Ried, Vöcklabruck.

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So sehen die frittierten Hühnerflügerl aus.

Werbung muss nicht betrieben werden, das erledigt die Mundpropaganda. „Die Leute kommen aus ganz Oberösterreich und darüber hinaus“, weiß Lisa. Mehr als tausend sind es an schönen Tagen. „Es schmeckt einfach“, sagt Sophie Moser (20). „Da fährt man auch ein bisschen weiter“, ergänzt ihr Freund Florian Gumpoldsberger (26). Die beiden sind nicht zum ersten Mal eine Dreiviertelstunde aus Traunkirchen am Traunsee angereist.

„Schen, dass da bist!“

Obwohl es stressig und in diesem Sommer extra heiß zugeht, ist das Personal überaus freundlich. 16 Beschäftigte, durchwegs Frauen aus dem Ort, sind an den Großkampftagen im Einsatz. Jede Bestellung wird mit einem Bitte und Danke erledigt. Der Chef ist an den Großkampftagen ohnehin für die gute Laune abgestellt. Er durchstreift das Revier, winkt den Gästen zu, schüttelt Hände, verstreut rundherum Freundlichkeit: „Griaß di! Schen, dass d’ da bist!“

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