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Israels ESC-Fanclub: „Kommen nicht als politische Repräsentanten“

Club-Präsident Nir Harel sagt, Boykotte motivieren israelische Song-Contest-Fans nur noch mehr. Gewisse Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, gehört zur Routine.
Eine israelische Flagge hängt neben einer bunten Fahne mit der Aufschrift „Eurovision Song Contest Party“.

Nir Harel ist schon in Wien eingetroffen. Ehrensache für den Präsidenten des offiziellen israelischen ESC-Fanclubs. Es ist aber ohnehin nicht so, dass sich israelische Fans abhalten lassen von Boykott und Protest gegen ihr Land und ihren Interpreten. „Im Gegenteil“, sagt Harel, „heuer kommt die größte Anzahl von Fans zum Song Contest, fast doppelt so viele wie sonst.“

Die israelische Fan-Community ist eine sehr loyale. 1973 nahm das Land zum ersten Mal teil, vor allem die Siege 1978 und 1979 waren Balsam für das Selbstbewusstsein des Landes. Die erste Israelin trat allerdings übrigens nicht für Israel, sondern für Österreich an, Carmela Corren im Jahr 1963. Natürlich war ein Faktor der guten Einschaltquoten des damals noch Grand Prix genannten Events, dass es nur einen TV-Sender gab. Aber im Vorjahr, in dem das keineswegs mehr der Fall war, kann Harel auch von 50 Prozent Reichweite berichten.

Ein Mann mit Brille trägt ein schwarzes T-Shirt mit farbigem Eurovision-Motiv und steht vor grünem Bambus.

Nir Harel ist Präsident des israelischen ESC-Fanclubs.  

Das Nebeneinander von Kriegsalltag und ESC-Aufregung versinnbildlicht eine Episode des Vorjahres. Den allerspannendsten Moment, den geteilten Bildschirm, als die Entscheidung zwischen JJ und Yuval Raphael bevorstand, sahen fast alle Israelis, erzählt Harel, weil kurz zuvor eine Luftangriffssirene losgegangen war. „Es war Österreich, Israel und der Aufruf, in den Bunker zu gehen.“

In Malmö hat Nir Harel erlebt, wie „seine“ Vertreterin Eden Golan behandelt wurde. „Das war schon enttäuschend. Bis vor zwei Jahren hat es keinen interessiert, dass wir aus Israel kamen – wir waren einfach Fans wie alle. Einige, die da gebuht haben, waren ein Jahr zuvor noch unsere Freunde. Und als der Wettbewerb vorbei war und wir uns wieder im Euroclub getroffen haben, wollten sie auch wieder Freunde sein.“

In der ESC-Blase

Ohne es Eskapismus nennen zu wollen, spricht Harel doch von einer „Bubble“, also Blase, in die man sich zu Eurovision-Zeiten begibt: „Wir können nicht entscheiden, wie andere über unser Land denken. Wir kommen als Fans, nicht als Repräsentanten für die Politik unseres Landes. Es macht uns stolz, unser Lied und unseren Interpreten Noam Bettan anzufeuern und unsere Flagge am Bildschirm zu sehen.“

Besondere Sicherheitsvorgaben gäbe es nicht für israelische Fans – weil die ohnehin schon Routine sind: „Da hat sich heuer für uns nichts geändert. Wir sollen uns von Palästina-Demonstrationen fernhalten und wir sollen unsere Symbole nicht offen tragen und uns als Israelis erkennbar zeigen. Also auf der Straße – in der Stadthalle, im Euroclub usw. gibt es für uns nichts Besonderes zu beachten.“

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