Neue Lohntransparenz: Gleichmacherei statt Gerechtigkeit
Die Europäische Union leidet ja wahrlich nicht an Unterregulierung. Aber sobald irgendwo eine (behauptete oder tatsächliche) Ungerechtigkeit zu sehen ist, wird – schwupp – neue Bürokratie erfunden. Daher muss ab Juni auch in Österreich die EU-Gehaltstransparenzrichtlinie in Kraft treten. Damit soll der Lohnunterschied zwischen Mann und Frau – der „Gender pay gap“ – ausgeglichen werden. Theoretisch ein ehrenwertes Ziel, praktisch jedoch einfach Überregulierung.
Ja, öfters ist es das größere Verhandlungsgeschick und der Mut, manchmal sogar die Unverfrorenheit, die Männern bei einem neuen Job mehr Lohn als Frauen beschert. Natürlich sollten Firmen darauf (schon im Eigeninteresse) achten. Manchmal liegt es auch an der größeren Wechselbereitschaft. Wer einen wertvollen Arbeitnehmer (beiderlei Geschlechts) nicht davonziehen lassen will, gibt ihm/ihr ein höheres Gehalt. Das ist auch ein Teil von Marktwirtschaft. Künftig könnte sich eine Chefin/ein Chef aber davor hüten, besonders tüchtige Persönlichkeiten zu belohnen. Im besten Falle führt diese neue Transparenz nämlich dazu, dass man den „Wenigerverdienern“ eine Erklärung schuldet, die dann durchaus hart ausfallen kann. Was zu Mobbingvorwürfen bis Sozialgerichtsprozessen führen könnte. Es wäre also nicht unlogisch, wenn diese neue EU-Richtlinie zu einer Nivellierung der Gehälter nach unten führt. Wir werden dann öfter hören: „Ich würde Ihnen ja gerne mehr zahlen, aber dann müsste ich bei allen was drauflegen, und das kann sich die Firma nicht leisten.“ Eine Art sozialistischer Realismus, der in den betroffenen Ländern die Leistungsbereitschaft gegen null gesenkt und die Wirtschaft ruiniert hat.
Die Wirtschaftskammer skizziert für ihre Mitglieder bereits die zu erwartenden Aufgaben, u. a.: Analyse der bestehenden Vergütungsstrukturen und Entgeltansprüche; Definition von gleicher bzw. gleichwertiger Arbeit; geschlechtsspezifisches Entgeltgefälle erheben; Informations-, Auskunfts- und Berichtspflichten. Für Verstöße ist mit Strafen zu rechnen. Firmen dürfen künftig in Aufnahmegesprächen übrigens nicht einmal mehr nach dem bisherigen Gehalt des Bewerbers fragen. Sprich: Der Unternehmer/die Unternehmerin muss stets gegängelt werden, während der Nanny-Staat in allen Bereichen für seine Schäfchen sorgt. Aber gut gemeint ist halt nur selten gut.
Gäbe es momentan nicht eigentlich viel Wichtigeres zu tun? Vielleicht müsste man auch wirklich die „Brandmauer“ zwischen Wirtschaft und Politik einreißen, wie es der ehemalige EU-Kommissar Günther Oettinger diese Woche beim Europa Forum in Lech formuliert hat: „Leider verstehen in der Politik viele die Wirtschaft nicht, und leider verachten viele in der Wirtschaft die Politik.“
KURIER-Herausgeberin Martina Salomon
Kommentare