Ein Auto wie ein Wohnzimmer: Wie schlägt sich der Hyundai Ioniq 9 im Test?

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Wer Raum, Komfort und die volle Digitalisierung sucht, wird Hyundais Größten lieben. Ein Wintertest auf der Langstrecke.

Ioniq heißen die Autos, die Hyundai auf seiner reinen Elektroplattform baut. Nach dem Ioniq 5 und dem Ioniq 6 stellt die Marke mit der Nummer 9 ihr größtes Modell auf die Straße: 5,06 Meter Länge sind eine Vorgabe – Wohnzimmeratmosphäre inklusive. Mit dieser Länge überragt der Ioniq 9 sogar das Äquivalent EV9 aus dem Schwesterkonzern Kia.

Stichwort Atmosphäre: Man fühlt sich im Ioniq 9 wie daheim in einem technisch voll ausgestatteten High-Tech-Wohnzimmer. Alles, wirklich alles, läuft auf Knopfdruck, über Bildschirme, ist elektrifiziert. Beispiele gefällig? Die Seitenspiegel links und rechts sind Bildschirme, der Rückspiegel ebenso, beim Spurwechsel erscheint auf dem Tacho (wie bei Hyundai gekannt) das Video der Rückwärtskamera. High-Tech auch bei den Sitzen: alle sind belüftet und beheizt, der Beifahrersitz verwandelt sich elektrisch in einen Lounge-Sessel mit ausfahrender Fußstütze, so wie in der Businessclass im Flugzeug. Auch die Rücksitze sind vollelektrisch, die dritte Sitzbank, so man sich für eine solche entscheidet, klappt auf Knopfdruck aus dem Boden des Kofferraums.

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Der Ioniq 9 ist ein Riese – das vollelektrische Raumwunder kommt auf fast 30 kW/100 km.

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Hoher Stromverbrauch

Bei den Assistenzsystemen legt der Ioniq 9 auch etwas vor. Das assistierte Fahren mit Tempomat, Spurwechsler und Abstandhalter funktioniert einwandfrei, sodass wir auf der Autobahnfahrt von Attersee nach Wien, immerhin 240 Kilometer, nicht ein einziges Mal Gas- oder Bremspedal bedienen.

Die Strecke wird mit energiesparenden 120 km/h bestritten – trotzdem verbraucht der Ioniq 9 bei Wintertemperaturen satte 29,5 kW/100 Kilometer, im Mittel auf die letzten 3.000 Kilometer. Das ist viel und der Größe und dem Gewicht von knapp 2,6 Tonnen geschuldet. Mit dem riesigen 110-kWh-Akku kommt man damit in den Wintermonaten knapp 400 Kilometer weit (laut WLTP sollen es 620 km sein). Weil die Ioniqs auf der 800-Volt-Ladetechnik basieren, geht das Nachladen aber ziemlich flott. Bei optimalen Bedingungen von 20 auf 80 Prozent in 24 Minuten. Wir durften immerhin 180 kW Ladeleistung erleben.

Spannend ist, dass der Ioniq 9 trotz seiner Kastenwagen-Silhouette nur wenig windanfällig ist. Die Federung ist straff ausgelegt, Schaukelbewegungen sind kaum zu spüren. Richtig gut lässt es sich damit vollbepackt in den Urlaub cruisen. Das Auto ist kein schneller Sprinter, aber ein gemütlicher Dauerläufer für die Langstrecke. Der Platz auf der Rückbank ist enorm, der Kofferraum fasst mehr Volumen als wir Taschen haben: normal 770 Liter, erweiterbar mit geklappter Rückbank und dachhoch auf 2.120 Liter. Da passt wahrlich das halbe Wohnzimmer rein.

Preislich ist das Vergnügen oben angesiedelt: Der Ioniq 9 startet in der 2WD-Version mit 218 PS bei 63.490 Euro, die 4WD-Version mit 307 PS bei 67.490 Euro.

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