Smart #2: Elektro-Zweisitzer feiert im Oktober Premiere
Europachef Wolfgang Ufer „kann nichts Schlechtes über das Joint Venture berichten“.
Smart-Europachef Wolfgang Ufer nimmt sich gerne Zeit für ein Interview. Smart, Joint Venture von Mercedes und Geely, steht vor dem wohl wichtigsten Auto seiner neueren Geschichte: Der #2 kündigt sich an, endlich wieder ein Smart, wie man ihn kennt.
KURIER: Was ist Smart heute? Und haben die Kunden schon verstanden, dass Smart anders ist als früher?
Wolfgang Ufer: Das ist eine berechtigte Frage. Wir sind schon lange nicht mehr nur eine Ein-Produkt-Marke. Seit 2019 sind wir vollelektrisch und da stellte sich für uns die Frage: Mit welchem Segment fangen wir an, wo gibt es Wachstum. Deshalb #1, dann #3, dann #5 – alle viel größer, als man es von uns kennt. Gerade der neue Zweisitzer wird uns aber bei den Kunden helfen. Dann haben wir wieder ein komplettes Portfolio.
Auf dem Smart #2, dem kommenden Kleinen, liegen also große Hoffnungen.
Nur mit Elektroautos zu überleben, ist nicht so einfach. Wir mussten also mit den Großen starten, weil dort die Margen liegen. Jetzt ist es dringend Zeit, dass wir den 2-Sitzer zurückbringen. Unsere Hoffnung ist, dass wir bei den Verkäufen in die Region kommen, wo wir früher waren. Wir wollen so viele Kunden wie möglich wiedergewinnen. Premiere ist schon im Oktober in Paris, ausgeliefert wird im zweiten Quartal 2027. Vielleicht sogar schon früher.
Sie bauen auf den Spirit von früher: es wird ein kleiner Stadtflitzer.
Wir sind Experten beim Kleinen, haben Leute im Team, die seit 30 Jahren bei Smart sind, unser Chefdesigner hat schon den ehemaligen Smart designt. Bei einem kleinen Auto wird jeder Zentimeter nochmals gefaltet. Wir wollen zudem ein sicheres Auto mit Assistenzen, wollen schnellladen können und die Reichweite soll sich verdoppeln. Mit 35,7 kW kommt man auch ziemlich weit. Absolute Innovation ist aber die Sitzbank: Zwei Einzelsitze, die so nah aneinander sind, dass es wie eine Bank wirkt.
Schaffen Sie es preislich, unter der 20.000-Euro-Marke zu bleiben?
Das ist sehr ambitioniert. Wir strengen uns an. Aber schon die Einstiegslinie wird richtig gut ausgestattet sein. Der Preis wird also etwas darüber liegen.
In der Fülle der elektrischen SUV – wo findet Smart seinen Platz?
Da würde ich als Aushängeschild den Smart #5 nennen. Wir haben zwischen 50 und 100 Prozent Wachstum. Gerade die Brabus-Linie kommt super an – für einen Preis über 60.000 Euro hat das Auto einen guten Mix in der Premium-Positionierung. Aber es ist schon so: Niemand hat gesagt, Smart soll unbedingt einen SUV auf den Markt bringen. Wir haben es trotzdem getan und viel Freude damit. In Norwegen ist der #5 „Auto des Jahres“ und wird gefeiert.
Mercedes und Geely: Was ist das für eine Ehe?
Ehen können kompliziert sein. Es ist also nicht immer einfach. Ich bin aber trotzdem glücklich, weil wir eine gute Aufstellung gefunden haben: Mercedes als ursprünglicher Eigner macht Design und Entwicklung. Die Technologie holen wir uns über das Joint Venture aus China. Sonst kann ich Ihnen nichts Schlechtes berichten. Wir sind klein, agil und haben unseren Spirit. Über die Kulturen hinweg gibt es wirklich gute Verbindungen.
Haben echte Smart-Fans ein Problem mit der China-Komponente?
Smart ist die Marke, die seit 26 Jahren in Europa unterwegs ist. Wir denken immer stark europäisch, wir designen rein europäische Produkte. Aber die Produktion ist in China, das stimmt. Die Strafzölle sind natürlich ein schwieriges Thema, das müssen wir schultern.
Denken Sie darüber nach, künftig auch eine Produktion in Europa aufzubauen? Da könnte Mercedes helfen.
Wenn wir sehen, dass ein gewisses Volumen erreicht wird, gerade beim Smart #2, dann werden wir auch über eine europäische Produktion nachdenken. Der #2 wurde in nur zwei Jahren entwickelt. Wenn die Verkäufe anziehen und das Volumen passt, werden wir sehr schnell sein und die Produktion in Europa starten. Wir hätten da auch schon Ideen.
Wo liegen die Stärken von Smart und wo müssen Sie wachsen?
Unsere Stärke ist, dass wir bereits transformiert sind. Von Tag eins aus machen wir softwarebasierte Fahrzeuge, sind 100 Prozent elektrisch, bauen schnell aus und sind auch bei der Software und bei Updates schnell. Als transformierte Firma müssen wir jetzt aber wachsen.
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