Rekordjahr: Der VW-Konzern strauchelt, aber eine Marke legt stark zu

Skoda-CEO Klaus Zellmer über sein Rekordjahr und warum eine Million verkaufte Autos kein einmaliges Ergebnis sein werden.
Zwei Arbeiter montieren gemeinsam eine Windschutzscheibe an einem Škoda-Auto in einer Fabrikhalle.

Die Zahlen könnten unterschiedlicher nicht sein. Auf der einen Seite der VW-Konzern, der das operative Ergebnis 2025 auf 8,9 Milliarden Euro halbierte, nur noch einen operative Marge von 2,8 Prozent erreichte und der mit der Sportwagen-Tochter Porsche ein echtes Sorgenkind hat. Hier sank der operative Gewinn auf nur noch 90 Millionen Euro – nach 5,3 Milliarden Euro im Jahr davor.

Auf der anderen Seite: Skoda. Auch im VW-Konzern, aber „mit einem Rekordjahr“, wie CEO Klaus Zellmer im Gespräch mit dem KURIER betont. Skoda hat es 2025 geschafft, mehr als eine Million Fahrzeuge zu verkaufen (plus 12,7 %), die Umsatzgrenze von 30 Milliarden Euro zu überschreiten (plus 8,6 Prozent) und sich zur drittbestverkauften Automarke Europas zu behaupten. Mit seinen Elektromodellen zeigt die Marke aus Tschechien in der Verkaufsstatistik sogar Tesla die lange Nase. Warum dieser Erfolg?

Volkswagen Group media preview at IAA Mobility 2025

Auf der Shoppingliste

Zellmer hebt hervor, man sei mit Skoda am Kundenwunsch, entwickle stringent „Value vor money“ und habe sich dadurch eine „hohe Akzeptanz auf der Shoppingliste der Leute“ erarbeitet. Die Autos würden mit dem neuen Design und Markenauftritt einfach passen, gerade auch die vollelektrischen (siehe Infobox unten). Und er gibt an, dass das „kein einmaliges Ergebnis ist“, sondern Skoda seit Jahren zeigt, dass das Geschäftsmodelle funktioniert. Der Verkauf brummt also – aber auch die Produktion spielt im Ergebnis eine entscheidende Rolle.

„Am wichtigsten ist für uns die Ausnutzung der Kapazitäten unserer Anlagen“, sagt der CEO. Und lässt mit einem Satz aufhorchen: „Wir haben 111 Prozent der Kapazitäten ausgenutzt, fahren 18 Schichten und können damit enorm stark skalieren.“ Zur Erklärung: Eine Fabrik kann eine Auslastung von mehr als 100 Prozent dann erreichen, wenn sie über ihre ursprünglich geplante oder nominelle maximale Kapazität hinaus produziert. Auf diesem Produktionsniveau spielten dann sogar die niedrigeren Personalkosten in Tschechien – im Vergleich zu Deutschland – eine untergeordnete Rolle. „Das hat natürlich einen Effekt, aber entscheidend ist die Effizienz in der Produktion“, sagt Zellmer.

Die Position von Skoda im VW-Konzern sei naturgemäß stark: „Natürlich reiben wir uns aneinander, aber die Marken finden immer besser ihr Gleichgewicht“, ist er um Freundlichkeit trotz Konkurrenz bemüht. Es gebe übrigens keine Konzernvorgabe, die einer margenstärkeren Marke in der Produktion Vorteile verschaffen würde. „Produziert wird nach Plan“, sagt Zellmer.

Das Regionen-Spiel

Angesprochen auf die Weltlage und Europa, zeigt sich der Skoda-CEO besorgt. 80 Prozent der Verkäufe von Skoda finden in Europa statt, „da haben wir eine Abhängigkeit, die wir versuchen, auszugleichen“. Das sei aber angesichts der Weltlage gerade nicht leicht: „In China haben wir einmal 300.000 Autos verkauft, heute sind es 15.000. Russland haben wir als Markt aufgegeben und der Mittlere Osten war vor vier Wochen noch eine Hoffnungsregion, ist aber jetzt uneinschätzbar“, so Zellmer.

Neuer Hoffnungsmarkt für Skoda ist Indien. Die Auslieferungen haben sich dort auf 70.600 Fahrzeuge nahezu verdoppelt, das Skoda-Werk in Indien mit 5.000 Mitarbeitern sei enorm wichtig für die Region. Zellmer: „Wir produzieren in Indien zu sehr günstigen Kosten, da müssen sich auch die chinesischen Werke anstrengen.“ Kaufen würden die Inder übrigens Autos unter vier Meter Länge (Modell: Kylaq) und mit Verbrennungsmotor.

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