Sorgenkind VW: Europas größter Autobauer kommt nicht aus dem Krisenmodus
Zusammenfassung
- VW plant bis 2030 den Abbau von 50.000 Stellen in Deutschland, statt der bisher bekannten 35.000.
- Der Gewinn des Konzerns ist 2025 um 44 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro gesunken, während der Umsatz stagnierte.
- Die Absatzzahlen stiegen in Europa um 5 Prozent, während sie in Nordamerika und China zurückgingen.
Es ist die nächste schlechte Nachricht in einer ohnehin schon langen Reihe an schlechten Nachrichten aus Wolfsburg.
Schon allein deswegen überraschen die jüngst veröffentlichten Zahlen wohl nicht mehr. Und doch haben sie diesmal eine neue Qualität. Um fast die Hälfte ist der Gewinn des Volkswagen-Konzerns im vergangenen Jahr eingebrochen, von 12,4 Milliarden Euro auf 6,9 Milliarden Euro. Das ist der schlechteste Wert seit dem Dieselgate-Einbruch vor zehn Jahren. Der Umsatz stagnierte bei 322 Milliarden Euro.
Europas größter Autobauer VW ist im Krisenmodus. Und das noch länger: Bis 2030 sollen 50.000 Jobs gestrichen werden, 15.000 mehr als die bisher bekannten 35.000, gab der Autobauer am Dienstagmorgen bekannt.
Finanzchef Arno Antlitz machte dafür auch die politische Großwetterlage verantwortlich. Das vergangene Jahr sei von geopolitischen Spannungen, Zöllen und hoher Wettbewerbsintensität geprägt gewesen. Die Restrukturierung bei dem Unternehmen zeige zwar Fortschritte und der Netto-Cashflow sei besser ausgefallen als erwartet. Aber: "Das aktuelle Ergebnisniveau von bereinigt 4,6 Prozent vor Restrukturierung reicht langfristig nicht aus."
Bei der operativen Rendite habe sich der Konzern vier bis 5,5 Prozent vorgenommen. Das wäre eine deutliche Verbesserung zu den 2,8 Prozent im vergangenen Jahr, als dieser um 3,1 Punkte abgerutscht war.
„Nach drei intensiven Jahren der Neuausrichtung der Volkswagen Group sehen wir messbare Fortschritte“, wird Unternehmenschef Oliver Blume in einer Aussendung zitiert. Gleichzeitig bewege sich der Konzern in einem komplett veränderten Umfeld. „Deshalb werden wir nicht nachlassen, den eingeschlagenen Weg konsequent zu verfolgen.“ Sprich: Man hat schon viel gespart, doch das reicht nicht aus.
Stellenabbau bei VW
VW werde nun "weiter konsequent unsere Kosten senken", erklärte Antlitz. In Deutschland werden deshalb weitere Stellen gestrichen: "Insgesamt sollen bis 2030 rund 50.000 Stellen im gesamten Volkswagen-Konzern in Deutschland abgebaut werden", erklärte Konzernvorstand Blume in einem Brief an die Aktionäre. Ende 2024 hatte Volkswagen mit den Gewerkschaften einen Stellenabbau in Deutschland um 35.000 bis 2030 vereinbart, vor allem bei der Kernmarke VW.
Dabei kamen zuletzt eigentlich vergleichsweise gute Nachrichten aus Wolfsburg: Im Jänner hatte VW überraschend mitgeteilt, dass der Cashflow 2025 deutlich besser ausgefallen war als noch im Herbst angenommen. Statt der zuvor angepeilten null Euro lägen nun sechs Milliarden Euro in der Kasse, so der Konzern laut Süddeutscher Zeitung.
Weltweit beschäftigte VW voriges Jahr noch 662.900 Mitarbeiter. Das waren um 2,4 Prozent weniger als 2024.
Absatz in Europa um 5 Prozent gestiegen
Bei den Absatzzahlen freute sich der Autokonzern über einen Anstieg um 5 Prozent in Europa und zehn Prozent in Südamerika. In Nordamerika verkaufte VW hingegen zwölf Prozent weniger Fahrzeuge, in China sechs Prozent weniger. Insgesamt verkaufte der Konzern knapp neun Millionen Fahrzeuge, nach etwas mehr als neun Millionen im Vorjahr.
Laut einer Studie aus dem Jahr 2024 sind in Österreich rund 6.300 Jobs direkt von Volkswagen abhängig. 135 heimische Firmen beliefern deutsche VW-Werke. Die meisten dieser Unternehmen befinden sich im Automobil-Cluster in Oberösterreich und der Steiermark.
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