Porsche 911 Dakar: Zu ebener Erde und erster Stock

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Die Schwaben machen vom 911 eine Art Offroad-Version, die konsequenterweise Dakar genannt wird. Wir sind mit dem Auto über den Schotter gefahren

Walter Röhrl sagt über den 911 Dakar, dass er mittlerweile in einem Alter ist, wo das bequeme Ein- und Aussteigen bei diesem Auto schon ein überlegenswerter Faktor wäre. Das ist natürlich ein vergleichsweise profaner Ansatz (wir haben aber einen noch profaneren gefunden, dazu später). Und so merkt der Rallye-Champion quasi im selben Atemzug an, dass der Allradantrieb im Rallye-Modus hecklastiger wird und man so besser driften kann. Rennfahrer bleibt eben doch Rennfahrer.

Was heißt Dakar? Nun, wenn es mittlerweile tiefergelegte Geländewagen gibt, warum auch nicht höhergelegte Sportwagen. Und so verpasst Porsche dem 911 eine erhöhte Bodenfreiheit. Um 50 Millimeter wurde der 911 höhergelegt und mittels der Liftanlage, die über einen Knopfdruck bedient wird, kann man nochmals 30 Millimeter zusätzlich Abstand zum Boden gewinnen.

Tradition

Bei Porsche hat man freilich, was den Offroad-Einsatz seiner Autos betrifft, mehr Tradition als man glauben mag. 1978 schickte sich Porsche an, mit einem entsprechend präparierten und 28 cm höhergelegten 911 SC Safari an, die Härteprüfung Safari Rallye zu gewinnen (es wurden die Plätze 2 und 3) und 1984 gewann man mit einem 911 4x4 die Rallye Paris-Dakar.

Und der 911 Dakar von 2023 soll eine Hommage an diesen Erfolg sein. 480 PS leistet der 3.0-Biturbo-Sechszylinder im Heck. Der Motor grollt nach dem Anlassen so, wie man es von einem Auto aus Zuffenhausen erwarten. Man beschleunigt in 3,4 Sekunden auf Tempo 100 und wird dabei in die harten Sportschalensitze gedrückt. Das bequeme Ein- und Aussteigen bleibt, wenn man so will, die einzige Konzession an das Thema Komfort. Das Fahrwerk ist hart und die hinteren Sitze hat man zwecks Gewichtsersparnis ganz rausgeworfen. Der 911 lässt sich dabei exakt dirigieren und das, obwohl hier spezielle All Terrain Reifen mit gröberem Profil montiert sind.

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Fahrmodi

Dass man es mit einem 911 mit erweiterten Talenten zu tun hat, lässt sich an den Fahrprofilen ablesen. Neben „Nass“, „Sport“ und „Normal“ hat man auch „Rallye“ und „Offroad“ zur Auswahl. Wo das Otto-Normalverbraucher tatsächlich brauchen wird, sei einmal dahingestellt – abgesehen von unasphaltierten und nicht beheizten Garagen-Auffahrten. Damit zum profanen Vorteil des Dakar-911ers: Bei Schwellern muss man nicht im Schritttempo drüberrollen, um nicht den Frontspoiler zu ramponieren. Und die begegnen einem bei einer Testfahrt in Wien und Umgebung häufiger als Wanderdünen.

Unser Test-Porsche hatte übrigens das Rallye-1971-Dekor und es gibt weitere Dekors aus dem Rennsport, die extra zu ordern wären (wenn man das will). Der 911 Dakar kostet über 290.000 Euro. Aber: Die 2.500 Stück, die Porsche von dem Auto produziert, haben allesamt schon Käufer gefunden.

Das gefällt
Trotz der zusätzlichen Talente immer noch ein 911er, wie man ihn sich vorstellt. Tolle Fahrleistungen, liebevoll gestaltete Motorsport-Dekors 

Das gefällt nicht
Abgesehen vom Einstieg wenig Komfort, hoher Anschaffungspreis, limitierte Stückzahl (und die ist ausverkauft)

Daten
Motor: Sechszylinder-Biturbo, 480 PS, Allradantrieb, 8-Gang-PDK-Getriebe, 0 – 100 km/h in 3,4 Sekunden, Spitze 240 km/h, Verbrauch (WLTP); 11,3 Liter

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